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„Die Nachfrage explodiert“: Riesiger Ansturm auf Brennholz und Öfen

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Von: Claudia Schuri

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Wohlige Wärme durch ein Ofenfeuer wünschen sich immer mehr Menschen.
Wohlige Wärme durch ein Ofenfeuer wünschen sich immer mehr Menschen. © Angelika Warmuth/dpa

Das Gas ist knapp, das Öl ist teuer – da spielen viele mit dem Gedanken, im Winter vermehrt mit Holz zu heizen. Die Nachfrage ist enorm – aber es gibt auch hier Probleme.

Draußen ist es eisig kalt – und drinnen sorgt ein knisterndes Kaminfeuer für wohlige Wärme. So stellen sich das derzeit viele Münchner für den kommenden Winter vor. Doch auch hier ist inzwischen alles knapp.

Von langen Wartezeiten auf den Holzofen berichtet Ofenbauer Dietmar Sewald.
Von langen Wartezeiten auf den Holzofen berichtet Ofenbauer Dietmar Sewald. © privat

„Öfen, die wir jetzt bestellen, bekommen wir zum Teil dieses Jahr nicht mehr“, sagt Dietmar Sewald, der einen Ofenbaubetrieb führt und Obermeister bei der Innung des Kachelofen- und Luftheizungsbauerhandwerks München-Oberbayern ist. Vor November sei bei vielen Firmen gar nichts mehr erhältlich. Und: Die Preise steigen. „Es gab heuer schon zwei Preiserhöhungen von jeweils sechs bis acht Prozent“, berichtet er. Trotzdem ist die Nachfrage immens: „Die Zahl der Anfragen sind fünf bis sechsmal so hoch wie sonst“, erklärt er. Beliebt seien auch Kochherde mit Feuer und Herd-Kaminofen-Kombinationen. „Früher waren sie eher Kult, jetzt gehen sie durch die Decke.“, sagt Sewald. „Viele haben Angst und möchten sich selbst zu helfen wissen.“

Nicht immer ist ein Ofen umsetzbar

Den Eindruck teilt der Münchner Ofenbauer Mirdad Wachter. „Ich bekomme einige panische Anrufe“, berichtet er. „Aber nicht immer sind in den Gebäuden die Voraussetzungen für einen Ofen überhaupt gegeben.“ Inzwischen bittet er Interessenten, ihm zunächst Fotos des Hauses zu schicken. Einige Aufträge musste er schon absagen, für eine ausführliche Beratung hat er erst im September wieder Termine frei. Kurzfristig sei ein Ofen gerade oft nicht umsetzbar, erklärt er. „Die Liefersituation ist erschwert und auch die Genehmigung von der Stadt ist ein längerer Prozess.“

Brennholz, Pellets und Briketts - alles wird teurer

Doch auch, wer bereits einen Ofen hat und nur das Holz benötigt, könnte Probleme bekommen. „Die Nachfrage explodiert“, berichtet Brennholz-Händler Konrad Kötterl. „Die Leute sind teilweise panisch, kein Holz mehr zu bekommen.“ Die Folge: Sie schaffen sich einen Vorrat an. „Der Hamster-Effekt liegt bei ungefähr 20 Prozent“, sagt er. Normalerweise habe er im Sommer drei bis vier Bestellungen pro Tag. „Momentan sind es 20 bis 30.“

Eine riesige Nachfrage nach Brennholz und steigende Preise erlebt Konrad Kötterl von der Firma CN Trading
Eine riesige Nachfrage nach Brennholz und steigende Preise erlebt Konrad Kötterl von der Firma CN Trading © privat

Das Problem: „Holz ist eine endliche Ware und nur in einer gewissen Menge verfügbar“, erklärt er. Auch die Arbeits-, Trocken-, Transport- und Verpackungskapazitäten seien begrenzt. „Es ist schon eine Knappheit feststellbar“, sagt Kötterl. Die Lieferfristen werden länger und die Preise schießen in die Höhe. Anfang des Jahres habe ein Ster Buchenholz rund 120 Euro gekostet. „Jetzt sind es ungefähr 160 Euro und die Tendenz geht in Richtung 200 Euro“, berichtet er. Denn die enorm gestiegenen Energiekosten seien erst zum Teil einbezogen. Sein Rat: „Wer noch Holz für den Winter braucht, sollte am besten in den nächsten vier Wochen schauen, dass er etwas bekommt. Was im September oder im Oktober sein wird, ist schwer absehbar.“ Er kann heuer wegen des Ansturms nur noch Bestandskunden beliefern..

So handhabt es auch Händler Matthias Birnkammer. „Beim Brennholz arbeiten wir jetzt die Reservierungen vom Herbst ab“, sagt er. „Das Problem ist die Beschaffung der Produkte und es wird zum Teil die drei- bis vierfache Menge gekauft.“ Er hat zudem Holzbriketts und Pellets im Angebot – und hier gibt es ähnliche Tendenzen. Zwischen 450 und 500 Euro würde eine Tonne Pellets derzeit kosten. „Früher waren es 250 bis 300 Euro“, sagt er. Bei den Briketts hätten sich die Preise von 250 bis 300 Euro auf 420 bis 550 Euro erhöht. Panik sei jetzt trotzdem nicht sinnvoll, benötigt Birnkammer: „Irgendwie gibt es immer eine Lösung“, betont er.

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