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Da kann nichts passieren: Zwei Polizisten, ein Absperrband und ein weißes Tuch schirmen Erbrochenes ab.

Killer-Virus am Hauptbahnhof

Ebola-Falschmeldung verbreitet sich rasant

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München - Es gibt etwas, das sich schneller verbreitet als jede Krankheit: eine Falschmeldung. Genau so eine schreckte gestern die Münchner Nachrichtenwelt auf: Das afrikanische Killer-Virus Ebola habe den Münchner Hauptbahnhof erreicht.

Es war eine äußerst seltsame Situation, gestern Mittag am Hauptbahnhof. Ein bisschen wie aus einem Monty-Python-Film. Auf den Treppen zum Starnberger Flügelbahnhof standen zwei grimmig schauende Polizisten und bewachten ein kurzes, rotes Absperrband. Das Absperrband wiederum sollte verhindern, dass jemand – trotz der Polizisten – auf ein weißes Tuch steigt, welches wiederum Erbrochenes verdecken sollte. So skurril das Ganze auf den ersten Blick wirkte, so ernst war doch der Hintergrund. Zumindest für ein paar Minuten. Denn gestern Vormittag herrschte am Hauptbahnhof München für ganz ganz kurze Zeit Ebola-Alarm. Beziehungsweise Ebola-Fehlalarm.

Kurz vorher infizierte eine Meldung, deren genauer Ursprung sich nicht mehr hundertprozentig nachvollziehen lässt, die Redaktionen der Landeshauptstadt: Am Hauptbahnhof soll es einen Ebola-Fall geben +++ Stopp +++ Ein Somalier habe sich übergeben, möglicherweise wegen einer Tropenkrankheit. Möglicherweise wegen dieser Krankheit mit E. +++ Stopp +++ Der Hauptbahnhof – komplett gesperrt +++ Stopp +++

Keine Ganzkörperanzüge, keine desinfizierten Züge

Die Medienhäuser ließen ihre Reporter in Scharen ausschwärmen. Mit Kameras, Fotoapparaten und nett gemeinten Wünschen, gesund zu bleiben. Dass es in Somalia zwar alles Mögliche gibt, wie zum Beispiel Hungersnöte und Warlords, aber bislang nicht einen einzigen Ebola-Fall: wurscht. Sodann trudelten zig Journalisten am Bahnhof ein und wunderten sich, dass so rein gar nichts abgesperrt war – außer dieser kleinen Stelle an der Treppe zum Starnberger Flügelbahnhof. Nirgends Hubschrauber, die den Bahnhof umkreisten. Niemand trug Ganzkörper-Gummianzüge, niemand desinfizierte die Züge. Denn trotz großer Hysterie war die Faktenlage eigentlich recht überschaubar.

Lesen Sie zu dem Thema Ebola unter merkur-online.de auch: Ebola: Infektion, Symptome und Geschichte - Darum ist das Virus so gefährlich

Gegen elf Uhr vormittags – rund eine Stunde vor der Meldung – nahmen Beamte der Bundespolizei zwei Afrikaner, vermutlich Somalier, an der Hackerbrücke fest. Ein Bahn-Mitarbeiter hatte die Bundespolizei zuvor verständigt – er vermutete, die beiden Afrikaner seien illegal nach Deutschland eingereist. Was ihn zu dieser Vermutung brachte, ist unklar. Tatsächlich trugen die beiden auch keinerlei Ausweispapiere bei sich. Die Beamten nahmen den jungen Mann und seine Begleiterin mit zur Polizei am Hauptbahnhof. Auf dem Weg die Treppe hoch musste sich der Mann dann übergeben. Und das, obwohl das Oktoberfest ja noch gar nicht begonnen hat. Alarmstufe Rot!

Hysterie-Maschine lief auf vollen Touren

Eine Notärztin wurde verständigt, die sich den Mann sofort ansah. Sie stellte Fieber fest. Jedoch keinerlei Symptome einer Ebola-Infektion, oder sonstige Anzeichen irgendwelcher Tropenkrankheiten. Der Mann wurde daraufhin mit einem ganz normalen Krankenwagen in ein Krankenhaus gebracht. Laut einer Polizeisprecherin hatte er vermutlich ein Problem mit dem Magen. Hier hätte die Geschichte schon enden können und es vielleicht in eine Zeitungs-Randspalte geschafft – aber zu dem Zeitpunkt war das Gerücht mit Ebola schon in der Luft. Und die Hysterie-Maschine längst auf vollen Touren.

Wie das Gesundheitsreferat wenig später in einer eilig verfassten Pressemitteilung schrieb, wurde die Sonderisolierstation in Schwabing zu keinem Zeitpunkt hochgefahren. Auch das Gerücht lag zwischenzeitlich in der Luft. Darüber hinaus wies das Referat darauf hin, dass weder in Somalia noch in den Transitländern nach Deutschland bislang Ebola aufgetreten ist. Noch dass es sonderlich wahrscheinlich sei, dass das demnächst einmal geschehen könnte.

Patrick Wehner

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