+
„Sehr gut vorstellbar“ finden Münchens Rathaus-Politiker, Supermarkt-Parkplätze wie den des V-Markts an der Balanstraße mit Wohnungen zu überbauen. Die großen Flächen müsse man besser nutzen.

Wohnungsbau trotz Platzmangel

Neue Ideen für München: Wohnen über dem Parkplatz

  • schließen

München - München hat nur ein echtes Problem, aber das ist ziemlich groß: So schnell wie möglich müssen sehr viele Wohnungen gebaut werden – die auch noch bezahlbar sein müssen. Aber der Platz ist knapp. Jetzt sind neue Ideen gefragt. Eine, die OB Reiter gut findet: Wohnhäuser über Supermarkt-Parkplätzen zu bauen.

Man mag sich nicht besonders. Aber man braucht sich. Wenn Stadt-Politik und Verwaltung auf Bauträger treffen, ist die Stimmung oft grund-gereizt. Auch an diesem Dezembermorgen im feinen „Vier Jahreszeiten“ an der Maximilianstraße ist die Grundkonstellation nicht anders. Beim „Wohn-Dialog München“ pflegt die Immobilien-Branche ihr Netzwerk. Und bekommt als ersten Redner mit Stephan Reiß-Schmidt gleich einen Vertreter des städtischen Planungsreferats vorgesetzt. Der kriegt anschließend das Übliche zu hören. Die Vorgaben in München: viel zu streng. Die Genehmigungen: viel zu langsam.

Doch diesmal hat der Mann auch Beruhigendes anzukündigen: Die Stadt will unter dem Druck des Wohnungsmarktes den Bauträgern mehr Freiheiten gewähren. Und sich für Neues öffnen: Parkflächen an Supermarkt-Parkplätzen zu überbauen etwa nennt Reiß-Schmidt eine „sehr gute Idee“.

Der Mann hat Rückendeckung von ganz oben. Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD, sagt am Freitag unserer Zeitung, auch er halte das für eine „interessante neue Idee. Klar ist doch: Wir müssen nicht nur viel mehr, sondern auch viel kostengünstigere Wohnungen bauen.“ In einer dicht besiedelten Stadt wie München, sagt Reiter, „bietet es sich deshalb an, bereits benutzte Flächen wie Parkplätze zum Beispiel mit innovativen Holzbauten zu überbauen.“ So könnten „schnell günstige Wohnungen geschaffen werden, ohne dabei neue Flächen versiegeln zu müssen. „Gleichzeitig könnten eher öde Parkplätze städtebaulich aufgewertet werden.“

Der OB trifft sich nach eigenen Angaben derzeit regelmäßig mit Projektplanern und Investoren, um neue Ideen zu besprechen. Er sagt, er sei zuversichtlich, im kommenden Jahr besondere Projekte präsentieren zu können. Im Rathaus selbst muss er für die Parkplatz-Idee wohl nicht mehr allzu heftig werben. Denn alle sind offen für das Konzept. CSU-Fraktionsvize Michael Kuffer sagt, er könne sich „das persönlich sehr gut vorstellen. Je mehr solcher Ideen umgesetzt werden, desto geringer ist der Verdichtungsdruck dort, wo es wirklich weh tut – zum Beispiel in den Gartenstädten.“ SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hält es ebenfalls für eine gute Idee – die SPD hat schon einen entsprechenden Antrag eingebracht. FDP-Mann Michael Mattar verweist als Beispiel auf den V-Markt an der Balanstraße: „Das ist eine riesige Fläche Gegenüber stehen acht- bis zehnstöckige Häuser.“ Aus dem Planungsreferat heißt es, man beginne mit einer grundsätzlichen Prüfung, was möglich sein könnte. Klar ist schon jetzt: Die Parkplätze müssten erhalten bleiben. Die Autos würden also quasi im Parterre der neuen Häuser abgestellt.

Und: Die Eigentümer müssten natürlich wollen. Kritisch äußert sich auf Nachfrage Rudolf Stürzer, der Chef des Eigentümer-Verbands „Haus und Grund“. „Das könnte technisch sehr aufwendig werden“, gibt er zu bedenken. Er rechnet mit „sehr hohen Baukosten“, wenn man bei Stelzenbauten aktuelle Vorschriften etwa bei der Wärmedämmung einhalten müsse.

Spezielle Münchner Vorgaben sind den Bauträgern weiter ein Dorn im Auge – das wird im „Vier Jahreszeiten“ einmal mehr deutlich. Insbesondere die Stellplatzsatzung – die Regel-Vorschrift ist, einen Auto-Stellplatz pro Wohnung zu bauen – sorgt für Entsetzen. Man baue ohne Ende teure Tiefgaragen-Plätze, die anschließend nicht zu vermieten seien, so der einhellige Tenor. „Wir vergraben das Geld im Boden“, sagt etwa David Christmann von der „Patrizia“. „Wir brauchen eine andere Stellplatz-Politik!“

Genau das plant die Stadtverwaltung tatsächlich – wie Planungsreferats-Sprecher Thorsten Vogel auf Nachfrage erklärt. Man beabsichtige, die Satzung zu überarbeiten. „Es soll eine Reduzierung und Flexibilisierung geben“, sagt Vogel. Wenn nicht alles täuscht, taut das Eis zwischen Stadt und Investoren weiter. Man braucht sich in diesen Zeiten gegenseitig. Mehr denn je.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

S-Bahn München: Notarzt-Einsatz am Stachus - Beeinträchtigungen auf Stammstrecke
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es auch Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie hier im News-Ticker.
S-Bahn München: Notarzt-Einsatz am Stachus - Beeinträchtigungen auf Stammstrecke
Mieterhöhung um fast 100 Prozent ist unzulässig - Mieterverein jubelt
Rund 200 Mieter mussten eine Mieterhöhung von fast 100 Prozent fürchten. Jetzt entschied das Gericht, das die Erhöhung unzulässig ist.
Mieterhöhung um fast 100 Prozent ist unzulässig - Mieterverein jubelt
20 Mietparteien atmen auf: Stadt München kauft Haus an Ehrengutstraße
Die Stadt kauft das Gebäude Ehrengutstraße 18. OB Dieter Reiter (SPD) hat gestern eine dringliche Anordnung unterschrieben.
20 Mietparteien atmen auf: Stadt München kauft Haus an Ehrengutstraße
Wohnungen, Verkehr, Soziales: SPD München legt Wahlprogramm vor
Bau von günstigen Wohnungen, Förderung des Nahverkehrs, Klimaschutz und viel Soziales: Die SPD-Parteispitze hat ihr Kommunalwahlprogramm vorgestellt. Der Parteitag soll …
Wohnungen, Verkehr, Soziales: SPD München legt Wahlprogramm vor

Kommentare