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Nur noch zwei Fahrspuren, dafür eine Tramlinie: Diese Simulation zeigt die Zukunft der Fürstenrieder Straße.

Vorwürfe an MVG

Tram-Westtangente: Warum die CSU einen Brandbrief an Reiter schreibt 

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München - Die Entscheidung über den Bau der Tram-Westtangente durch die Fürstenrieder Straße verzögert sich weiter. Die CSU ist mit den Planungen unzufrieden und macht der MVG in einem Brief an OB Dieter Reiter schwere Vorwürfe. Dieser sieht dagegen alle offenen Fragen geklärt.

Die Entscheidung über den Bau der Tram-Westtangente durch die Fürstenrieder Straße verzögert sich weiter. Die CSU ist mit den Planungen unzufrieden und macht der MVG in einem Brief an OB Dieter Reiter schwere Vorwürfe. Dieser sieht dagegen alle offenen Fragen geklärt.

von ulrich lobinger

Der Konflikt innerhalb der Koalition um den geplanten Bau der Trambahn-Westtangente schwelt weiter. Aus Sicht der CSU-Fraktion weist die Entwurfsplanung der MVG erhebliche Mängel auf. In einem Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat CSU-Fraktionsvize Michael Kuffer jetzt Nachbesserungen verlangt. „Bislang sind zwei Drittel der von uns erteilten Arbeitsaufträge von der MVG nicht abgearbeitet worden“, sagt Kuffer im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Bau der neun Kilometer langen Trambahnlinie zwischen Sendling und Nymphenburg sei „nicht mal im Ansatz“ beschlussreif, so Kuffer. Er wirft der MVG vor, bei der Tram-Westtangente „ihre eigene Politik“ zu verfolgen. Als „unpassend“ bezeichnet Kuffer das Verhalten der Verkehrsgesellschaft.

Ganz anders sieht der Oberbürgermeister die Sachlage. „Die offenen fachlichen Fragen sind aus meiner Sicht abgearbeitet“, sagt Dieter Reiter. „Die Bürger erwarten endlich ein Ergebnis.“

Die CSU hatte sich im Kommunalwahlkampf 2014 gegen den Bau der Tramlinie ausgesprochen, da sie eine damit einhergehende Reduzierung der Fahrspuren auf der Fürstenrieder Straße kritisch sieht. Die SPD wiederum hatte ihren Wählern die Tram-Westtangente versprochen. Sie hält den Bau für unbedingt erforderlich zur Ertüchtigung des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Im Kooperationsvertrag einigten sich beide Parteien schließlich auf einen Kompromiss: Die Tram werde unter der Bedingung gebaut, dass die Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr möglichst unangetastet bleibt. Die MVG bastelte daraufhin an einer Lösung, wie der Autoverkehr störungsfrei auf weniger Fahrspuren fließen kann. Aus Sicht der SPD und der MVG ist die Quadratur des Kreises gelungen. OB Reiter sieht die Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr uneingeschränkt gewährleistet und pocht jetzt auf den Bau.

Dem widerspricht die CSU. Aus ihrer Sicht würde mit der vorliegenden Planung die Leistungsfähigkeit für den Verkehr an 15 von 16 Streckenabschnitten beziehungsweise Knoten sinken. Bei elf Abschnitten sogar im zweistelligen Prozent-Bereich. Soll heißen: Es drohen aus Sicht der CSU Staus. Kuffer bezeichnet dies als „hochproblematisch“. Nicht akzeptabel ist nach den Worten des CSU-Vizes außerdem, dass die Untersuchungen der MVG zur Leistungsfähigkeit der Kreuzungen auf Prognosen und „vagen Hoffnungen“ beruhten, dass sich der Verkehr auf andere Straßen verlagere. Kuffers Fazit: „Zu der vorliegenden Planung können wir nicht ja sagen.“

Bei der SPD sorgt diese Haltung für Empörung. Sie will das Projekt möglichst rasch ins Werk setzen. Im Februar hatte der Oberbürgermeister deshalb angedeutet, den Beschluss im Stadtrat noch vor der Sommerpause notfalls auch gegen die CSU zu fassen – und sich dafür Stimmen aus der Opposition zu bedienen. Inzwischen schlägt der OB zurückhaltendere Töne an. Von einem Zeitfenster „bis Ende des Jahres“ spricht Reiter inzwischen. Bis dahin solle der Beschluss stehen.

Die MVG hält den Bau der Tram für unverzichtbar, ohne sie drohe auf der Fürstenrieder Straße ein „Infarkt im Individualverkehr“, warnt Sprecher Matthias Korte. Eine „Beibehaltung des Status quo“ könne es dort deshalb nicht geben. Alle Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine schnelle, attraktive Tram die Situation für alle verbessern würde, betont MVG-Sprecher Korte. „Auch der Autoverkehr auf der Fürstenrieder Straße wird mit einer leistungsfähigen Tram und mehr Menschen im ÖPNV deutlich besser fließen als ohne.“

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