Siegesgewiss: OB Christian Ude und Merkur-Reporter Matthias Kristlbauer sprachen gestern am Indischen Ozean über Münchens Chancen beim morgigen Olympia-Entscheid. fkn

Ude in Durban: „Wir sind nicht überheblich, nur optimistisch“

Durban - Wenige Stunden vor der Entscheidung über Olympia 2018. Münchens OB Christian Ude ist gut gelaunt. Er hat Grund zur Freude: Franz Beckenbauer hilft der Bewerbung 2018.

Herr Ude, falls München am Mittwoch die Winterspiele 2018 bekommt, müssen Sie kurz danach den Host-City-Vertrag des IOC unterzeichnen. Wissen Sie schon welchen Stift Sie benutzen?

(lacht) Ich hätte einen Kugelschreiber dabei, nehme aber an, dass die Veranstalter einen Füllfederhalter bereithalten, wie in solchen Fällen üblich.

Sie haben kein Magengrummeln, einen Vertrag zu unterzeichnen, den Sie selbst einmal als „Zumutung“ beschrieben haben?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe den Begriff verwendet, um klarzumachen, dass ich gerne bei Vertragsverhandlungen zumindest auf gleicher Augenhöhe verhandeln kann. Dass ist hier leider nicht der Fall. Es ist aber weltfremd davon auszugehen, der Münchner Oberbürgermeister könnte diese Ordnung umstülpen. Auch die Staatschefs der USA und Russlands waren bereit, diese Regeln zu akzeptieren.

Sie hatten ja gesundheitliche Probleme, waren im Krankenhaus. Wieder fit für den großen Auftritt?

Ich bin meinen Ärzten im Josephinum zu großem Dank verpflichtet. Ich fühle mich richtig gesund, bekomme aber so viele Antibiotika, dass ich mich schonen muss und beim Essen aufpasse.

Sind Sie aufgeregt?

Nein. Aber ich weiß vom Anzapfen, dass selbst Dinge, die man schon oft gemacht hat, in den letzten Minuten wieder mit Lampenfieber verbunden sind.

Wird momentan noch viel geprobt für die letzte Präsentation morgen?

Ja. Wir haben am Wochenende schon geprobt, um Text und Bilder miteinander abzustimmen. Heute hatten wir noch eine Probe am Originalschauplatz. Und wir werden noch eine Probe haben, bei der dann alle Originalteilnehmer mitwirken. Einige mussten heute Vormittag ja noch gedoubelt werden . . .

. . . von großen Namen ist die Rede . . .

Der Bundespräsident war noch nicht da. Auch Maria Riesch kommt erst mit dem Fanflieger. Der größte Name aber und wohl auch die größte Überraschung für die Koreaner ist Franz Beckenbauer.

Ein Fußballer wirbt für Olympische Winterspiele?

Er hat in der Sportwelt ein einmaliges Renommee und erfreut sich großer Beliebtheit. Außerdem hat er schon einmal einen Wettbewerb erfolgreich bestritten, nämlich den, wer die Fußball-Weltmeisterschaft austragen darf. Das heißt: Franz Beckenbauer steht für die besten Erfahrungen. Und er hat außerhalb des Wintersports einen Namen - einen, wie ihn fast nur ein Fußballer haben kann.

Haben Sie eigentlich gewettet, dass München die Spiele bekommt?

Nein, ich bin noch nicht dazu aufgefordert worden. Ich kenne auch niemanden, der in München dagegen wetten würde. Wobei wir ja nicht überheblich und siegesgewiss sind, sondern nur optimistisch. Wir wissen, dass die beiden anderen Wettbewerber gute Arbeit geleistet haben. Und wir wissen, dass Pyeongchang häufig erwähnt, schon zweimal kandidiert zu haben, so dass es bitteschön kein drittes Mal verlieren möchte. Das ist ein Argument, aber wir glauben, dass wir gewichtigere haben.

Welche Bedeutung hat die Bewerbung um die Winterspiele für Sie? Könnte es die Krönung Ihrer Amtszeit werden?

Das Wort Krönung enthält ein hierarchisches Denken, dem ich mich nicht anschließen will. Es ist das international meist beachtete Projekt. Aber ich denke, dass über hunderttausend Wohnungen zu bauen weniger spektakulär war, aber für die Münchner Bürger wahrscheinlich wichtiger. Ich würde auch das Jüdische Zentrum nicht auf einen zweiten Platz zurückstufen wollen. Zudem ist die Messe für den Wirtschaftsstandort von nachhaltiger Bedeutung. Dennoch sind die Olympischen Spiele ein großes Zukunftsziel, das sieben Jahre vor uns liegt.

Sollte es nicht klappen: Hat die Bewerbung dennoch etwas bewirkt?

Ich sehe ja hier in Durban, wie internationale Pressekonferenzen überfüllt sind. Die Bewerbung war eine Sympathie- und Tourismuswerbung für München, Oberbayern und Deutschland, die kein Gemeinwesen bezahlen könnte.

Wäre eine Bewerbung 2022 politisch leichter durchzusetzen als die 2018?

Darüber will ich jetzt überhaupt nicht spekulieren, weil wir bis Mittwoch, 17 Uhr, davon ausgehen, dass wir auf Sieg setzen und nicht auf Platz. Die Frage, wie man mit einer Niederlage umgehen würde, kann auch keiner allein beantworten. Das wäre nur vorlaute Wichtigtuerei.

Was wird Ihre erste Tat sein nach einem Sieg?

Natürlich werde ich mit meiner Frau telefonieren, die am Marienplatz feiert. Und ich werde versprechen, ein großes Fass Münchner Bier aufzumachen. Vielleicht kommt es ja noch mit dem Fanflieger nach Durban.

Interview: Matthias Kristlbauer

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