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Für die vielen jungen Flüchtlinge, die heuer nach München kommen, muss die Stadt  weitere Einrichtungen eröffnen.

Neue Prognose der Stadt

10.000 junge Flüchtlinge kommen nach München

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München - Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die nach München kommen, geht durch die Decke. Die neueste Prognose des Sozialreferats: Bis zu 10.000 neue junge Flüchtlinge werden allein in diesem Jahr erwartet.

Schon im Jahr 2013 stöhnte man im Jugendamt, als 553 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UmF) zu versorgen waren. Heute weiß man: Es war Jammern auf hohem Niveau. 2014 waren es bereits 2610 Jugendliche. In den ersten Monaten dieses Jahres übertrafen die Zugangszahlen so erheblich die Erwartungen, dass das Jugendamt seine Prognosen auf 7000 bis Ende des Jahres hochschraubte. Dass auch das nicht reicht, davon erfuhr Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) am Mittwochabend. „Da ist mir kurz richtig schlecht geworden“, gibt sie zu. 1400 UmFs wurden im ersten Halbjahr in Obhut genommen, vor allem aus Afghanistan, Syrien, dem Irak, Somalia und Eritrea. Aus Erfahrung weiß man, dass es im zweiten Halbjahr deutlich mehr sein werden, da im Sommer mehr Flüchtlinge übers Mittelmeer kommen. Bis Ende des Jahres werden es um die 10 000 UmFs sein, die in München ankommen.

 Um die muss sich das Jugendamt kümmern. „Bei der Altersfeststellung stellt sich heraus, dass immer mehr doch über 18 Jahre alt sind“, sagt Meier. Derzeit liegt die Quote bei etwa 40 Prozent. Bleiben immer noch 6000 junge Männer und Frauen, die heuer untergebracht werden müssen. „Wir glauben, dass wir das schaffen“, gibt sich Meier zuversichtlich. Trotz aller Widrigkeiten: Derzeit gibt es rund 900 Plätze für die jungen Flüchtlinge, bis zu 1000 weitere wird man bis Jahresende neu schaffen müssen. Absolute Mangelware sind zudem Fachkräfte. Um die Neuankömmlinge zu betreuen, braucht es – zumindest für die Hochphasen im Sommer – 150 zusätzliche Fachkräfte.

Weil der Markt ohnehin leergefegt ist, sucht man auch nach Kollegen, die die Arbeitszeit aufstocken oder kurzzeitig vielleicht aus der Rente zurückkehren. „Mit normaler Jugendhilfe hat das nichts mehr zu tun“, erklärt Andreas Dexheimer, Leiter der Flexiblen Jugendhilfe München, die sich um UmFs kümmert. „Wir rennen den Ankunftszahlen ständig hinterher.“ Liegt der normale Betreuungsschlüssel in der Jugendhilfe bei 1: 2, ist man jetzt froh, wenn sich eine Fachkraft um fünf junge Flüchtlinge kümmern kann. Das Schöne sei, dass mittlerweile zwölf Träger und das Jugendamt eng zusammenarbeiten, um die Aufgabe zu stemmen.

Besonders schlimm ist, dass unter den Unbegleiteten auch immer mehr Kinder sind. „Erst am Wochenende kamen 30 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren allein in München an“, sagt Meier. Geschätzt sind es insgesamt 90. Viele sind auf der Flucht von ihren Eltern getrennt worden. Andere sind Vollwaisen, haben gar mitbekommen, wie Vater und Mutter im Meer ertranken. „Da kann man keine Kompromisse machen, die müssen sofort in einer Einrichtung für Kinder oder in einer Pflegefamilie möglichst gut versorgt werden“, sagt Meier.

Bis Ende 2016 rechnet die Sozialreferentin vor, sei von 1750 Kindern und Jugendlichen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften auszugehen, die Unterstützung vom Jugendamt brauchen. In der nächsten Zeit werden weitere neue Einrichtungen eröffnet, zum Teil will das Sozialreferat auch Containerbauten als Zwischenlösung auf städtischen Grundstücken errichten.

Große Hoffnung setzt Meier auf eine gesetzliche Neuregelung, an der im Bundesfamilienministerium gerade gefeilt wird. Derzufolge sollen ab 1. Januar 2016 auch die UmFs wie bereits die erwachsenen Flüchtlinge zu bestimmten Anteilen bundesweit verteilt werden. Bis dahin hofft man, dass jeden Monat mindestens 400 Jugendliche in andere bayerische Einrichtungen weitergeleitet werden, um in München wieder Platz zu schaffen für die vielen Neuankömmlinge. 

Doris Richter

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