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Harald Reiter vom Autohaus Hemmerle vor zwei Diesel-Autos.

Fahrverbote drohen

Wegen Dieselverbot: Münchner Händler fürchten Verluste

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München, die Diesel-Hochburg. 41,5 Prozent der gemeldeten Fahrzeuge sind mit einem solchen Motor ausgestattet. Die Verunsicherung bei Diesel-Besitzern über ein mögliches Fahrverbot ist groß. 

Seit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in der vergangenen Woche laut über ein generelles Einfahrverbot für Diesel-Fahrzeuge ohne Euro-6 nachgedacht hat, steigt die Nervosität der vielen Diesel-Fahrer in der Stadt. Ein Gradmesser für diese wachsende Verunsicherung ist der Gebrauchtwagenmarkt. „In München selber können wir kaum noch ältere Diesel-Fahrzeuge verkaufen“, sagt etwa Harald Reiter vom Autohaus Hemmerle. Bei ihm gehen diese Autos vermehrt in den Export. „Etwa nach Osteuropa, wo die Diskussion um Fahrverbote keine Rolle spielt.“ Aber auch außerhalb der Stadtgrenzen, etwa in Niederbayern, fänden die älteren Diesel noch Käufer.

Ein Autohändler berichtet: Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen sinkt gewaltig

Dennoch ist die Ratlosigkeit und der Ärger über die Politik förmlich mit Händen zu greifen. „Die Verunsicherung der Kunden nimmt von Tag zu Tag zu“, beobachtet Matthias Lederer vom Autohaus Häusler. „Die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen sinkt gewaltig, sowohl bei den Neuwagen als auch bei den Gebrauchtfahrzeugen.“

Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes untermauern diesen Eindruck. Seit Monaten geht der Marktanteil der Selbstzünder bei Neuwagen zurück. Im Mai lag er bei 40,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch 46,3 Prozent. Und wenn die Politik mit Fahrverboten ernst macht, dürfte sich der Trend verschärfen. Dabei sieht es nicht so aus, als sei München die einzige Stadt, die zu Fahrverboten greifen muss. Städtetags-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte, er sei derzeit skeptisch, wie es kurzfristig in einigen Städten ohne begrenzte Fahrverbote für bestimmte Diesel-Fahrzeuge gelingen solle, die Gesundheit der Menschen zu schützen und die Grenzwerte einzuhalten.

Eine Übersicht zum Dieselanteil der Fahrzeuge in den einzelnen Stadtbezirken Münchens. 

Die Händler ärgern sich über ein Klima der Verunsicherung

Es sind solche uneindeutigen Meldungen, über die sich Händler und Diesel-Besitzer ärgern. Denn bisher ist nur klar, dass nichts klar ist. „Der Kunde fragt uns, wie es weitergeht“, ärgert sich Lederer. „Doch wir können nichts sagen, weil völlig unklar ist, wie die Situation in einem, zwei oder drei Jahren sein wird.“ Dabei beschränkt sich diese Verunsicherung längst nicht mehr auf Käufer von Dieseln. Ein Händler von Premium-Fahrzeugen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt: „Käufer von Benzinern fragen sich mittlerweile, ob sie nach dem Diesel die nächsten sind.“ Mit täglichen widersprüchlichen Meldungen verschärfe die Politik die Verunsicherung.

Auf Schnäppchen sollten Käufer aber dennoch nicht spekulieren. „Die Preise sind weitgehend stabil“, sagt Harald Reiter. Sein Kollege Matthias Lederer vom Autohaus Häusler fügt allerdings hinzu: „Gebrauchte Diesel stehen mittlerweile schon etwas länger als sonst bei uns.“ Beim Premiumhändler, der unbekannt bleiben will, sinken die Preise tatsächlich: „Wir müssen die Diesel längst günstiger anbieten“, sagt er. Das habe zwei Gründe. Zum einen würden die Kunden Neuanschaffungen derzeit vor sich herschieben und wollten die endgültigen Entscheidungen der Politik abwarten. Zum anderen wechselten schon jetzt Besitzer von älteren Diesel-Fahrzeugen auf einen Benziner – und müssten dabei einen deutlichen Wertverlust ihres Autos hinnehmen. „Wer vor zwei Jahren einen Euro-5-Diesel gekauft hat, konnte beim besten Willen nicht mit so einem Wertverfall rechnen.“

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