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Dieses Foto hat die JU auf Facebook gepostet.

Aufmerksamkeit um jeden Preis

Geschmackloser Vergleich? Junge Union in der Kritik

München - Die Junge Union München-Nord ärgert sich bei Facebook über Rot-Rot-Grün, indem sie ein berühmtes Bild zweckentfremdet. Dafür bekommt sie Kritik aus ganz Deutschland.

Als sich am Dienstagabend rund hundert Bundestagsabgeordnete von SPD, Linkspartei und Grünen in Berlin treffen, juckt es Alexander Rulitschka in München in den Fingern. Der 26-jährige Vorsitzende der Jungen Union (JU) in München-Nord und Mitglied des Bezirksausschusses Milbertshofen – Am Hart sagt: „Für die Junge Union ist Rot-Rot-Grün das größte Feindbild.“ Deshalb veröffentlicht er einen Beitrag auf der Facebook-Seite der JU München-Nord, der auch zwei Tage danach deutschlandweit für Furore sorgt.

„Der deutsche Sozialismus formiert sich im Bund“, lautet die Überschrift des Facebook-Beitrags. Dazu die Logos von SPD, Linkspartei und Grünen und das berühmte Bild eines russischen Soldaten, der 1945 die Flagge der Sowjetunion auf dem Reichstag in Berlin hisst. Das Foto steht wie kein anderes für das Ende des Nationalsozialismus. 

Der Post der JU München-Nord

Der Kontext, in dem es die JU verwendet, ist aber ein anderer. „#R2Gverhindern“ hat Rulitschka neben das Foto geschrieben. Soll heißen: Eine Koalition von SPD, Linken und Grünen bei der Bundestagswahl 2017 darf nicht kommen. Könnte aber auch heißen: lieber der Nationalsozialismus als Rot-Rot-Grün. So jedenfalls deuten viele bei Facebook den Beitrag.

„Ein bisschen provozieren sollte das Foto auch“

Der Vorsitzende der Jungen Union München-Nord, Alexander Rulitschka.

Viele Nutzer sind deshalb empört. In zwei Tagen haben mehr als 300 000 Menschen den Beitrag gelesen, knapp 900 haben ihn geteilt, mehr als 600 haben ihn kommentiert. Viele Ortsverbände der SPD, Jusos aus ganz Deutschland und das NDR-Magazin Panorama teilen den Beitrag mit einer kritischen Bemerkung. „Geschmacklos“ finden die Jusos Bottrop den Beitrag. „Historische Vergleiche und ihre Tücken: Wenn SPD, Die Linke und die Grünen auf diesem Bild die Rote Armee darstellen sollen – wo sieht sich dann die Junge Union München-Nord?“, schreibt Panorama auf seiner Facebook-Seite.

„Es ging darum, die Linkspartei mit der Fahne der Roten Armee als Symbol für Sozialismus zu vergleichen“, sagt Rulitschka, „und ein bisschen provozieren sollte das Foto auch.“ Die Provokation ist geglückt. Der historische Aspekt sei „zusätzlich hineininterpretiert“ worden, um die JU angreifbar zu machen, meint Rulitschka. „Ich sehe ein, dass man es widersprüchlich auffassen kann, aber es ist inhaltlich kein Fehler.“

„Wir haben eine Debatte entfacht“

Kritik kommt aber auch aus den eigenen Reihen. „Jetzt dreht die Junge Union München-Nord völlig durch“, schreibt der Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz (CDU) auf seiner Facebook-Seite. Zwar sei aus seiner Sicht die Linkspartei nicht koalitionsfähig, trotzdem: „Die Gründe werden wir im Wahlkampf deutlich machen, aber nicht so.“ Außerdem teilen AfD- und NPD-Gruppen auf ihren Facebook-Seiten Rulitschkas Beitrag; jedoch nicht, um zu kritisieren, sondern um der JU beizupflichten. „Wenn Rot-Rot-Grün kommt, ist das Land eurer Väter und Urväter dem Untergang geweiht“, kommentiert die AfD Fulda. Selbst das sieht Rulitschka gelassen: „Ich kann niemanden daran hindern, den Beitrag zu teilen“, sagt der 26-Jährige. „Wir haben eine Debatte entfacht, das finde ich sehr spannend.“

Alexander Rulitschka wertet die Diskussion um seinen Facebook-Beitrag sogar als Erfolg. Vielleicht auch, weil er und die JU München-Nord sehr viel Aufmerksamkeit erhalten haben – die wichtigste Währung im Internet.

Caspar von Au

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