+
Strömen die Fans der Lwöen bald wieder ins Grünwalder Stadion?

Oberbürgermeister im großen Merkur-Interview

Reiter: Vorübergehende 1860-Rückkehr leichter umsetzbar

  • schließen

München - OB Dieter Reiter erklärt, unter welchen Umständen eine 1860-Rückkehr ins Grünwalder Stadion möglich wäre, warum er einen Neubau in Riem für denkbar hält – und, welche Rolle die Löwen in der Stadt noch spielen.

Der TSV 1860 ist sportlich in einer katastrophalen Situation: Gut möglich, dass die Löwen in die dritte Liga absteigen. Im Interview erklärt OB Dieter Reiter, SPD, unter welchen Umständen dann eine Rückkehr ins Grünwalder Stadion möglich wäre, warum er einen Neubau in Riem für denkbar hält – und, welche Rolle die Löwen in der Stadt noch spielen.

Herr Reiter, dieser Tage feiern die Löwen das 50-jährige Jubiläum ihrer Meisterschaft. Sie waren damals acht Jahre alt. Woran erinnern Sie sich?

Dieter Reiter: Wir waren eine Fußball-begeisterte Familie. Ich erinnere mich beispielsweise an Radi, Peter Grosser, Rudi Brunnenmeier, Hansi Rebele, Rudi Zeiser: Die Namen habe ich als Bub natürlich alle gekannt – und sie fallen mir auch jetzt sofort wieder ein. Es war die Hochzeit der Sechzger. Sie waren damals die Mannschaft in München.

Heute ist die Situation sehr anders, die Sechzger sind Lichtjahre vom FC Bayern entfernt. Was bedeuten die Löwen heute noch für die Stadt?

Reiter: Die Löwen sind immer noch ein wichtiger Sympathieträger in der Stadt. Ich erlebe das fast jeden Tag. Ich werde oft angesprochen, wie es mit den Sechzgern weitergeht. Sie haben ganz viele treue Anhänger – immer noch, trotz der vielen Misserfolge in den letzten Jahren. Darauf kann der Verein wirklich stolz sein.

Reiter: Mehr Leute interessieren sich 1860 als für den Konzertsaal

Was glauben Sie, was mehr Menschen in München interessiert: die Konzertsaal-Frage oder die Frage, wo die Löwen nächstes Jahr ihre Heimspiele austragen?

Reiter: Meine Einschätzung ist, dass es wahrscheinlich noch mehr Leute gibt, die sich über die Zukunft der Sechzger Gedanken machen als über den Standort des neuen Konzertsaals.

Wenn man es so betrachtet: In zwei Wochen könnte ein Abstieg feststehen, schon im Juli beginnt die Drittliga-Saison. Hat sich die Stadt ernsthaft genug auf die Stadionfrage vorbereitet, die jetzt ganz schnell konkret werden könnte?

Dieter Reiter.

Reiter: Das sportliche Schicksal der Löwen scheint sich erst am letzten Spieltag – oder in der Relegation – zu entscheiden. Ich hatte erst letzte Woche 1860-Präsident Peter Cassalette zu Besuch. Wir haben uns über das Thema unterhalten. Und Fakt ist: Wir haben mit dem Grünwalder Stadion ein Drittliga-taugliches Stadion. Insoweit sind wir so vorbereitet, wie wir es sein müssen: Wir bieten ein Stadion für die dritte Liga.

Reiter: Grünwalder aktuell nur ein Stadion für die 3. Liga

Vor einem Jahr gab es eine sehr ähnliche Situation – da der TSV 1860 beinahe abgestiegen wäre. Damals schien die Kapazität zum Knackpunkt zu werden. Aktuell sind nur 12.500 Zuschauer zugelassen, der Verein hätte gerne mehr als 20.000 gehabt. Wie flexibel ist die Stadt in dieser Frage?

Reiter: Ich habe mich mit der Sport-Bürgermeisterin Christine Strobl beraten. Ihrer Einschätzung nach ist, nach Beratungen mit der Verwaltung, 15.000 die maximal denkbare Zuschauerzahl. Das wäre die Mindestzahl an Plätzen, die nach einem möglichen Wiederaufstieg in die Zweite Liga vorgeschrieben sind. Das wäre aber noch nicht alles, was in ein Zweitliga-taugliches Stadion investiert werden müsste. Im Moment ist es wie gesagt ein Stadion für die dritte Liga.

