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Senol Ü. stand schon einmal vor Gericht.

Ehrenmord nach 20 Jahren vor Gericht

München - 23 Jahre liegt der gewaltsame Tod des Türken Cavus Ünlü zurück. Erst 2009 wurde ein Cousin als mutmaßlicher Täter ermittelt. Ab Dienstag stehen er und seine zwei Brüder vor Gericht.

Der 26-jährige Polier Cavus Ünlü war im Dezember 1986 auf dem Rücksitz seines Mitsubishi erschlagen aufgefunden worden. Osman Ü. (60), ein Cousin, der zugleich sein Schwager ist, soll das Verbrechen mit seinen Brüdern Turan (53) und Senol (52) verübt haben, um den Tod ihrer Schwester zu sühnen.

Ihre Schwester Melahat hatte sich im Juni 1986 das Leben genommen. Ihre Brüder machten Schwager Cavus dafür verantwortlich: er betrog seine Frau ganz offen, lebte mit ihrer Rivalin zusammen. Die Brüder glaubten, dass Cavus Ünlü ihre Schwester loswerden wollte, sie in den Tod getrieben oder sogar umgebracht hatte. Diese „Schande“ musste getilgt und die „Ehre“ der Familie wiederhergestellt werden, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Transport auf dem Rücksitz

Nach ihren Ermittlungen haben die Brüder ihren Schwager am 15. Dezember 1986 mit der Bitte in Turans Münchner Wohnung gelockt, einen defekten Wasserhahn zu reparieren. Dort lauerten ihm Turan und Osman auf. Als er sich zu dem Wasserhahn hinunterbeugte, sollen die Brüder ihm von hinten mit einer Eisenstange oder einem Werkzeug auf Kopf, Nacken und Rücken geschlagen haben. Anschließend stülpten sie ihm laut Anklage eine Plastiktüte über den Kopf und erdrosselten ihn mit einer Schnur.

Die Leiche sollen die beiden Täter in einen Karton gepackt und zu dem Mitsubishi geschleppt haben. Der jüngste Bruder fuhr mit der schaurigen Fracht in den Deisenhofener Forst, setzte den Toten auf den Rücksitz und ging zu Fuß zu einem vereinbarten Treffpunkt, wo ihn Osman Ü. abholte.

Kaufmann wollte Lehrmädchen missbrauchen

Die Ermittlungen der Mordkommission richteten sich wegen des nicht lange zurück liegenden Selbstmordes von Melahat Ü. schon 1986 gegen deren Angehörige. Ein Tatnachweis war aber damals nicht zu erbringen. Doch der Fall ließ der Kriminalpolizei keine Ruhe, sie nahm die Untersuchung 1991 wieder auf und recherchierte mit großem Aufwand im Umfeld der Familie Ü. Doch erst die Möglichkeiten der DNA-Untersuchung mit ihren immer feineren Methoden brachten den Erfolg. Eine Spur an einem Fundstück vom Tatort wurde dem ältesten Bruder zugeordnet. Osman Ü. saß zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis Landsberg, er war 2008 wegen eines anderen Delikts verurteilt worden. Auch Senol Ü. ist kein unbeschriebenes Blatt. Der Kaufmann hat in seinem Lager versucht, ein Lehrmädchen zu missbrauchen, saß neun Monate in Haft.

Alle drei Brüder sollen es dem Schwager besonders verübelt haben, dass er die Beziehung zu seiner Geliebten nach dem Tod seiner Frau fortsetzte und dazu noch eine neue Verbindung mit einer Deutschen eingegangen war, die er angeblich heiraten wollte. Gegen das Trio wird voraussichtlich an zehn Tagen verhandelt.

Sarah List

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