Deutschlands dienstältester OB scheidet nach 38 Jahren aus dem Amt

Schwabach - Als Hartwig Reimann im Mai 1970 erstmals auf dem Chefsessel im Schwabacher Rathaus Platz nahm, war er gerade 31 Jahre alt. Mittlerweile ist er mit 38 Amtsjahren Deutschlands dienstältester Oberbürgermeister. Nach mehr als 13 750 Tagen im Amt fällt dem SPD-Mann Reimann das Aufhören nicht leicht.

Das bayerische Kommunalwahlrecht verbietet aber die Kandidatur für ein hauptberuflich ausgeübtes kommunales Wahlamt, wenn der Bewerber am Tag seines Amtsantritts das 65. Lebensjahr vollendet hat.

Im September wird der Vollblutpolitiker mit dem weißen Haar 70. Deshalb wird der 30. April sein letzter Arbeitstag sein. "Ich werde in den verbleibenden knapp 100 Tagen so weiter machen wie bisher", bekennt der gebürtige Westpreuße, den es 1970 eher zufällig in die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns verschlug. "Was ich vom 1. Mai an machen werde, weiß ich noch nicht", sagt er äußerlich gelassen. Eine gewisse innere Unruhe aber kann er nicht verbergen, wenn er an die Zeit nach seinem Ausscheiden denkt.

Ganz aus der Politik zurückziehen will sich Reimann auch nach dem 30. April nicht. Deshalb kandidiert er für die SPD noch einmal zum Stadtrat, wenn auch auf dem 40. und damit letzten Platz. "Als ich vor 38 Jahren mein Amt antrat, haben mir der langjährige 2. Bürgermeister und der erfahrene Kämmerer den Einstieg sehr erleichtert", erinnert sich Reimann. "Mittlerweile ist bei mir ein gewisses Wissensmonopol entstanden, das ich gerne noch an meinen Nachfolger weitergeben möchte."

Fünf Männer und eine Frau bewerben sich um das höchste Amt in der gut 40 000 Einwohner zählenden Goldschlägerstadt. Aussichtsreichste Kandidaten sind CSU-Stadtratsfraktionschef Matthias Thürauf (35) sowie die SPD-Landtagsabgeordnete und langjährige Stadträtin Helga Schmitt-Bussinger (49). Außerdem kandidieren Vertreter der Grünen, der FDP, der Freien Wähler und einer Wählerinitiative. Eine Entscheidung, wer am 1. Mai in Reimanns Fußstapfen treten darf, wird wohl erst bei einer Stichwahl am 16. März fallen.

Nur einmal, von 1972 bis 1978, verfügte Reimanns Partei über eine absolute Mehrheit im Stadtrat. Dank seiner auch beim politischen Gegner geschätzten Integrationskraft gelang es Reimann aber fast immer, die unterschiedlichen Interessen der Parteien auf einen Nenner zu bringen. "Nur im Wahlkampf wurden ab und zu ein paar Spitzen ausgeteilt", beschreibt der Oberbürgermeister das kollegiale Klima im Stadtrat.

Auch auf Landesebene hatte Reimann mit der CSU kaum Probleme. "Wir haben immer bekommen, was uns zusteht." Zu Gute kam ihm dabei seine herausgehobene Stellung als langjähriges Vorstandsmitglied des Bayerischen Städtetages und als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) von 1980 bis 1999.

Als wichtigste Meilensteine seiner 38-jährigen Amtszeit nennt Reimann die Altstadtsanierung, die Ausweisung eines großen Gewerbegebietes mit bis zu 5000 neuen Arbeitsplätzen, die gute Zusammenarbeit mit den großen Nachbarstädten in der Städteachse Nürnberg-Fürth-Erlangen-Schwabach und die Sondermüllanlage. "Die Auseinandersetzung um das Thema Müll hat in unserer Stadt frühzeitig ein verschärftes Umweltbewusstsein geschaffen", betont Reimann. So wurde Schwabach 1993 als "Modellstadt Ökologie" ausgezeichnet, obwohl sich die Stadt nicht an der bundesweiten Ausschreibung beteiligt hatte. Vor drei Jahren gewann Schwabach die Goldmedaille im Wettbewerb "Unsere Stadt blüht auf".

Auch interessant

Kommentare