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„Jamuna wollen wir auf jeden Fall behalten“ , sagt der neue Münchner Zoodirektor Andreas Knieriem. In spätestens zwanzig Jahren möchte er gerne eine richtige Elefantenherde haben – mit Müttern, Tanten und Großmüttern.

Der Doktor und sein liebes Vieh

München - Er ist der neue Leitwolf im Tierpark Hellabrunn: Andreas Knieriem, 44, und „Tierarzt von Herzen“, wie er sagt. Er hat einiges vor mit dem Münchner Zoo. Ein größeres Naturerlebnis und mehr Spielplätze zum Beispiel. Rund um das Elefantenkind Jamuna will er sogar eine richtige Herde aufbauen.

Jamuna Toni streckt den Rüssel aus und beschnuppert den Menschen mit der randlosen Brille und olivgrünen Cordanzug. Der große schlanke Mann sieht aus eine Mischung aus einem Sparkassen-Filialleiter und dem englischen Landtierarzt James Herriot aus der TV-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“. Jamuna hält ihn wahrscheinlich eher für so etwas wie den Leitbullen hier im Zoo. Ihm gehorcht schließlich auch ihr Pfleger Thomas, mit dem ihre Tante Temi gerade rüsselt. Falsch wäre diese Einschätzung nicht. Der Mann heißt Andreas Knieriem, ist 44 Jahre alt und seit November Zoodirektor in Hellabrunn.

Gut zwanzig Jahre werden Jamuna und Knieriem miteinander haben, bis der Zoodirektor in Rente geht. Zwanzig Jahre, in denen er den 99 Jahre alten Münchner Tierpark nach seinen Vorstellungen umgestalten möchte. Zum ersten Mal leitet er jetzt selbst einen Tierpark, nachdem er mit 13 das erste Praktikum im Duisburger Zoo machte. Seither haben ihn die Tiere nicht mehr losgelassen.

Ein großes Ziel hat er sich für München vorgenommen: „Eine Elefantenherde mit einer richtigen Herdenstruktur, mit Tanten, Müttern und Großmüttern.“ Zehn bis zwanzig Jahre gibt er sich dafür Zeit. Die kleine Jamuna hat dann vielleicht selbst schon Nachwuchs. „Wir wollen sie auf jeden Fall behalten“, sagt Knieriem, der als Cheftierarzt in Hannover schon mehreren Elefantenbabys auf die Welt geholfen hat.

Jamuna das Elefantenbaby

Jamuna: Das erste Elefanten-Baby seit 60 Jahren

Jamuna spielt in seinen Plänen auch eine Rolle. „Sie öffnet das Herz von uns allen. Wir müssen ja verrückt sein, wenn wir nicht versuchen, mit Jamuna unsere Botschaften zu vermitteln.“ Für Knieriem heißt das: Die Besucher für Tiere und die Natur begeistern. „Wir haben enorme ökologische Probleme. Das Abholzen geht einfach munter weiter, so dass die Artenvielfalt in vielen Ländern in Frage steht.“

Für die Zoobesucher von heute sei Hellabrunn so, wie sein Vorgänger es hinterlassen hat, allerdings nicht mehr zeitgemäß, findet der neue Chef. Ihn stören die Maschendrahtzäune in vielen Gehegen. Oder die orangenen Kacheln, vor denen der Elefantenbulle Gajendra umherstolziert. Auf den Wegen verlieren die Besucher schnell die Orientierung, und das dunkle, höhlenartige Aquarium findet Knieriem „sehr grottig“.

Vor allem für Familien soll Hellabrunn unter Knieriems Ägide attraktiver werden. Denn ein Drittel der jährlich etwa 1,4 Millionen Zoogäste sind Kinder. „Solange Besucher an der Kasse stehen und Eintritt zahlen, weiß ich, dass ich für sie was tun muss.“

Kolja Kröger

Lesen Sie am Wochenende in der Printausgabe des Münchner Merkur , was Andreas Knieriem aus dem Tierpark Hellabrunn machen will.

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