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Wird der Sendlinger-Tor-Platz bald von Kameras überwacht? Hier versammelte sich zuletzt Münchens Drogenszene.

Drogenszene: Streit um Videoüberwachung

Wie viel sicherer wird die Stadt mit Videokameras? Über diese Frage wird nun auch im Rathaus wieder zu sprechen sein. Seit Suchtkranke den Sendlinger-Tor-Platz verstärkt aufsuchen, will die Polizei ihn virtuell überwachen lassen. Das stößt nicht bei allen im Rathaus auf Wohlwollen.

Es ist der ewig gleich bleibende Richtungsstreit. Die einen wehren sich resolut gegen eine Videoüberwachung, die anderen sehen darin eine Chance, die Stadt sicherer zu machen. So war es, als die Polizei im Frühjahr 2007 drei Kameras auf dem Haidhauser Orleansplatz installieren ließ – und so ist es heute.

Schon damals hatten die Grünen moniert, eine Überwachung löse das Problem der Suchtkranken nicht – sie verdränge die Klientel nur an einen anderen Ort. Nun sagt Fraktionschefin Lydia Dietrich: „Offensichtlich hat man aus Haidhausen nichts gelernt.“ Videoüberwachung und Vertreibung seien „keine Antworten auf Drogenkonsum im öffentlichen Raum“. Man müsse vielmehr auf „niedrigschwellige Angebote“ setzen, Beratungsstellen schaffen und „Streetworker“ beschäftigen, um den Betroffenen zu helfen.

Klaus Fuhrmann, der beim Suchthilfeverein „Condrobs“ die niedrigschwelligen Angebote verantwortet, sagt, er halte „gar nichts“ von weiteren Videokameras. Seit die virtuellen Augen den Orleansplatz überblicken, verzeichne der nahe gelegene Kontaktladen „off“, eine Anlaufstelle für Konsumenten illegaler Drogen und Substitutiere, einen Besucherrückgang um ein Drittel. Das führe im Extremfall dazu, dass sich die Abhängigen in ihre vier Wände zurückziehen – und später leblos aufgefunden werden. Fuhrmann: „Wir müssen akzeptieren, dass es in München solche Randgruppen gibt.“ Es sei „einer Großstadt unwürdig“, dass die Süchtigen immer wieder vertrieben werden. „Wir brauchen dezentrale Plätze mit WCs, Orte, an denen sich diese Menschen aufhalten können.“

Doch was, wenn sich die Anwohner nicht mehr sicher fühlen? Wolfgang Wenger, Sprecher der Münchner Polizei, sagt, es habe in der letzten Zeit einen „spürbaren Anstieg“ der Kriminalität am Sendlinger Tor gegeben. Wie in Haidhausen sei hier ein Stadium erreicht, in dem der Platz „nicht mehr bespielbar“ sei. „Wir können nicht zuschauen, wenn sich die Leute nicht mehr sicher fühlen.“

Die Rathaus-CSU unterstützt die Polizei bei ihrem Vorhaben, Kameras auf dem Sendlinger-Tor-Platz und im angrenzenden Nussbaumpark zu installieren. Die SPD wohl auch: „Wenn die Polizei den Einsatz gut begründet, halten wir die Überwachung für ein geeignetes Mittel, das Problem in den Griff zu bekommen“, sagt Stadtrat Josef Assal. Allerdings räumt er ein, man könne „nicht die ganze Stadt mit Kameras überziehen“.

Die Grünen würden am liebsten ganz auf eine Videoüberwachung verzichten. In einem Antrag fordern sie, auch die Kameras am Orleansplatz abzubauen. Das Problem am Sendlinger Tor sei zudem ein ganz anderes: Der Nussbaumpark werde wegen seiner Lage und Gestaltung „als unsicherer Ort wahrgenommen“, der keine Aufenthaltsqualität biete, sagt Dietrich. Man müsse ihn folglich umgestalten.

Thierry Backes

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