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Eine Formel für die Kinderbetreuung

München - Bei der Stadt spricht man vom großen Wurf beim Ausbau von Kitas und Krippen. Die Rede ist von einem Verteilungsschlüssel, mit dem sozial schwache Kinder gefördert und das Angebot aufgestockt werden soll.

Als „angewandte Bildungsgerechtigkeit“ umschreibt Beatrix Zurek, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, die neue Formel, die die diversen Zuschusssysteme ersetzen soll, nach denen die Stadt bisher die Gelder vergibt. Mit der Formel verteilt die Stadt rund 150 Millionen Euro im Jahr - 50 Millionen mehr als zuvor. Dies ist eine freiwillige Leistung zusätzlich zu den Zuschüssen, die die Kommune dem Gesetz nach ohnehin zahlen muss. Morgen liegt die Formel dem Stadtrat zur Abstimmung vor.

Zwei Schwierigkeiten will die Stadt mit dem neuen Instrument begegnen: Zum einen haben Münchner Kinder stark unterschiedliche Bildungschancen. Schlechter gestellt sind oft Kinder in ärmeren Vierteln und aus Migrantenfamilien. Das dokumentiert der Münchner Bildungsbericht. Zum anderen muss die Stadt den gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz erfüllen, der 2013 in Kraft tritt.

Mehr Betreuungsplätze erhofft sich die Stadt vor allem durch Mietzuschüsse. Diese sind einer der acht Faktoren der Formel. Aus den Faktoren errechnet sich die gesamte Fördersumme - ausgehend von dem, was einer Einrichtung als Basissumme durch das Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG) bereits zusteht.

Von der Förderformel profitieren sollen sowohl städtische als auch private und freigemeinnützige Einrichtungen. Die Formel berücksichtigt etwa, ob eine Kita in einer sozial besonders schwachen Umgebung steht. Mit dem zusätzlichen Geld kann sie zum Beispiel Logopäden oder Musiktherapeuten bezahlen. Auch für mehr Öffnungstage gibt es Geld, und um Personalausfälle zu kompensieren. Mit innovativen pädagogischen Ideen können sich Einrichtungen um 10 000 Euro für die Umsetzung bewerben.

Auf die Bildungsschieflage in München sei das eine „richtige Antwort“, lobt Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) den Ansatz. Sie sehe aber Punkte, an denen nachgebessert werden sollte. Die Formel ist ohnehin ein Kompromiss aus verschiedenen Interessen der Stadt, der Wohlfahrtsverbände und von Elternvertretern. Entwickelt hat den Verteilungsschlüssel das Nürnberger Institut für kulturelle und soziale Arbeit (Iska) in den Jahren 2006 bis 2008 - im Auftrag der Stadt, die ihn danach verfeinert hat.

Auch Eltern sollen die Auswirkungen in ihrem Portemonnaie spüren. Sie werden laut Schulreferat um fast 15 Millionen Euro entlastet. Denn mit dem Geldstrom aus der Formel diktiert die Stadt den Krippen und Kitas auch ihre Spielregeln. Das heißt zum Beispiel: Private Träger müssen ihre Gebühren deckeln und dürfen nur maximal 20 Prozent mehr verlangen als die Stadt in ihren Einrichtungen. Ein Dorn im Auge sind der Stadt gewerbliche Krippen, die 1000 Euro und mehr im Monat verlangen. Dort entstehe „ein Markt, der für Mittel- und Geringverdiener nicht bezahlbar ist“, warnt Sozialreferentin Meier.

Wer bald sein Kind acht Stunden täglich in eine Förderformel-Krippe bringt, zahlt maximal 444 Euro. Die Beiträge sind gestaffelt. So ist der Beitrag für Familien mit weniger als 15 000 Euro Einkommen im Jahr frei. Kindergärten wiederum dürfen maximal 240, Horte 190 Euro verlangen. Ab dem dritten Kind entfällt der Beitrag ganz - so handhabt es die Stadt in ihren Kitas jetzt schon.

Im September will die Stadt mit der Förderformel starten. Inwieweit sich nichtstädtische Einrichtungen beteiligen, ist diesen freigestellt. Aber die allermeisten würden 2013 mit im Boot sein, glaubt man bei der Stadt. Denn nur über die Formel gibt es die zusätzlichen Gelder. Bis 2016 soll der Übergang ins neue Fördersystem abgeschlossen sein. Nachahmer könnte die Förderformel bald auch andernorts finden. Aus ganz Deutschland gebe es Anfragen, heißt es.

Von Kolja Kröger

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