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Slobodan Vucetic vor dem Urnengrab seines Sohnes in der Krypta auf dem Westfriedhof.

Zu wenig Würde für unsere Toten

Einsturzgefahr: Krypta im Westfriedhof ist ein Sanierungsfall

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München - Die Krypta im Westfriedhof ist seit 15 Jahren eine Baustelle. Ob sich daran zeitnah etwas ändert? Wir sind der Frage nachgegangen.

Unser Leser Slobodan Vucetic (56), Altenpfleger aus München, schrieb uns folgenden Brief: 

Mein Sohn Jovica ist 1992 im Alter von acht Jahren an Leukämie gestorben. Das war kurz nachdem wir als Serben wegen des Krieges aus unserer angestammten Heimat in Kroatien vertrieben wurden. Damals hofften wir, dass wir bald zurückgehen können. Deshalb wollten wir Jovica auch nicht in der Erde bestatten, sondern wählten die Krypta am Westfriedhof, denn von hier aus wäre eine Umbettung leichter möglich. Auf dem Friedhof in unserem Dorf in Kroatien liegen meine Eltern und Großeltern und der ganze Rest der Familie. Nun aber sind wir immer noch hier. Ich arbeite als Krankenpfleger und wir wissen noch nicht, wie es in Zukunft mit uns weitergeht. Ich besuche meinen Sohn jede Woche, seit seinem Tod. Immer wieder erlebe ich dabei den traurigen Zustand der Krypta, seit 15 Jahren ist und bleibt sie eine Baustelle, ohne dass etwas passiert. Meine zwei Töchter kommen sehr ungern hierher, sie finden es zu gruselig – die Stützen, den bröckelnden Putz und die leeren Gräber, die immer offen stehen, statt sie wenigstens mit einer Styroporplatte zu verdecken. Ändert sich das irgendwann? Ich hoffe sehr.

Die tz erkudige sich - und es gibt wenigstens einen Plan

Die Krypta unter der prachtvollen Eingangshalle am Westfriedhof ist seit Jahren ein Pro­blemfall für die Stadt. Denn als festgestellt wurde, dass die Betondecke des Gebäudes von 1898 einsturzgefährdet ist, wurde sie mit Stützen provisorisch abgesichert. „Die Stützen stehen hier seit Jahren, aber sonst passiert anscheinend nichts“, sagt Slobodan Vucetic. 

Die tz erkundigte sich und erfuhr: Inzwischen gibt es immerhin einen Plan für die General­sanierung, sagt Alois Maderspacher von der Stadtverwaltung. Derzeit sei der Projektauftrag in Vorbereitung, danach muss noch einmal der Stadtrat entscheiden und dann endlich könnten die Arbeiten ausgeschrieben werden. Einen genauen Zeitplan kann Maderspacher nicht nennen, er hoffe jedoch, dass im kommenden Jahr mit der Sanierung begonnen werden könne. Angehörige, deren Verstorbene in der Krypta liegen, würden frühzeitig informiert. Als Interimsmaßnahme müssten die Verstorbenen während der Sanierung eventuell in einem Nebengebäude untergebracht werden. Es sei jedoch sichergestellt, dass sie auch dort von ihren Angehörigen besucht werden können. „Ich hoffe, die Stadt packt die Sache sobald wie möglich an, denn an sich ist die Krypta wunderschön, nur eben deutlich sichtbar ein Sanierungsfall und der wunderschönen sonstigen Anlage im Westfriedhof unwürdig“, sagt tz-Leser Slobodan Vucetic.

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