„Dicht & Ergreifend“ feierten bayerisch.
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„Dicht & Ergreifend“ feierten bayerisch.

Voglwuide Voigasparty

„Dicht & Ergreifend“: Gaudiburschen in der Olympiahalle

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Eigentlich ist es ein Frevel, über „Dicht & Ergreifend“ nicht auf Bairisch zu schreiben. Die Gstanzl-Hip-Hopper aus Niederbayern singen bayerisch, springen bayerisch, denken bayerisch, feiern bayerisch, ach, was soll's, einmal sei's erlaubt.

Da Abschluss vo da "Ghetto mi nix o"-Tour am Samsdogomd in da fast bumsvollen Olympiahall' war so a voglwuide Voigasparty, do kennan se de ganzn Gängsta-Räppa mit eahnane Tschickentexte schleicha! Zefix! Huift aber nix, weil's jeder verstehen soll, nochmal auf Schriftdeutsch: Der Abschluss der "Ghetto mi nix o"-Tour am Samstagabend in der fast ausverkauften Olympiahalle war eine derartige Wahnsinnsparty, da können sich alle Gangster-Rapper mit ihren dubiosen Texten veziehen! Aber sowas von!

Es war ein gewagter Versuch von Lef Dutti (bürgerlich: Fabian Frischmann, Gesang), George Urkwell (Michael Huber, Gesang), DJ Spliff (Markus Hinkelmann, Samples), Goldie Horn (Jutta Keeß, Tuba) und Sir Mix a Lothar (Lothar Beyschlag, Trompete), die riesige Olympiahalle zu mieten - funktioniert ein Konzert, das so sehr von der Nähe zum Publikum lebt, auch in einer riesigen Halle? Ein Konzert, das jedes Mal anders ist, weil ohne großes Konzept?

Warum's am Samstag geklappt hat? Weil Dicht & Ergreifend auf egal welcher Bühne Gaudiburschen sind, die mit ihren Fans Spaß haben wollen. Inklusive Stage-Diving (von der Bühne ins Publikum hüpfen und auf Händen weitergereicht werden), albernes Rumgehüpfe zum Beat auf der Bühne, Bier und Co. aus der Flasche, und bei einem Lied ("Wach vom Wecka") mit mehreren befreundeten Rapper gemeinsam hip zu hoppen. Das ist so herrlich einfach und fett zugleich. DJ Spliff und Goldie Horn treiben mit ihren Beats Lef Tutti und George Urkwell jedes Mal aufs Neue zu Höchstleistungen. Das war schon vor dreieinhalb Jahren im Zenith so, als Dicht & Ergreifend als Vorband von Cypress Hill erstmals so richtig aufhorchen ließen, das war jetzt als Hauptact in der Olympiahalle so. Dreieinhalb Stunden Vollgasparty! Ein Dicht & Ergreifend-Konzert ohne durchgeschwitzte Shirts auf der Bühne und im Publikum ist kein Dicht & Ergreifend-Konzert!

Das war rein technisch gesehen in der Olympiahalle nicht perfekt: mal funktionierte die mobile Kamera nicht (zum Beispiel gleich zu Beginn, als man eigentlich den als Polizisten verkleideten Hannes Ringlstetter hinter der Bühne hätte sehen sollen, er aber nur ganz kurz mal im Bild war, was aber eh ziemlich egal ist), ab und zu war es zwischen einzelnen Songs länger dunkel und keiner wusste, ob und wie es weitergeht. Aber hey, lieber so, ehrlich wahr, als durchgestylte Shows. Okay, die Dichtis, wie ihre Fans sie nennen, haben auch Konfetti-Kanonen abgefeuert, aber wurscht: Das ist mittlerweile selbst bei Kindergeburtstagen Usus.

Ein Dichtis-Konzert ist eigentlich nichts anderes: Ein grober Plan, wie's ablaufen soll, den Rest schauen wir mal. In einem riesigen, mit Bettfedern gefüllten Einhorn-Schlauchboot vom Publikum durch die Arena tragen lassen: die Dichtis können's. Mit Liedern wie "Zipfeschwinga" und "Bierfahrerbeifahrer" die Masse zum Hüpfen, Springen, Toben bringen: die Dichtis haben's drauf. Ernste Töne zu Flüchtlinge und Waffenexporte ("Ned dahoam") und die ganze Halle auffordern, der Bundesregierung den Mittelfinger zu zeigen: die Dichtis machen's. Technischer Schnick-Schnack mit großer Leinwand und Filmchen drauf: die Dichtis haben's am Samstag zwar getan, brauchen es aber gar nicht. Weil's zu sehr von der eigentlichen Party ablenkt. Der Versuch war's trotzdem wert, weil er gezeigt hat, dass Dicht & Ergreifend auch Olympiahalle können. Auf Bairisch: Es war a Riesenmettn, den die Dichtis uns gelesen haben. Mercidici!

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