Am kommenden Sonntag feiert Dieter Hanitzsch seinen 84. Geburtstag. Die Stadt hat ihn für seine Verdienste als Karikaturist vor wenigen Tagen mit der Medaille „München leuchtet“ in Gold ausgezeichnet

Karikaturist wird 84

Dieter Hanitzsch im Interview: „Echte Freundschaften sind ein Geschenk“

Karikaturist Dieter Hanitzsch wird am kommenden Sonntag 84 Jahre alt, die Stadt hat ihn gerade mit der Medaille „München leuchtet“ geehrt. Wir sprachen mit ihm über Freundschaft.

München - Er provoziert, er übertreibt, er trifft. Als Karikaturist macht sich Dieter Hanitzsch bei seinen Protagonisten nicht immer beliebt. Trotzdem arbeitet er überwiegend mit engen Freunden zusammen. Die Stadt hat ihn soeben mit der Medaille „München leuchtet“ geehrt. Ein Gespräch über das Geschenk der Freundschaft.

Herr Hanitzsch, Sie karikieren bestimmte Politiker immer wieder. Entwickeln Sie irgendwann Sympathie zu diesen Personen?

Ich glaube schon, ja. Franz Josef Strauß habe ich zu seiner Zeit als Verteidigungsminister zum Beispiel sehr viel gezeichnet. Er war mir als Politiker und Mensch immer unsympathisch, auch wenn er für Bayern sicher Positives bewirkt hat. Und trotzdem – irgendwann habe ich eine Art Verständnis für ihn entwickelt.

Ist das nicht gefährlich für Ihre Arbeit?

Natürlich! Und dagegen muss man als Karikaturist auch angehen. Ich darf die Person schließlich nicht schöner sehen, als sie ist. Aber ich würde sagen, so weit ist es bei mir auch nicht gekommen.

Trotzdem gestalten Sie Ihre Figuren mit einer gewissen Zuneigung.

Eine Person absichtlich hässlicher zu zeichnen, als sie ist, das geht nicht. Martin Schulz ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Man kann ihn nicht gerade als schönen Mann bezeichnen. Aber er ist ein Charakterkopf. Ich brauche ihn gar nicht besonders hässlich zu machen, und das wäre auch verletzend.

Sie haben die Bücher von Ihrem guten Freund Dieter Hildebrandt illustriert. Sind Freunde leichter oder schwerer zu karikieren?

Freunde sind hervorragend zu karikieren! Vor allem Hildebrandt war gut zu zeichnen, denn ich wusste, wie er tickt, und er war auch ein guter Kopf – und das im doppelten Sinne. Außerdem war ich immer sicher, dass er mir als Freund meine Kritik nicht übel nimmt.

Gehen Sie innerhalb Ihrer Freundschaften auch mal über die Grenze hinaus, so wie in Ihren Karikaturen?

Die Schwächen eines Freundes sollte man so aufpicken wie in einer Karikatur. Aber bei Hildebrandt war es zum Beispiel so, dass er leider zu viel getrunken hat – und das wusste er auch. Welches Recht habe ich da, ihm Vorwürfe zu machen? Nach zwei Entziehungskuren war er schließlich trocken. Solche Rücksichtnahmen auf bestimmte Eigenheiten des Freundes sind in einer Freundschaft sehr wichtig.

Haben Sie und Hildebrandt auch gestritten?

Ja und wie! Zum Beispiel beim Klimawandel: Er war der Meinung, dass der Klimawandel menschengemacht ist, ich glaube das nicht. Darüber haben wir heftig gestritten. Aber es ist ja mehr Diskussion als ein Streit mit Anbrüllen. Ich muss sagen, für mich ist es eine Freude, mit jemandem zu streiten, der mein Freund ist!

Es scheint, als müsse man sehr kritikfähig sein, um Ihr Freund zu sein. Wie gehen Sie mit Menschen um, die nicht so robust sind?

Da muss ich dann eben aufpassen. Meine Frau zum Beispiel ist nicht so scharf darauf, kritisiert zu werden und da muss ich mich eben ein bisschen zurückhalten.

Schaffen Sie das?

Die meiste Zeit schaffe ich es schon, aber nicht immer.

Was passiert dann?

Dann gibt’s Ärger (lacht).

Ist Ihre Frau auch Ihre beste Freundin?

Ja, das ist sie. Liebe steht für mich noch mal eine Stufe höher als Freundschaft. Es ist doch das Schönste, wenn ich mit einer Frau, die ich liebe, gleichzeitig auch befreundet sein kann.


War sie auf Ihre enge Freundschaft zu Dieter Hildebrandt oder dem Journalisten Herbert Riehl-Heyse eifersüchtig?

Nein, ganz im Gegenteil. Mercedes war mit den beiden genauso gut befreundet wie ich. Für uns sind solche Freundschaften ein Geschenk, das man nicht vernachlässigen sollte. Was für ein Glück Freundschaften sind, das merke ich jetzt im Alter, wo mir die Freunde wegsterben.

Haben Sie das nach Hildebrandts Tod gemerkt?

Bei Hildebrandt und bei Herbert Riehl-Heyse auch. Wir haben mehrmals wöchentlich telefoniert, um uns gegenseitig nach Rat zu fragen. Ich vermisse Dieter und Herbert als diese Ratgeber immer noch.

Ist es schwierig, im hohen Alter noch neue Freunde zu finden?

Man kann auch im hohen Alter noch gute Freunde finden, aber es ist eben Glückssache. Ich habe den Fußballtrainer Udo Lattek zum Beispiel erst auf seiner 50. Geburtstagsfeier kennengelernt. Unsere Freundschaft war also auch nicht mehr „jugendfrisch“, aber es war ein Kennenlernen, bei dem wir sofort gemerkt haben: Das passt. Und wir waren dann ganz enge Freunde, bis zu seinem Tod vor zwei Jahren.

Interview: Johanna Sagmeister

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