Ausgebildet für heikle Einsätze: SEK-Beamte wie diese stürmten am Donnerstag die Wohnung in Ramersdorf. Foto: dpa

Drogen-Razzia

Angeschossener war nicht bewaffnet

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München - Nach dem Schuss eines SEK-Beamten auf einen Mann während einer Drogen-Razzia hat die Münchner Staatsanwaltschaft am Freitag weitere Details zu dem Einsatz bekannt gegeben.

Demnach war der Angeschossene selbst nicht bewaffnet und hat nach bisherigen Erkenntnissen auch nichts mit der Drogenbande zu tun, die im aktuellen Fall ausgehoben werden sollte.

Wie berichtet, hatte das Rauschgiftdezernat am Donnerstag zu einem Schlag gegen das Drogenmilieu ausgeholt und Durchsuchungsbeschlüsse für drei Münchner Wohnungen erwirkt. Eine im Stadtbezirk Sendling-Westpark, eine in Berg am Laim sowie in Ramersdorf an der Hochäckerstraße, wo auch der Schuss fiel. Da die Drogenfahnder davon ausgingen, dass die Bande Waffen hat, wurde das Sondereinsatzkommando (SEK) hinzugezogen.

Beamte dieser Einheit klingelten gegen 12 Uhr an der Wohnungstür eines 38-Jährigen. Als ein Mann öffnete und die Spezialkräfte in ihren Schutzanzügen sah, warf er die Tür sofort wieder zu. Doch einer der Beamten stellte seinen Stiefel in den Spalte und rammte die Tür auf. Was dann passierte, hat der SEK-Beamte laut Staatsanwalt Peter Preuß folgendermaßen zu Protokoll gegeben: „Der Verdächtige ist zunächst in den Flur zurückgewichen, hat dann aber mit seinem linken Arm eine schnelle Vorwärtsbewegung gemacht, wobei er einen schwarzen Gegenstand in der Hand hatte. Der Beamte glaubte eine Waffe zu erkennen und gab einen gezielten Schuss ab.“

Das Projektil durchschlug die linke Hand des Mann und streifte anschließend noch seinen Hals. Nur wenige Zentimeter weiter in der Mitte hätte die Kugel auch tödlich sein können. Der Mann wurde sofort in eine Klinik gebracht und operiert.

Am Freitag wurde der Verletzte von Polizisten vernommen. Seitdem ist klar, dass es sich bei ihm um einen 43-jährigen Münchner handelt und nicht um den Wohnungsinhaber, den die Polizei eigentlich festnehmen wollte - dieser war schlichtweg nicht zu Hause. Klar ist mittlerweile auch, dass in der Wohnung weder Waffen noch Drogen gefunden wurden. Bei dem schwarzen Gegenstand, den der SEK-Beamte für eine Waffe hielt, soll es sich laut Polizeiangaben wohl um ein Mobiltelefon gehandelt haben.

Laut Staatsanwalt Preuß gab der Angeschossene jedoch eine andere Version zu Protokoll. Demnach sei er in dem Flur zurückgewichen, habe die Arme hochgestreckt und nichts in den Händen gehalten. Was der Mann in der Wohnung des 38-Jährigen gemacht hat und in welcher Beziehung er zu diesem steht, blieb am Freitag unklar. Staatsanwalt Preuß stellte aber auf Nachfrage klar: „Der Mann gilt in diesem Rauschgiftverfahren nicht als Beschuldigter.“

Was übrigens auch für einen weiteren Mann gilt, der ebenfalls in der gestürmten Wohnung war, bislang aber von der Polizei noch nicht erwähnt wurde. Ob dieser die Situation der Schussabgabe gesehen hat, war am Freitag nicht zu recherchieren. Laut Preuß lag der Staatsanwaltschaft noch kein Vernehmungsprotokoll von diesem Mann vor. Zwei andere SEK-Beamte, die ebenfalls vor Ort waren, gaben an, keine freie Sicht auf die Situation gehabt zu haben. Die Ermittlungen dauern an, der SEK-Beamte, der den Schuss abgegeben hat, ist laut einem Polizei-Sprecher weiter normal im Dienst.

Unabhängig von diesem Zugriff verliefen die Durchsuchungen in den zwei anderen Wohnungen erfolgreicher: Zwar wurden auch dort keine Waffen und nur eine kleine Menge Marihuana sichergestellt, jedoch laut Preuß einschlägige, drogentypische Gegenstände sowie ein fünfstelliger Bargeld-Betrag, der aus Drogen-Geschäften stammen soll. In den Wohnungen in Berg am Laim und Sendling-Westpark wurden insgesamt zwei Männer und eine Frau festgenommen. Darunter auch der 38-jährige Hauptbeschuldigte, in dessen Wohnung der Schuss abgegeben worden war. Gegen ihn erging inzwischen Haftbefehl wegen „bandenmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“.

Sven Rieber

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