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Johannes Schricker (links) und Maximilian Heisler.

Wie diese beiden Männer Helfern helfen

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München - Nachbarn helfen, gegen Mietwucher kämpfen, Flüchtlingskinder unterstützen. Es gibt viele Wege, in dieser Stadt Gutes zu tun. Oft stoßen kleine Initiativen aber an Grenzen, wenn Geld fehlt, Mitstreiter – oder Wissen. Zwei junge Männer wollen helfen: mit der „Gute-Dinge-Stiftung“.

Die Nachbarin von Johannes Schricker hat im vergangenen Jahr Flüchtlingskindern geholfen. Wie so viele Menschen in dieser Stadt. Sie fuhr zum Beispiel mit ihnen in den Zoo. Die Fahrkarten kosteten Geld. Irgendwann war es zu viel Geld.

Johannes Schricker ist ein fröhlicher Typ. Er ist aber auch ein Anpacker. Schricker, 34, Kommunikationsdesigner, hat viele Geschichten wie die seiner Nachbarin gehört. Zusammen mit Mieteraktivist Maximilian Heisler, dem Wirt der „Geyerwally“ im Glockenbachviertel, überlegte er, wie man all jene unterstützen könnte, die Gutes tun wollen, dafür aber selbst ein wenig Hilfe benötigen. Und gründeten letztlich eine Stiftung.

In diesen Tagen kann man zwei gut gelaunte junge Männer am Stadtstrand am Vater-Rhein-Brunnen besuchen. Wie sie da entspannt an einem Biertisch sitzen, selbst gedrehte Zigaretten rauchen und Bio-Limonade schlurfen, fallen sie unter den Besuchern, die die Tage hier fröhlich im Liegestuhl verbummeln, nicht auf. Doch Heisler und Schricker arbeiten ehrenamtlich hier. Sie helfen anderen Ehrenamtlichen. Auf einer kleinen Fahne neben ihrem Biertisch steht „Gute-Dinge-Stiftung“. Darum geht es ihnen: um ganz unterschiedliche Menschen, die Gutes tun – und die Hilfe benötigen. Ganz praktische Hilfe. Oder Geld. Oder Material. Oder Unterstützung bei der Hilfe eines Vereins.

Heisler ist so etwas wie ein Experte auf diesem Gebiet. Mit Anfang 20 hat er als Mieteraktivist in Untergiesing angefangen. Das „Bündnis Bezahlbares Wohnen“, die „Hut-Partei“ – sein Engagement zog immer weitere Kreise. „Hut“ sollte eine Stimme für die Initiativen im Rathaus sein, ein Stadtrats-Sitz wurde ergattert (viele Hut-Leute aber sind, wie zu hören ist, unzufrieden mit der Arbeit von Stadtrat Wolfgang Zeilnhofer-Rath). Schricker ist auch im „Bündnis Bezahlbares Wohnen“ aktiv – mit Heisler zusammen hat er lange gebastelt an der richtigen Form. Jetzt steht die Zwei-Mann-Stiftung für ein besseres München. Heisler spricht oft in Bildern. Die Stiftung solle ein „Gewächshaus“ sein, sagt er zum Beispiel. Initiativen soll geholfen werden, groß und stark zu werden. Oder Heisler sagt: „Wir sind ein Werkzeug. Sie sollen uns benutzen.“ Und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Die Stiftung will helfen, Geld einzutreiben. Initiativen vernetzen. Sachspenden vermitteln. Juristisch beraten, wenn es darum geht, einen Verein zu grünen.

„Die Leute können so ihrem Anliegen nachgehen, ohne sich um alles kümmern zu müssen“, sagt Johannes Schricker. „Wenn wir Zeit abnehmen, ist wieder Zeit frei für das Wesentliche.“ Wenn sie einen Carsharing-Anbieter überzeugen, eine Nutzerkarte zu spenden, kann die Frau, die mit Flüchtlingen näht, also von Unterkunft zu Unterkunft fahren. Wenn Heisler und Schricker Kontakt zu Journalisten herstellen, kann den alten Nachbarn geholfen werden statt herumzutelefonieren. Viele, viele gute Dinge. Für Schrickers Nachbarin, die mit den Flüchtlingskindern in denn Zoo fuhr, kam die Hilfe übrigens zu spät. „Sie hat sich selbst durchgebissen und inzwischen selbst einen Verein gegründet“, erzählt er. Am Biertisch am Stadtstrans sitzen schon wieder zwei neue Interessenten, die Tipps von den beiden brauchen. Offenbar gibt es sehr viele Menschen in dieser Stadt, die gute Dinge tun und dabei doch noch ein wenig Hilfe gebrauchen können.

Die Stiftung ist auf Facebook unter dem Begriff "Kulturator" zu finden.

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