Endlich: Pumuckl-Streit ist beendet

München - Pumuckls Mütter versöhnen sich: Autorin Ellis Kaut und Zeichnerin Barbara von Johnson wollen nach jahrelangen Streitereien das Kriegsbeil begraben. Gut möglich, dass der Kobold bald mit neuen Streichen von sich reden machen wird.

Zwei runde Geburtstage an einem Jahr, das war für die Illustratorin Barbara von Johnson der Anlass, in sich zu gehen. Sie selbst wird dieser Tage 70, und erst vor kurzem durfte sie den 50. Geburtstag von Pumuckl erleben, den sie auch als ihr Kind betrachtet: In einem Wettbewerb, der an der Akademie für das grafische Gewerbe in München ausgeschrieben war, hatte sich von Johnson, damals 21, durchgesetzt. Sie hatte von Pumuckl-Autorin Ellis Kaut den Auftrag erhalten, dem kleinen, bis dahin nur als Hörspiel-Figur existierenden Klabautermann eine Gestalt zu geben. Bis 1978 illustrierte sie in der Folge zehn Pumuckl-Bücher und 33 Schallplattenhüllen. Doch die Rechte an dieser Figur, so sagt sie rückblickend, seien bei Pumuckls Geburt „einfach nicht geregelt worden. Daran hatte in der Freude über das neu Entstandene keiner gedacht.“

Möglicherweise deswegen hat Pumuckl später neben seiner zeichnerischen Mutter von Johnson noch einen Vater bekommen: Ins Fernsehen, wo er an der Seite von Gustl Bayrhammer als Meister Eder Karriere machte, kam der Kobold in einer leicht abgeänderten Fassung, für die Ellis Kauts Schwiegersohn Brian Bagnall verantwortlich zeichnete.

Das löste eine lange währende Fehde in Pumuckls Familie aus: Barbara von Johnson machte auch an der neuen Figur ein Urheberrecht geltend und zog vor Gericht. Jahrelang fetzten sich die beiden Kobold-Mütter quer durch die Instanzen. Die Familie schien zerrüttet, auch dann noch, als das Oberlandesgericht München 2006 Johnson Recht gab. Ein zweiter Streit ließ nicht lange auf sich warten. Diesmal wehrte sich Kaut gegen einen Malwettbewerb, in dem von Johnson Kinder aufgerufen hatte, eine Freundin für Pumuckl zu zeichnen. „Eine Geschmacklosigkeit! „Gespenster heiraten nicht“, zürnte Autorin Kaut. Doch abermals musste sie sich vor Gericht der Mit-Mutter geschlagen geben.

Barbara von Johnson hat den Mütter-Streit einmal humorvoll kommentiert: In einer Zeichnung exklusiv für diese Zeitung stellte sie sich und Ellis Kaut als Furien dar, die mit Handtaschen aufeinander eindreschen – vor den Augen des hilflosen Pumuckl, der zwischen beiden steht und nicht weiß, wie ihm geschieht.

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Vielleicht hat eine gewisse Altersweisheit nun den Blick vom Urheberrecht auf den kleinen, zwischen zwei Müttern hin- und hergerissenen Pumuckl gelenkt. Auf jeden Fall streckt Barbara von Johnson nun die Hand zur Versöhnung aus. Anlässlich ihres 70. Geburtstags „und zu Ehren von Pumuckl“ hat sie Ellis Kauts Tochter Uschi Bagnall – in Vertretung der Autorin selbst, die sich aus Gesundheitsgründen zurückgezogen hat und sich der Öffentlichkeit nicht mehr gewachsen fühlt – in ihr Atelier eingeladen. Auch Armin Krattenbacher vom Pumuckl-Museum in Ohlstadt soll dabei sein.

Eine echte Versöhnungsfeier soll es werden, bestätigt Uschi Bagnall. „Wir haben uns ausgesprochen und gut verstanden und wollen dem Pumuckl wieder auf die Beine helfen.“ Auch ihr Mann Brian sei einverstanden, ergänzt Bagnall. „Es gibt keine Probleme, die sich nicht lösen lassen.“

Und womöglich könnte klingende Münze den Willen zum Frieden befördern. Seit Jahren hat die große Pumuckl-Gemeinde nichts Neues von ihrem kleinen Helden gesehen oder gehört. Ein neues Buch, eine Fortsetzung der Hörspiel- und TV-Reihe scheinen überfällig. „Es gibt Anfragen“, verrät Uschi Bagnall. Genaueres will sie derzeit nicht verraten, denn alles stecke noch in den Anfängen, und das Geflecht der Rechte und Zuständigkeiten sei kompliziert. „Aber wir wollen versuchen, etwas voranzubringen. Eventuell auch mit neuen Geschichten vom Pumuckl."

Von Peter T. Schmidt

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