Begehrte U-Bahn: Münchens Studenten fahren viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch genau dies ist das Problem. Foto: ddp

Durchbruch für das Semesterticket

München - Die Münchner Studenten können aufatmen. Nach zähem Ringen um ein Semesterticket zeichnet sich eine Lösung ab. Der Durchbruch kam völlig überraschend - bei einer Pressekonferenz von OB Ude (SPD).

Kommentar:

Reden hilft!

Die Grütznerstube im Münchner Rathaus ist so etwas wie die gute Stube des Oberbürgermeisters. Die Wände sind holzgetäfelt, darüber hängen dunkle Ölgemälde. In diesem Ambiente gibt Ude Pressekonferenzen, zu denen – wie der Name sagt – in aller Regel nur Pressevertreter erscheinen.

Am Freitag war das anders. Neben nicht mal einer Hand voll Journalisten hatten sich auch drei Studenten und eine Studentin am anderen Ende der langen Holztafel breitgemacht, sieben oder acht Meter von Ude entfernt. Denn der OB wollte ausführen, warum wieder einmal nichts aus dem Semesterticket würde. Es sollte anders kommen.

Die Sache mit dem günstigeren Ticket für Studierende in München ist an sich schon kurios. Seit mehr als 15 Jahren wird darüber in München gestritten. Die Einführung des Tickets scheiterte im Grunde immer am gleichen Problem: Es fahren schon zu viele Studenten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. 60 Prozent sind es im Sommer- und 70 im Wintersemester. Um ihnen eine billigere Fahrkarte anbieten zu können – ohne dass der MVV deshalb draufzahlt – müssten noch mehr Studenten auf U- und S-Bahn, Bus oder Tram umsteigen. Doch das ist schwierig.

Die Lösung sollte zuletzt folgender Vorschlag des MVV bringen: Jeder Student kauft ein Ticket für 75 Euro, mit dem er sechs Monate lang von abends bis morgens fahren darf, am Wochenende auch ganztags. Studenten, die von Montag bis Freitag auch tagsüber fahren wollten, hätten noch einmal 137, 162 oder 172 Euro drauflegen müssen – je nachdem, ob sich drei, zwei oder nur eine Uni beteiligt. Bei den Studenten hatte dies für Ärger gesorgt. Auch deshalb, weil sie diese verschiedenen Optionen nicht zur Grundlage einer geplanten Urabstimmung machen konnten.

Bei besagter Pressekonferenz war die Stimmung denn zunächst auch gereizt. Es sei hier seine Veranstaltung, mahnte Ude die nörgelnden Studenten. Manch Journalist sah schon, wie der Herr Oberbürgermeister die Studenten aus der Grütznerstube wirft – und seine dort obligatorischen Butterbrezen hinterher.

Doch dann änderte sich der Ton. „Eine Urabstimmung ist mit den verschiedenen Preisen für uns unmöglich“, sagte Anian Kammerloher, Studentischer Vertreter im Senat der Technischen Universität. Ude nickte. Und dass sich – wie von MVG-Chef Herbert König erwähnt – bei einer Befragung nur 24 Prozent für genau dieses Ticket-Modell ausgesprochen hätten, sei nur ein Teil der Wahrheit, bemängelte Kammerloher. Es seien viel mehr Studenten für ein Semesterticket. „Ich teile Ihren Optimismus, dass ein Pro herauskommt“, meinte Ude.

Wenig später war die Lösung da. Zur Urabstimmung soll das Modell mit Gesamtkosten von insgesamt 212 Euro pro Semester gestellt werden. Beteiligen sich danach doch nicht alle drei Unis am Ticket, wird nachverhandelt. Auch sollten testweise für ein Jahr die Studenten mit dem 75-Euro-Basis-Ticket bereits ab 18 Uhr mit dem MVV fahren dürfen – nicht erst ab 19 Uhr.

„Das könnte auf jeden Fall ein Durchbruch werden“, jubelte Studierenden-Vertreter Anian Kammerloher. Nun würden die studentischen Gremien mit dem Vorschlag befasst. Eine Urabstimmung der 80 000 Studenten in München über das Semesterticket wird damit für das Wintersemester wahrscheinlich. Fällt sie positiv aus, könnte doch noch etwas werden aus dem günstigen Tickets für Studenten, selbst nach mehr als 15 Jahren.

Matthias Kristlbauer

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