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„Eder-Moden“ gibt auf

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Die Reste des Räumungsverkaufes 
          sind noch an den Fensterscheiben zu sehen. Das Geschäft selbst ist längst zu. 
            Foto: Haag
Die Reste des Räumungsverkaufes sind noch an den Fensterscheiben zu sehen. Das Geschäft selbst ist längst zu. Foto: Haag

München - Am Viktualienmarkt, direkt am Fuße des Alten Peter, ist ein kleines Stück Münchner Tradition zuende gegangen. Nach 122 Jahren hat das Modergeschäft Eder seine Hauptfiliale geschlossen.

„Die Aufgabe war von langer Hand vorbereitet“, sagt Geschäftsführer Mattias Eder, der als Grund unter anderem die schlechte Wirtschaftslage, fehlende Erben, aber auch die schwierige Personalsituation angibt. Auf das Familienuntenehmen folgt die Filiale einer Kette: Das Modeunternehmen „Gerry Weber“ baut ab Januar die Räume am Viktualienmarkt um. Im Februar soll dort die vierte Filiale in München eröffnet werden.

Die Geschichte der Firma Eder am Alten Peter begann am 22. Oktober 1887. An diesem Tag heiratete Joseph Max Eder seine Verlobte Anna Grabmaier. Eine Woche später gründeten sie das Unternehmen – dank 1000 Goldmark Startkapital, die Annas Mutter dem jungen Paar zur Hochzeit geschenkt hatte. Über mehrere Generationen hinweg entwickelte sich das Haus zu einem der angesehensten Einzelhändler der Stadt. Das zeigt sich auch in der Familiengeschichte: So heiratete Wilhelm Eder, ein Sohn aus Annas zeiter Ehe, im Jahr 1923 Hanna Hugendubel, die dem bekannten Verlags- und Buchhandelshaus entstammte.

Im Krieg wurde das Haus am Viktualienmarkt zwar mehrfach von Bomben getroffen, aber nicht völlig zerstört. Deshalb war Eder auch eines der ersten Geschäfte, dass nach der deutschen Kapitulation wieder aufmachen konnte. Da am Viktualienmarkt keine Erweiterungsmöglichkeiten bestanden, mietete man an der Theatinerstraße Verkaufsräume an, die 1956 eröffnet wurden.

Doch schon seit einigen Jahren gerät das Geschäft ins Stocken: Durch den Bau der Fünf Höfe verschlechterte sich die Geschäftslage an der Theatinerstraße – im Juni 2002 wurde die Geschäftsstelle geschlossen. Nun folgt auch das ehemalige Haupthaus am Viktualienmarkt.

Nur das Strumpfstudio am Petersbergl und das Calida Wäschegeschäft am Rindermarkt, beide Zweigstellen von Eder-Moden, bleiben geöffnet. „Die Geschäfte dort laufen sehr gut“, sagt Geschäftsführer Mattias Eder. Die beiden Geschäfte seien mit 65 Quadratmetern Verkaufsfläche überschaubar – ganz im Gegensatz zur Hauptfiliale, die rund fünf Mal so groß war.

Zwölf Mitarbeiter mussten entlassen werden, elf Angestellte bleiben. Dreiviertel der Mitarbeiter hätten in den kommenden Jahren ohnehin das Rentenalter erreicht, sagt Eder. Das sei ein Grund für die Schließung gewesen: „Mitarbeiter von dieser Qualität sind nicht leicht zu finden.“

Der 51-jährige Mattias Eder ist kinderlos. „Deshalb habe ich keinen Nachfolger. Und verkaufen kann man so einen Laden wie unseren heute nicht mehr“, sagt er. Diese Art von Geschäften sterbe aus. Große Ketten setzen sich auch im Textilbereich durch.

Schließlich haben laut Eder die Wirtschaftssituation und die hohe Gewerbesteuer ihren Teil dazu beigetragen, dass eines der ältesten Textil-Inhabergeschäfte der Stadt schließen musste. „Das ist mir natürlich nicht leicht gefallen. Seit 50 Jahren bin ich in dort ein- und aus gegangen“, sagt Eder. Schon als Kind habe er hier Logos auf die Strumpfpackungen geklebt.

Saskia Müller

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