Wer steckt hinter dieser Aktion?

Dubiose Bettler-Werbung mit Promis

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München - "München – Weltstadt mit Herz und Kleingeld." Mit dieser fingierten Kampagne treiben Unbekannte derzeit in München ein dubioses Spiel. Dutzende Aufkleber wurden platziert, auf denen Promis zum Spenden für Bettler aufrufen.

Oberbürgermeister Christian Ude, selbst Opfer der Kampagnen-Fälscher, mutmaßt, dass kriminelle Bettlerbanden dahinter stecken könnten. Oder entstammen sie der linken Szene? Fakt ist: Der Produzent der Aufkleber hat sich viel Arbeit gemacht und in etlichen Fällen haben die Sprüche eher satirische Züge: „Ich habe immer etwas Kleingeld für Kippen und Bettler dabei – Ehrensache!“, wird Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt auf einem Aufkleber zitiert.

„Immer etwas Geld für Bettler dabei haben, das ist mein Financial Fairplay“, sagt angeblich FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Supermodel Heidi Klum erklärt: „Für Leute, die gegen Bettler hetzen, für die habe ich heute leider kein Foto dabei . . .“ Und OB Ude wird in den Mund gelegt: „Unsere weltoffene Stadt hat auch Platz für Bettler.“ Weitere Opfer der angeblichen Kampagne sind Bastian Schweinsteiger, Sterne-Koch Alfons Schuhbeck („Bettler sind doch für München das Salz in der Suppe“), die Tatort-Kommissare Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec, Sängerin Lena sowie Peter Maffay.

Diese Aufkleber kleben in München

Bettler-Werbung mit Promis

Ude, der Dienstagmittag durch eine Anfrage unserer Zeitung von der Kampagne erfuhr, kritisiert diese scharf. „Es handelt sich um eine Fälschung, um kommerzielle Werbung zu machen für Bettelei in der Innenstadt“, mutmaßt der OB. „Dies wird zunehmend in gewerblichem Stil von ausländischen Bettlerbanden durchgeführt.“ Ude will nach eigenen Angaben dagegen vorgehen, behält sich auch rechtliche Schritte vor. Auch die Polizei erfuhr erst am Dienstag durch unsere Zeitung von der Aktion. Bis dato hatte offenbar noch keiner der Prominenten Anzeige erstattet.

Die zum Wohle von Bettlern tätigen Sozialinstitutionen in München wussten bis gestern auch noch nichts von der Aktion. Auch aus der Szene gibt es keine Erkenntnisse, wer dahinter stecken könnte. Alexander Thal, Sozialberater für die Innenstadt seitens der Caritas, glaubt – anders als Ude – nicht, dass Bettler-Banden dahinter stecken. „Ich vermute eher, dass das eine linke Gruppierung war.“

Unabhängig davon treten tatsächlich in der Vorweihnachtszeit wieder vermehrt organisierte Bettler-Banden aus Osteuropa in der Münchner Innenstadt auf. Oft greifen diese bewusst zu Psychotricks, die das Mitleid der Passanten wecken sollen: Teils haben sie Hunde, teils sogar Kinder bei sich, oft täuschen sie auch Behinderungen vor. Doch diesen Bettlern selbst bleibt das wenigste Geld. Das meiste sacken deren Hintermänner ein, die oft die bei ihnen verschuldeten Landsleute gezielt nach Deutschland schleppen, um hier für sie zu betteln. Laut Polizei sind die meisten Berufs-Bettler in München aus Rumänien und der Slowakei.

Das organisierte Betteln ist gemäß dem Straßen- und Wegegesetz in Deutschland untersagt. Die Polizei nimmt in solchen Fällen den Bettlern das Geld ab und versucht, sie so abzuschrecken. Doch trotz dieser Maßnahmen scheint der Ertrag groß genug. Das „normale“ Betteln einzelner notleidender Menschen ist im Gegensatz zum „organisierten“ grundsätzlich nicht verboten. Einzig im Stadtkern untersagt dies in München die städtische Fußgängerzonen-Satzung. Ein Tipp für den, der gezielt heimischen Bettlern etwas Gutes tun möchte: in der Regel sind sie von Mitgliedern der Bettel-Mafia durch ihre Sprachkenntnisse zu unterscheiden.

Sven Rieber

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