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Drei Geigen im Satansgalopp

München - Drei Geigen, ein Bass, freche Texte: Die Münchner Gruppe „Zwirbeldirn“ bringt morgen ihre erste CD heraus. Als Verlag hat das Quartett die Plattenfirma „Trikont“ gewonnen - die Heimat für hinterkünftige Volksmusik.

Von Johannes Löhr

Gute Laune bei der Plattenfirma Trikont: Hans Söllner kommt die Holzstiege herunter und schlüpft mit einem beschwingten „Servus, griaß’di!“ auf den Lippen hinaus in den Giesinger Hinterhof - das neue Album des Liedermachers ist gerade frisch aus dem Presswerk gekommen. Auch Geschäftsführerin Eva Mair-Holmes freut sich. Für den Hans natürlich, das Urgestein, das seine Musik schon seit Jahrzehnten bei Trikont veröffentlicht. Aber vor allem schwärmt sie von ihrer neuesten Errungenschaft: „Zwirbeldirn“. Drei Frauen, ein Mann. Drei Geigen, ein Bass - und ein Volltreffer.

„Immer wieder haben mich Leute gefragt, warum die nicht schon längst bei uns sind“, sagt Mair-Holmes. „Und das Gefühl hatte ich auch, als ich sie gehört habe.“

Denn „Zwirbeldirn“ spielen Volksmusik - bayerische Landler, Polka, Wiener Tänze, makedonische Folklore - mit großer Liebe, glockenhellem Dreigesang, doch gleichzeitig stets ein wenig neben der Spur: Da geht es um mörderische Metzgerinnen, Autobahnkurven und Fußball-Fangesänge. „Wir haben alle einen Hang zum Absurden“, gesteht Evi Keglmaier, eine der „Zwirbeldirn“-Frontfrauen. Bisweilen überfordere man das Publikum gar - aber nur, wenn es brave Volksmusik erwarte. Die gibt’s von „Zwirbeldirn“ nicht, hier heißen die Lieder schon mal „Satan-Galopp“. „Wir haben schnellere Tempi“, erklärt Kontrabassist Simon Ackermann. „Zu dieser Musik ist früher getanzt und gesoffen worden.“

Jetzt also die erste CD, „Scheibe eins“ betitelt - und ein erstes Treffen mit dem Zeitungsreporter in der Trikont-Küche. Ein bisserl schaut’s hier aus wie in einer WG: Plattencover und Kinderfotos pappen an der Wand, die Kaffeemaschine brüht im Dauerlauf. Und tatsächlich ist der Trikont-Katalog ja eine Art WG, in der die unterschiedlichsten musikalischen Typen wohnen: der widerborstige Gaißacher Gstanzl-Sänger Kraudn-Sepp, die Blasmusik-Dampfmaschine „LaBrassBanda“, der ungehobelte Rasta-Man Hans Söllner. In diese WG einziehen darf nur, wer die Heimat liebt, aber blöde Bayern-Klischees links liegen lässt. „Zwirbeldirn passen perfekt zu uns“, sagt Mair-Holmes. Evi Keglmaier pflichtet ihr bei: „Museale Volksmusik liegt uns nicht.“

Keglmaier ist gelernte Musiklehrerin, ihre Kollegin Beatrix Klöckner Klavierbauerin von Beruf und die Dritte im Bunde, Maria Haffner, Schauspielerin. Haffner wirkt unter anderem in F.X. Bogners „Kaiser von Schexing“ mit. Alle drei waren sie schon vorher keine Unbekannten in der Volksmusikszene, und entfernt hatten sie sich auch schon länger gekannt. Als geradezu schicksalhaft erwies sich allerdings ein Auftritt beim „Steirischen Geigentag“ in der Nähe von Graz. Die Legende will, dass die drei Damen da erfolgreich gegen einen Wolkenbruch ansangen: „Stimmt“, sagt Keglmaier lachend. „Das war ein Open-Air, und wir haben uns vor dem Platzregen in eine Scheune geflüchtet. Da haben wir zum ersten Mal zusammen gesungen und gemerkt, dass wir musikalisch gut miteinander können.“

Und sympathisch ist man sich auch noch - für Simon Ackermann eh das Wichtigste. „Meiner Meinung nach muss es in einer Band eher menschlich stimmen als musikalisch“, sagt der Bassist, der 2009 als Letzter dazukam und keinerlei Probleme damit hat, mit drei Frauen in einer Band zu spielen. „Ich bin mit zwei Schwestern aufgewachsen“, sagt er lachend.

In den „Zwirbeldirn“-Texten herrscht denn auch eine hinterkünftig humorvolle, dezidiert weibliche Weltsicht. Da wird der Wildschütz ironisch vorgetragen, da verwurstet Keglmaier als Metzgerin Yvonne ihren Schwarm, den Wigg, zu Krautwickerln. Und in „So ist ein Boy“ verbeugt sich das Quartett vor den Jacob Sisters. Ob als Quelle der Inspiration nun ein „Youtube“-Video oder eine fränkische Handschrift dient, spielt dabei keine Rolle: „Wir kennen von so gut wie keinem Lied die Noten“, sagt Keglmaier. „Wir hören uns das alles zurecht.“

Live vorstellen werden „Zwirbeldirn“ ihre „Scheibe eins“ am Donnerstagabend im „Import-Export“ an der Goethestraße 30 (Beginn 21 Uhr, 8 Euro). Zu sehen sein wird dabei neben der Band auch die Kopie einer alten Schützenscheibe, die auf der CD abgebildet ist und ziemlich gut zu „Zwirbeldirn“ passt: Eine barbusige Schönheit reitet da auf einem Hirschen. „Das ist meine Tante“, erklärt Keglmaier. „Sie war damals Wirtin in der Schwabinger ,Zirbelholz-Stube‘. Zum Jubiläum der Wirtschaft hat sie ein Maler portraitiert.“ Am Donnerstag darf man mit Dartpfeilen auf die Scheibe werfen - wer trifft, bekommt die CD gratis.

Und wie erfolgreich kann man unter dem Etikett „Junge bairische Musik“ werden? Den Weg der allseits beliebten „Trikont“-Kollegen „LaBrassBanda“, die bald in der Olympiahalle auftreten, werde man sicher nicht gehen können und wollen, sagt Keglmaier. „Unsere Musik rummst nicht so“, meint sie. „Und zu uns kommen auch nicht so viele junge Mädchen.“ Wobei: „Die Burschen sollen ruhig kommen.“

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