Der Gotzinger Platz in Sendling ist weiter als Standort für ein religiöses Gebäude im Gespräch. foto: marcus schlaf

Doch eine Moschee für Sendling?

München - Nach dem kürzlich verkündeten Aus für die Moscheepläne des Vereins Ditim in Sendling stellt sich eine Frage: Was passiert mit dem Grundstück am Gotzinger Platz? Könnte hier gar ein anderes Moschee-Projekt entstehen? OB Ude hält das für möglich.

Die Enttäuschung war vielerorts groß, als der Chef des türkisch-islamischen Moscheevereins Ditim einräumte: Die Moschee am Gotzinger Platz kann nicht gebaut werden. Nicht zuletzt an der Stadtspitze dürfte der Frust enorm gewesen sein. OB Christian Ude hatte sich energisch für das Vorhaben ins Zeug gelegt – aber auch das städtische Planungsreferat hatte in jahrelanger, mühsamer Arbeit einen Bebauungsplan erstellt. Ist all das umsonst gewesen?

Nicht unbedingt, laut Ude. Es sei möglich, dass das Grundstück dennoch für eine religiöse Nutzung Verwendung finden könne, bestätigte der OB unserer Zeitung. Auch die Verwirklichung eines anderen Moscheeprojekts am Gotzinger Platz sei denkbar. Die Eignung des Areals dafür sei ja „gründlich genug ermittelt worden“, so Ude. Er wisse im Moment keinen anderen Standort in der Stadt, der die Voraussetzung für einen Moscheebau ähnlich gut erfülle wie der Gotzinger Platz: „Das Grundstück gehört der Stadt, es ist leer, eine dichte Bebauung und eine religiöse Nutzung sind möglich“, so Ude.

Wer aber würde eine Moschee am Gotzinger Platz bauen? Als erstes kommt freilich das Projekt „Zentrum für Islam in Europa – München“ (Ziem) des Penzberger Imams Benjamin Idriz in den Sinn. Erst am Freitag hatte sich der Stadtrat mit gewaltiger Mehrheit für das Vorhaben ausgesprochen (wir berichteten). Die Ziem-Planer wollen unter anderem eine Moschee und eine Islamische Akademie errichten – und suchen ein Grundstück.

Ude glaubt jedoch, das Areal am Gotzinger Platz könnte dafür zu klein sein. Auch Idriz ist skeptisch, ob dies der richtige Ort wäre – einige Anwohner in Sendling hatten massiv gegen den Moscheebau protestiert. Kategorisch ausschließen will er das Areal aber nicht. „Wir wollen das gemeinsam mit der Stadt besprechen.“ Doch es gibt auch andere Interessenten: Wie zu hören ist, hat der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), einer der großen muslimischen Dachverbände, gegenüber Ditim Interesse am Gotzinger Platz bekundet. Auf Anfrage gibt man sich beim VIKZ aber zurückhaltend. „Wir haben weder ein Angebot für das Areal bekommen, noch eines unterbreitet“, sagte ein Sprecher.

Ude stellt indes klar: Die künftige Nutzung des Gotzinger Platzes ist keineswegs entschieden. Schließlich habe er bislang noch keine offizielle Absage von Ditim erhalten. Und: Eine religiöse Nutzung des Platzes müsse nicht zwangsläufig ein Moscheeprojekt sein. Auch andere Glaubensrichtungen wollten in München bauen und könnten hier theoretisch ein Zuhause finden. Es gebe etwa Bestrebungen aus dem Bereich der „nicht-griechischen Orthodoxie“. Ude denkt dabei womöglich an die Pläne der rumänisch-orthodoxen Gemeinde, in München eine Kirche mit Kloster zu errichten. Die Gemeinde hat jedoch vor allem ein Grundstück in Aubing im Blick (siehe Bericht in dieser Ausgabe). Theoretisch denkbar sei der Gotzinger Platz sogar als Standort für die neue Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, so Ude. Deren Wunsch-Areal liegt zwar Am Gries (Lehel). Doch wie berichtet ist es noch nicht sicher, dass die Gemeinde dieses Areal auch wirklich kaufen kann.

Johannes Patzig

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