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Einsturz von Eislaufhalle - Wassereinbrüche an der Tagesordnung

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Traunstein - Wassereinbrüche in der Eissporthalle von Bad Reichenhall waren schon kurz nach deren Eröffnung in den siebziger Jahren an der Tagesordnung. "Wir haben diese Einbrüche immer wieder moniert", sagte der Betriebsleiter des Gebäudes am Montag als Zeuge im Prozess um den Einsturz der Halle vor dem Landgericht Traunstein aus.

"Man hat immer wieder Flickwerk gemacht." Jeden Sommer habe es bei starkem Regen bis zu fünf Wassereinbrüche gegeben. Am 2. Januar 2006 waren nach tagelangem Schneefall beim Einsturz der Halle 15überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen. Wegen fahrlässiger Tötung müssen sich seit Ende Januar drei Ingenieure und Architekten vor Gericht verantworten.

"Das war ein ständiges Reparieren an den Dachrinnen" sagte der 49 Jahre alte gelernte Elektromeister aus, der seit 1997 Betriebsleiter der Eislauf- und Schwimmhalle war. Auch sein Stellvertreter, der seit 1978 in dem Gebäude beschäftigt war, berichtete bei seiner Zeugenvernehmung von regelmäßigen Wasserschäden. Dies habe den Tennisbetrieb im Sommer beeinträchtigt und schließlich zu dessen Einstellung geführt, sagte der Betriebsleiter weiter aus. Trotz der Berichte an das städtische Bauamt habe die Behörde aber nicht reagiert, berichteten beide Zeugen übereinstimmend. Die Wasserschäden spielen in dem Prozess bei der Suche nach den Schuldigen der Katastrophe eine entscheidende Rolle, weil sich durch Wasser der Leim in den Trägern auflöste und deren Stabilität beeinflusste.

Das Betriebspersonal war lediglich für die Wartung der technischen Anlagen und für Reparaturen bis zu 1500 Euro zuständig, wie die Befragung der Zeugen ergab. "Wir waren nicht für die Sicherheitsüberprüfung zuständig", erläuterte der 49-Jährige. Bei der jeweils im Frühjahr und im Herbst vorgenommenen Wartung der Halle seien zwar Wasserflecken an den Dachträgern festgestellt worden, "aber ich habe nie Auffälligkeiten wahrgenommen", sagte der Betriebsleiter. "Ich hatte auch nicht das fachliche Wissen für eine Überprüfung der Standsicherheit."

Eine zentrale Rolle spielten am Montag im Prozess die Schneemessungen unmittelbar vor dem Einsturz der Halle. Am Tag vor dem Unglück habe die Messung um die 130 Kilo Schnee pro Quadratmeter ergeben, am Tag des Unglücks 166 Kilo. "Das war großzügig gemessen, ich habe darin keinen kritischen Wert gesehen", sagte der Betriebsleiter. Als Obergrenze galten 175 Kilo pro Quadratmeter. Als Konsequenz wurde mit dem Leiter des städtischen Hochbauamtes abgesprochen, die Halle am Katastrophentag nach dem Publikumslauf um 16.00 Uhr zu sperren und das Dach tags darauf von der Schneelast zu räumen. Um 15.55 Uhr stürzte das Dach ein und begrub seine Opfer unter den Trümmern.

Erst am Abend nach dem Unglück erfuhr der Betriebsleiter nach eigenem Bekunden, dass der Wert von 175 Kilo pro Quadratmeter auf einer nie in Kraft gesetzten Statik beruhte und nur maximal 150 Kilo zulässig gewesen wären. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", schilderte der 49-Jährige vor Gericht seine Empfindungen, als er von dem Irrtum erfahren habe.

Der Prozess wird an diesem Donnerstag (24. April) fortgesetzt. Mit einem Urteil der Großen Strafkammer am Landgericht Traunstein ist frühestens Ende Juli zu rechnen.

dpa

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