Bleibt erhalten: Die traditionelle Fassade des Gebäudes an der Weinstraße 1 wird nicht verändert. foto: marcus schlaf

Donisl: Nur die Fassade bleibt stehen

München - Die Traditionsgaststätte Donisl wird abgerissen und komplett neu gebaut. Im Original erhalten bleibt nur die Fassade.

von Andrea Steiler

Nach knapp 700 Jahren soll die Gastronomiegeschichte des Gebäudes an der Weinstraße 1 am Marienplatz weitergeschrieben werden. Der Donisl wird weiterhin als Gaststätte Teil der Münchner Innenstadt bleiben - wenn auch in neuem Gewand. Nach Gesprächen mit der Hacker-Pschorr-Brauerei und der Stadt München hat sich die Bayerische Hausbau als Eigentümerin entschieden, das Gebäude, in dem sich die Traditionsgaststätte befindet, bis auf die Fassade komplett neu zu errichten.

Wie berichtet läuft der Pachtvertrag der Familie Wildmoser zum Ende des Jahres aus. Die Bayerische Hausbau hatte bereits Anfang vergangenen Jahres angekündigt, diesen Zeitpunkt für eine große Veränderung zu nutzen. „Wir nehmen den Ablauf des Pachtvertrages und den schlechten Gebäudezustand zum Anlass, um den Sanierungsbedarf zu erfassen und über eine neue Konzeption nachzudenken“, sagte Bernhard Taubenberger von der Schörghuber-Gruppe, zu der die Bayerische Hausbau gehört, damals.

Von einer Sanierung kann jedoch nicht mehr die Rede sein. Denn das Gebäude an der Weinstraße wird abgerissen und komplett erneuert. Nur die Fassade bleibt erhalten. Die Bayerische Hausbau spricht von einem neuen Gastronomiekonzept. Wie dieses aussehen wird, soll jedoch erst im Frühjahr bekannt gegeben werden. „Donisl wird weiterhin Bestandteil des Namens bleiben“, sagt Hausbau-Sprecherin Sabine Hagn. Die bisherige Architektur des Gebäudes solle zitiert und zugleich weitergeführt werden, „um heutigen Anforderungen an Strukturen, Geschosshöhen und energieeffiziente Bauweise gerecht zu werden“. So seien etwa die Raumhöhen von rund 2,50 Metern im oberen Bereich nicht mehr zeitgemäß.

Fest steht außerdem, dass das neue Gebäude im Erd- und dem ersten Obergeschoss eine Gaststätte mit rund 500 Sitzplätzen beherbergen wird. „Zusätzlich sind vor dem Gebäude und auf der Rückseite zwei Außenbereiche mit insgesamt etwa 100 Sitzplätzen geplant“, erklärt Hagn. Vom zweiten bis zum fünften Obergeschoss werden neue Büroräume mit rund 1100 Quadratmetern Geschossfläche geschaffen.

Von außen wird man von der Veränderung nicht viel merken, denn die Fassade mit dem charakteristischen Gemälde und dem Löwen-Steinrelief bleibt erhalten, um das „revitalisierte Gebäude wie bisher harmonisch in sein Umfeld zu integrieren“.

Die Bauarbeiten beginnen in wenigen Wochen. Anfang 2013 sollen die Rückbaumaßnahmen im Inneren starten, der Rohbaubeginn ist für die zweite Jahreshälfte vorgesehen. Und das erfordert bei engen Platzverhältnissen Fingerspitzengefühl. Arbeiten mit großem Gerät seien nur begrenzt möglich, sagt Hagn. Baugeräte müssen mit einem Kran über die Fassade gehoben oder unter der Arkade hindurch in das Baufeld gebracht werden. Das Gebäude wird Schritt für Schritt mit kleinen Geräten von oben nach unten abgetragen. Für Fußgänger soll der Umbau kaum Auswirkungen haben: „Der Passantenfluss soll weiterhin möglich sein.“ Mit den Nachbarn stehe man in engem Kontakt, um die Herausforderung „gemeinsam erfolgreich zu meistern“.

Über die Investitionssumme wird geschwiegen. „Die Kosten werden von der Bayerischen Hausbau und der Hacker-Pschorr-Brauerei getragen“, erklärt Hagn nur.

Wer den neuen Donisl bewirtschaften wird, ist noch offen. Wie berichtet wird das Lokal ausgeschrieben. Der Pachtvertrag mit Therese Wildmoser, die die Gaststätte seit dem Tod ihres Mannes Karl-Heinz Wildmoser vor zweieinhalb Jahren allein betrieb, läuft aus. Die Wildmosers hatten den Donisl seit 1985 bewirtschaftet. Hacker-Pschorr will mit neuen Pächtern frischen Wind in die Bude bringen. Die Eröffnung ist für Ende 2015 geplant.

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