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Die Gründer Sebastian Simon (links) und Lorenz Neff vor Münchens Wartetempel, dem Kreisverwaltungsreferat.

Keine Wartezeiten mehr beim KVR?

Behördengänge gegen Bezahlung: Diese Männer warten gerne

München - Stundenlange Wartezeiten bei KVR und Co. sind in München an der Tagesordnung. Zwei Jungunternehmer bieten jetzt an, gegen Bezahlung Behördengänge zu erledigen. 

Überfüllte Bürgerbüros, ewiges Warten, stundenlanges Anstehen vor dem Kreisverwaltungsreferat: Das nervt auch Sebastian Simon. Doch der 24-Jährige hat sich etwas einfallen lassen und die Seite erledigungen.de gegründet. Damit soll das Warten für Münchner ein Ende haben.

Wie andere Münchner auch ist der Firmen-Neugründer irgendwann am Behördengang verzweifelt. Besser gesagt: sein Betreuer für die Bachelorarbeit. Andreas Schmid (33) wollte vor rund zwei Jahren eine Green Card beantragen, weil seine Frau in den USA lebt. Und das kostete Stunden um Stunden und hielt Schmid von der Arbeit ab. „Er musste immer wieder Unterlagen nachreichen. Es war schon nach dem ersten Besuch ein nervendes Ereignis“, erzählt Simon. Die beiden suchten also im Internet nach einer Möglichkeit, ihren Gang zum Kreisverwaltungsreferat anderen aufs Auge zu drücken. Gegen Bezahlung versteht sich. Nur: So etwas gab es damals nicht. Und da die beiden ohnehin gerade auf der Suche nach einer Geschäftsidee waren, sagten sie sich: Zeit für "erledigungen.de".

Service nicht ganz billig

Die erste Seite wurde an einem Wochenende gebastelt und war eher primitiv. Es ging den Gründern zunächst darum, zu testen, ob es in München noch mehr Leute gibt, die dasselbe Problem haben. Und siehe da: Den Münchnern geht es auch nicht anders. Zudem sind sie bereit, für die Lösung Geld auszugeben. Die Seite wurde überarbeitet, benutzerfreundlich gestaltet. Seit Oktober ist sie online, fünf bis zehn Aufträge erhalten Simon und sein Team täglich. „Wir machen Kfz-Zulassungen, Wohnsitzum-, Gewerbeanmeldungen und beantragen Parkausweise.“

Ganz billig ist der Service nicht, denn in diesem Fall ist Zeit tatsächlich Geld. Eine Fahrzeugzulassung gibt es ab 89 Euro, eine Wohnsitzummeldung ab 49 Euro. Seinen Ausweis kann man ab 39 Euro abholen lassen, und wer einen neuen TÜV braucht, muss mindestens 149 Euro hinlegen. Die Amtsgebühren sind in den Preisen inklusive.

Der Service läuft derart gut, dass das Projekt auf Frankfurt, Hamburg und Köln ausgeweitet wurde. In den nächsten Tagen soll Berlin hinzukommen. „Danach“, sagt Simon, „konzentrieren wir uns voll aufs Marketing, damit die Leute auch wissen, dass es uns gibt“.

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