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Susanne Bleikert (l.) und Kundin Angelika Oester.

Kaffee, Frisur, Döner und Brot

Diese Münchner spenden für Bedürftige im Alltag

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München - München ist teuer. Nicht nur der Wohnraum, sondern auch Alltägliches. Deshalb spendieren Münchner den Bedürftigen Kaffee, den Friseur oder auch Brot und Döner.

Egon (49) schläft im Wohnheim. Der Münchner findet keinen neuen Job. Aber er kann sich einen neuen Haarschnitt leisten, bei Friseur Dave Mahony in der Lindwurmstraße – dank des Vereins Brot am Haken. Hierüber können Münchner unkompliziert Bedürftigen in der Nachbarschaft helfen, indem sie beispielsweise Kuchen und Kaffee spendieren. Und neuerdings eben auch Dienstleistungen wie eine neue Frisur …

Initiator Michael Spitzenberger (l.).

Angefangen hat alles im Frühjahr 2015 mit Brot, dem Grundnahrungsmittel – daher auch der Name. Brot am Haken-Initiator Michael Spitzenberger (48) fand schnell einige Bäckereien, die sich für den guten Zweck anschlossen. Das Prinzip ist einfach. „Kunden, die etwas spenden wollen, kaufen einen Bon und hängen ihn an den Haken. Ein Bedürftiger kann sich dann einfach einen aussuchen und ihn einreichen“, erklärt Michael Spitzenberger. Passend zur sozialen Grundidee stammen die Hakenbretter, die alle beteiligten Betriebe aufhängen, aus einer Werkstatt der JVA Stadelheim.

Brot am Haken-Mitinitiator Matthias Ender zeigt den Haken für die Bon.

Kaffee, Kuchen, Brot, Döner, Eis – das Gastroangebot wächst. „Wir freuen uns, dass immer mehr Betriebe mitmachen“, sagt Michael Spitzenberger. Aktuell sind 28 Geschäfte dabei, darunter auch ein Kosmetikstudio und ein Friseur. „Die Idee zur Ausweitung auf andere Branchen kam von Friseur Dave Mahony, der uns angesprochen hat, ob er auch mitmachen dürfe. Gerade habe ich erst mit einem Stoffladen gesprochen. Unser großer Traum ist es, dass einmal jeder Dienstleistungsbereich mitmacht. Ob Brot oder etwas anderes: Der Gedanke des Teilens zählt.“ Auch an spendenwilligen Münchnern, die Bons für Unbekannte kaufen, mangelt es nicht. Allerdings noch an Bedürftigen, die das Angebot annehmen. Spitzenberger: „Einerseits ist die Hemmschwelle für Bedürftige, sich tatsächlich einen Bon vom Haken zu nehmen, prinzipiell groß. Andererseits ist die Aktion noch immer nicht überall bekannt.“

Heuer will der Verein richtig durchstarten. Er hofft, dass er bald als gemeinnütziger Verein auftreten darf und dann auch mehr Helfer und Geld aquirieren kann.

Ein Grundprinzip soll bleiben: „Wir kontrollieren nicht in den Läden“, sagt Spitzenberger. „Jeder muss selbst für sich beurteilen, ob er bedürftig ist oder nicht. Wir glauben an das Gute im Menschen. Und wenn doch einer die Aktion missbraucht, dann muss er mit seinem schlechten Gewissen leben...“

Kaffee für arme Münchner

Viele ältere Menschen kommen ins Engelscafé (Ungererstr. 128) und sitzen dann bei einem Glas Leitungswasser im Warmen. „Die können sich einfach keinen Kaffee leisten“, sagt Inhaberin Susanne Bleikert (48). Das soll sich ändern: Ab jetzt können Kunden ihnen einen Kaffee für 1,50 Euro (statt regulär 1,90 Euro) oder eine belegte Semmel für 1,50 Euro (statt 2 Euro) spendieren. Sie kaufen dafür Jetons – und Susanne Bleikert händigt diese an Bedürftige aus. Die dreifache Mutter sagt: „Ich will etwas Gutes vor der Haustüre tun. Man sollte sein Glück weitergeben.“ Kundin Angelika Oester (66) kauft gerne einen zweiten Kaffee für einen Unbekannten. „Meinem Mann und mir reicht die Rente gut. Aber es geht ja nicht allen so …“

Caffè sospeso

Die Idee des Anschreibens für einen guten Zweck kommt ursprünglich aus Neapel: Seit mehr als 100 Jahren können die Italiener einen Espresso für sich und einen zweiten sogenannten Caffè sospeso (aufgeschobener Kaffee) für Bedürftige bestellen. So tun sie Gutes vor der Haustür – ohne großen Aufwand. Diese Tradition wurde mittlerweile weltweit für unterschiedliche Aktionen übernommen und modifiziert. Die Idee „Brot am Haken“ stammt aus Instanbul und kam über Hamburg nach Deutschland, unter anderem nach München. Früher hängte man Brot im Beutel an den Haken – für Bedürftige. Heute funktioniert das System mit Bons.

Hier spendieren Sie

Diese Betriebe machen unter anderem bei der Aktion mit (alle Läden unter www.brot-am-haken.org):

Die Filialen der Bäckerei Neulinger (unter anderem Adlzreiterstr. 21 und Volkartstr. 48)

Aroma Kaffebar (Pestalozzistr. 24)

Ballabeni Eiswerkstatt (Seidlstr. 28)

Der verrückte Eismacher (Amalienstr. 77 und Holzstr. 24)

Jazzbar Vogler (Rumfordstr. 17)

Biobäckerei BrotZeit im Alten Wirt (Marktplatz 1; Grünwald)

Friseur Dave Mahony (Lindwurmstr. 57)

Kosmetik-Praxis Alles Gute für Ihre Haut (Zentnerstr. 23)

beirut beirut (Falafel in der Valleystr. 28)

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