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Da war er noch ein Hoffnungsträger: (v. re.) Georg Schlagbauer mit München-CSU-Chef Ludwig Spaenle, Finanzminister Markus Söder und dem Landtagsabgeordneten Georg Eisenreich. 

Staatsanwaltschaft ermittelt

Drogenskandal von CSU-Stadtrat Schlagbauer: "Es war ihm nicht anzumerken"

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München - Katerstimmung herrscht am Tag, nach dem die Sex- und Drogen-Affäre des CSU-Stadtrats und Handwerkspräsidenten Georg Schlagbauer bekannt wurde. In der Partei ist man fassungslos, während aus Bordell-Kreisen neue Details bekannt werden.  

Auf der alljährlichen Pressekonferenz zum Stadtgründungsfest ließ Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sich am Freitag entschuldigen. „Er ist leider erkrankt und liegt ohne Stimme zuhause“, sagte Kurt Kapp, Schmids Stellvertreter als Wirtschaftsreferent. „Weil die letzten Tage ihn stimmlich etwas mitgenommen haben.“ Nicht nur etwas, „sondern ziemlich“, schob Kapp hinterher. Was Schmids Stimmbänder verschleißen ließ, kann man sich denken: Nach den Skandal-Enthüllungen um CSU-Hoffnungsträger Georg Schlagbauer wird der Bürgermeister sehr viel und sehr laut gesprochen haben.

Es ist eine Katastrophe, die CSU immer noch wie paralysiert: „Die Stimmung ist sehr schlecht“, sagte ein Stadtrat der tz. „Spaß macht das alles gerade nicht.“ Offiziell mag sich kaum jemand äußern. Wohl auch deshalb nicht, weil nicht klar ist, was da in den nächsten Tagen noch alles ans Licht kommt: Seitdem Medien in ganz Deutschlkand sich auf die Causa stürzten, werden stündlich mehr, auch fragwürdige Details aus der Rotlicht-Szene bekannt.

Georg Schlagbauer selbst reagierte auf Anfragen nicht. Klar scheint bisher, dass er ein gut gehütetes Doppelleben geführt haben muss. Kokain, Bordell-Besuche – selbst langjährige Weggefährten und Freunde des Metzgermeisters wollen nichts geahnt haben. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt einer der tz. Informiert waren wohl die CSU-Spitze und Ministerpräsident Horst Seehofer seit Mittwochabend. 

Sex- und Drogen-Verfehlungen spielen Populisten in die Hände

Der heisere Josef Schmid erklärte auf Anfrage: „Der Drogenkonsum Georg Schlagbauers war ihm bei seiner Tätigkeit als Stadtrat in keinster Weise anzumerken. Es gab an seiner Arbeit nichts auszusetzen.“ Deswegen seien alle so schockiert gewesen, als die gewaltigen persönlichen Probleme Schlagbauers bekannt wurden. Wie reagiert die Partei nun? „Ich hatte mit Georg Schlagbauer seit seinem Rücktritt keinen persönlichen Kontakt. Wie das in Zukunft aussehen wird, ist kein Thema für die Öffentlichkeit.“

Die Sex- und Drogen-Verfehlungen der CSU-Politiker Michael Brückner und Georg Schlagbauer spielen nach Expertenansicht Populisten in die Hände. „Pegida und generell die populistischen und rechtsextremen Parteien profitieren davon“, sagte Teresa Nentwig vom Institut für Demokratieforschung Göttingen der Deutschen Presse-Agentur. Generell führten sie dazu, „dass Menschen sich weiter von der Politik abwenden“.

"Bei meiner Mandantin wurde nichts gefunden"

Die Prostituierte Larissa M., mit der Schlagbauer im Bordell „Extasia“ offenbar bevorzugt verkehrte, ärgert sich derweil über seine Zahlungsmoral. 14 700 Euro soll Schlagbauer ihr schulden. „Ich habe alles nach seinen Wünschen eingerichtet“, erzählt die 29-jährige Rumänin der tz. „Ich verkaufe meinen Körper nicht umsonst!“ Bargeld hatte Schlagbauer angeblich immer dabei. Und reichte es bei längeren Besuchen nicht, soll er der Domina handgeschriebene Schuldscheine ausgestellt haben.

Die will sich jetzt Larissa M.s Anwalt Thorsten Schulz genauer ansehen. „Ich gehe davon aus, dass die Schuldscheine rechtlich in Ordnung sind. Herr Schlagbauer wird das Geld zahlen müssen.“ Er habe ihn noch nicht persönlich kontaktiert. Aber: „Im Notfall gehe ich den normalen zivilrechtlichen Weg.“ Schulz bestreitet die Kokain-Vorwürfe, die auch Larissa M. anhaften: „Bei meiner Mandantin wurde nichts gefunden.“

Demokratieforscherin Nentwig rät Skandal-Politikern, die Öffentlichkeit nicht häppchenweise zu informieren. „Es kommt ja irgendwann doch ans Licht.“ Auch Larissa M. findet, Schlagbauer solle die Sache schnell klären. „Er ist kein dummer Mensch. Er musste doch damit rechnen, dass es rauskommt.“

Sascha Karowski, Johannes Heininger und Marian Meidel

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