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Sonniger Advent: Bei warmen Temperaturen lassen sich weniger Besucher als vergangenes Jahr den Glühwein auf dem Tollwood schmecken.

Magere Halbzeitbilanz der Christkindlmärkte

Eine allzu staade Zeit

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München - Münchens Christkindlmärkte tun sich in diesem Advent schwer. Bei sonnig-warmem Wetter ist den Betreibern zur Halbzeitbilanz nicht zum jubeln zumute. Zum Markt am Marienplatz kamen 100 000 Besucher weniger als 2014. Sicherheitsbedenken spielen dabei keine offensichtliche Rolle

Dezember – und Temperaturen, die sich anfühlen wie schönster Spätherbst. Bei dem sonnigen Wetter der vergangenen Tage haben sich viele Münchner lieber ein kühles Radler an der Isar gegönnt als einen Glühwein auf dem Christkindlmarkt, auf dem noch keine rechte Adventsstimmung aufkommen will. Entsprechend fällt heuer die Halbzeitbilanz auf den zahlreichen Märkten in der Stadt aus: 1,6 Millionen Besucher kamen in den ersten 15 Tagen zum Christkindlmarkt rund um den Marienplatz, meldet das städtische Wirtschaftsreferat – 100 000 Menschen weniger als im vergangenen Jahr. Ähnlich sieht es beim beliebten Tollwood-Winterfestival auf der Theresienwiese aus: Heuer kamen bisher rund zehn Prozent weniger Besucher als im Vorjahr, 400 000 statt 440 000.

Und ja, das Wetter ist Schuld, da sind sich alle Veranstalter einig. „In der ersten Woche war es sehr stürmisch“, sagt Gabriele Papke vom Referat für Arbeit und Wirtschaft. „Da sind weniger Leute gekommen, und das lässt sich nicht mehr aufholen.“ Sie spricht allerdings von einer „minimalen Abweichung“ im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen würden jedoch von Jahr zu Jahr leicht schwanken.

Tollwood-Sprecherin Christiane Stenzel äußert sich ähnlich: „Am ersten Wochenende sind die Besucher ferngeblieben.“ Man sei stark vom Wetter abhängig. In den vergangenen Tagen habe sich die Besucherzahl aber wieder erholt. „Bei Sonne konsumieren die Besucher bei uns dann halt anders: Caipirinha etwa gibt es bei uns in der heißen und in der kalten Variante.“

Von der Terrorangst, die vor dem Start der Märkte in aller Munde war, sei nichts zu spüren, heißt es. „Direkt nach den Anschlägen in Paris hatten wir viele Sicherheitsanfragen, auch von Besuchern“, sagt Stenzel, „aber das hat sich jetzt gelegt, die Menschen kommen trotzdem.“ Die Polizei „bestreift“ die Märkte laut eigener Aussage vermehrt – „aber alles geht ruhig und friedlich vonstatten“, sagt Sprecher Peter Beck. Es habe ganze sechs Taschendiebstähle gegeben.

Die milden Temperaturen bekommen besonders die Standlbetreiber zu spüren, die klassisch winterliche Ware anbieten. Lieselotte Haas von der Glühweinalm in der Fußgängerzone beispielsweise. Auch sie glaubt, dass es in den vergangenen Wochen einfach etwas zu warm war für heiße Getränke. „Da trinken die Leute dann einen Glühwein, weil es dazu gehört, aber eben nicht mehr.“ Jammern will sie trotzdem ausdrücklich nicht. „Auch im vergangenen Jahr hatten wir ruhigere Tage, aber das hat sich am Ende noch mal gedreht.“

Ähnlich sieht es am Schwabinger Christkindlmarkt aus. Hier verkauft Ulla Hartmann handgemachte Mützen und Handschuhe. Seit elf Jahren kommt sie aus Berlin für den Markt an der Münchner Freiheit in die bayerische Landeshauptstadt. „Dieses Jahr läuft das Geschäft schon zögerlicher“, sagt sie. Warum das so ist, dazu hat sie verschiedene Theorien: „Es könnte damit zu tun haben, dass es mittlerweile immer mehr Weihnachtsmärkte gibt, da verteilen sich die Besucher natürlich.“ Trotzdem glaubt auch sie, dass insbesondere die Temperaturen die Begeisterung der Münchner für wärmende Accessoires dämpfen: „Handschuhe und Mütze laufen natürlich besser, wenn es kalt ist.“

An einem Stand mit saisonal unabhängigem Porzellan und Steingut ein paar Meter weiter, stört man sich dagegen nicht am Sonnenschein: „Zu mir kommen vor allem Stammkunden, die jedes Jahr ihre Weihnachtsgeschenke hier kaufen“ sagt die Verkäuferin. Sie sei auch dieses Jahr „sehr zufrieden“.

Ob ähnliches bald auch die Verkäufer von Glühwein und Co. sagen können, bleibt abzuwarten: Auch am kommenden Wochenende soll es recht warm bleiben in München.

Janina Ventker, Annika Schall

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