"Dezidiert bayerische Hymne"

München - Die Debatte über die Änderung der Bayernhymne hält an. Auch mehrere CSU-Landtagsabgeordnete favorisieren die Version mit "Heimaterde". Stimmen für "deutsche Erde" sind hingegen rar.

Wie verbreitet die Version "Heimaterde" gerade auf dem Land ist, war erst vergangene Woche zu hören: Als die Ehrengäste vom Chef des Bayerischen Trachtenverbands Otto Dufter nacheinander für ein Grußwort aufs Podium gebeten wurden, war darunter auch die Weilheimer CSU-Landtagsabgeordnete Renate Dodell. Sie schloss ihre Rede mit den Worten: "Gott mit Dir, Du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland!"

Kein Einzelfall: Neben Dodell plädiert auch der Rosenheimer Abgeordnete Sepp Ranner (CSU) für "Heimaterde". "Das liegt mir einfach besser", auch wenn er mit "deutsche Erde" ebenfalls leben könne. Ulrike Scharf-Gerlspeck, CSULandtagsabgeordnete aus Erding, sagt: "Ich singe am liebsten Heimaterde, das stellt sich bei mir ganz automatisch ein, weil es sich am besten anhört. Wenn ich jemand höre, der deutsche Erde singt, stutze ich immer." Vierter im Bunde ist Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Dessen Vater hatte die Version mit "Heimaterde" in den 1960er Jahren eingeführt, ehe Franz Josef Strauß 1980 dies per Bekanntmachung unterband.

Freilich gibt es auch Gegenstimmen. Die CSU-Abgeordnete und Landesbäuerin Annemarie Biechl aus Feldkirchen-Westerham etwa bevorzugt die Textzeile "deutsche Erde". Dies habe sie so "verinnerlicht". Auch der Landesschef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, ist für "deutsche Erde". Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Sepp Dürr, äußerte sich differenziert: "Den bayerischen Akzent durch das Wort Heimat deutlicher zu betonen, unterstütze ich." Allerdings könne er mit dem Begriff "Erde" nicht viel anfangen. Viele Bayern seien nicht hier geboren, sollten sich hier aber zu Hause fühlen.

Unter unseren Lesern hat sich ein eindeutiges Meinungsbild herauskristallisiert - pro "Heimaterde". Beispiele:

"Auf jeden Fall Heimaterde" (Antonie Ostermann, 85354 Freising)

"100 Prozent: Heimaterde" (M. Menzel, 86971 Peiting)

"Vom damaligen Pfarrer der katholischen Kirche Maria Schutz erhielt ich vor mehr als zehn Jahren ein Bildchen mit dem Text dieser Hymne. Da steht Heimaterde, nichts von einer deutschen Erde." (Katharina Kienlechner, München)

"Heimaterde soll es heißen. Schließlich ist es keine deutsche Nationalhymne, sondern eine dezidiert bayerische." (Dr. Stefan Kottmair, 82067 Ebenhausen)

"Der Streit um den Text der Bayernhymne wird sich von selbst erledigen. Ein Weilheimer Grundschullehrer sagte mir, in seiner Klasse ist kein einziger Schüler mehr in der Lage, Bairisch zu sprechen! Mitschuld daran trägt die CSU, die einst die Eltern aufforderte, mit den Kindern keinen Dialekt zu sprechen." (Georg Demmer, Weilheim)

"FJS hat uns mit seinem neuen Text eine Bärendienst erwiesen - denn er wollte als Bayer ja deutscher Kanzler werden. Herr Maget hat ein feines Gespür für Heimat." (Josef-S. Haider, 82491 Grainau)

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