Aber müsste die Stadt, wenn die Löwen heimkehren, nicht auch vorbereitet sein, was nach einem möglichen Wiederaufstieg passiert?

Reiter: Jetzt geht es erstmal konkret darum, was wir im Fall eines Abstiegs in die dritte Liga machen würden. Alles weitere werden wir rechtzeitig mit dem Verein abstimmen.

Spielt das Olympiastadion in den Überlegungen noch irgendeine Rolle – dass dort einzelne Hochsicherheitsspiele ausgetragen werden könnten?

Reiter: So habe ich Herrn Cassalette und auch Investor Hasan Ismaik nicht verstanden. Ich glaube nicht, dass das Olympiastadion in deren Überlegungen irgendeine Rolle spielt.

Welche Rolle spielt der FC Bayern? Glauben Sie, er lässt die Löwen aus den laufenden Arena-Verträgen?

Reiter: Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber das ist meine ganz persönliche Einschätzung. Letztlich müssen das die Vereine unter sich ausmachen.

Würden Sie in Giesing mit großen Protesten von Anwohnern rechnen, falls die Löwen heimkehren sollten?

Reiter: Obwohl das Thema immer wieder in den Medien war, ist bei mir zumindest bisher nichts angekommen.

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

Reiter: Genehmigung ist auf die aktuelle Zuschauerzahl ausgerichtet

Die Giesinger sind offenbar gespalten. Auf Einwohnerversammlungen gibt es auch Anwohner, die sagen: Früher sind hier doch auch 40.000 Leute gekommen – warum ist das plötzlich für die Stadt nicht mehr möglich?

Reiter: Verkehrstechnisch kann man heute nicht mehr annähernd so eine Menge an Zuschauern bewältigen. Leider kommen ja nicht alle Fans mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – es geht also um die Zufahrtsstraßen, um Parkplätze, die fehlen. Und: Die Genehmigung ist eben auf die aktuelle Zuschauerzahl ausgerichtet. Wir müssen, wenn überhaupt, maßvoll aufstocken, um die bestehende Genehmigung nicht zu gefährden, denn viele Rechtsvorschriften zum Beispiel zum Lärmschutz haben sich seit dem Bau geändert.

Das klingt ja alles eher nach einer möglichen Zwischenlösung Grünwalder Stadion als nach einer dauerhaften Rückkehr der Löwen nach Giesing ...

Reiter: So sieht es vor allem der Verein selbst, natürlich hauptsächlich wegen der begrenzten Zuschauerkapazität.

Glauben Sie denn an das Projekt Neubau in Riem?

Reiter: Bei mir ist zumindest der Eindruck entstanden, dass es Herrn Ismaik ernst ist.

Wenn es sich nur um eine Zwischenlösung Giesing handelt, könnte das die Debatte mit Anwohnern und Sicherheitsbehörden auf jeden Fall erleichtern, oder?

Reiter: Das sehe ich auch so. Es wäre leichter, wenn man sagen könnte: Die Löwen kehren zurück ins Grünwalder. Aber nur so lange, bis ein neues Stadion fertig ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
München - War es Vergewaltigung oder der Racheakt einer ehemaligen Geliebten? Ein Top-Manager steht wegen dem Fall vor Gericht.
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Frau absichtlich mit HIV infiziert? Unfassbare Aussage von Ärztin
München - Eine Münchnerin fordert von ihrem Ex-Partner 160.000 Euro Schmerzensgeld. Er hatte seine einstige Partnerin mit dem HI-Virus infiziert. Vor Gericht wird die …
Frau absichtlich mit HIV infiziert? Unfassbare Aussage von Ärztin
München schafft Unterkunft für homosexuelle Flüchtlinge
München - Die Stadt München will homosexuelle Flüchtlinge in besonderen Schutzräumen betreuen. Das hat der Sozialausschuss am Donnerstag beschlossen, wie die Stadt …
München schafft Unterkunft für homosexuelle Flüchtlinge
Faschingsbälle in München: Die große Übersicht
München - Der Fasching setzt zum Endspurt an, und Münchens Narren sind noch einmal gefordert: Der Terminkalender ist bis zum Faschingsdienstag dicht gefüllt mit …
Faschingsbälle in München: Die große Übersicht

Kommentare