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Beatrix Zurek stand Rede und Antwort zu Problemen in städtischen Schulen.  

Erster Dialog zu Problemen in städtischen Schulen

Die Stadtschulrätin lädt zum Elternsprechtag

München - Dreckige Schultoiletten, fehlende Kita-Plätze und Baustellen im Pausenhof: Beim Elterndialog mit Stadtschulrätin Beatrix Zurek im Bildungsreferat konnten Eltern ihre Sorgen zum ersten Mal direkt mit den Zuständigen besprechen.

Um es kurz zu machen: Die Schultoiletten stinken zum Himmel. „Mein Sohn hat seine Blase so trainiert, dass er während seiner ganzen Schulzeit nicht ein einziges Mal in der Schule auf die Toilette gehen musste“, erzählt eine Mutter. So eklig seien die Toiletten in dem städtischen Gymnasium gewesen. Vertreter des Elternbeirats der Moosacher Dieselschule beschweren sich, dass auch nach jahrelangem Kampf und verschiedenen Gesprächen der Zustand der Toiletten sich kaum verbessert habe.

Es ist das dringlichste Problem an diesem Montagabend. Dreieinhalb Stunden hat sich Beatrix Zurek (SPD) Zeit genommen. Eine ganze Mannschaft an Experten aus ihrem Referat hat die Stadtschulrätin mitgebracht. Erstmals hat sie zum Elterndialog geladen: Eltern aus ganz München können ihre Sorgen von der Kita bis zum Gymnasium persönlich vortragen. 25 Eltern und ihre Anliegen wurden für diese erste Ausgabe des neuen Formats ausgelost.

In Sachen Toiletten kann die Antwort von Zureks Fachleuten nicht ganz befriedigen: Solange bei älteren Gebäuden nicht feststehe, wann sie im Schulbauprogramm berücksichtigt werden, solange also nicht entschieden sei, ob sie saniert oder umgebaut werden, würden auch die veralteten Sanitäranlagen nicht aufwändig saniert. Vielmehr suche man nach Übergangslösungen. So installiere man Gitter vor den Fenstern, um gefahrlos lüften zu können, oder spüle die alten Rohre regelmäßig.

Eine große Sorge der Eltern sind die mangelnden Plätze in städtischen Kindertagesstätten und Horten. Die Vergabe der Plätze sei intransparent und schlecht organisiert – man bekomme erst im Juli Bescheid, dass man für September keinen Platz bekommen werde, berichtet eine Mutter. Dass das Einkommen bei der Platzvergabe keine Rolle spiele, sei ungerecht, weil Geringverdiener sich keinen alternativen Platz in einer Privat-Kita leisten könnten. Ein Elternteil müsse dann zwangsläufig aufhören zu arbeiten. „Das ist Diskriminierung von Geringverdienern und Frauen“, sagt eine betroffene Mutter. Auch der „Kitafinder“, eine Software, die die Online-Anmeldung ermöglicht, erntet herbe Kritik.

„Die beste Optimierung für den Kitafinder sind genügend Plätze“, sagt Schulrätin Zurek. In einer Stadt wie München sei es aber schwierig, Grundstücke zu finden, die für Tagesstätten geeignet sind. Dennoch gebe es Plätze für 40 Prozent der Kinder von null bis drei Jahren: „Es sieht nicht duster aus“, sagt Zurek. Bei den Plätzen im Hort und in der Mittagsbetreuung müsse man langfristig abwarten, ob sich die Ganztagesmodelle durchsetzten oder die Grundschule weiterhin eine Halbtagsschule bleibe. Im Moment werde an jede neue Grundschule ein Tagesheim angeschlossen, man sei bestrebt, das Ganztagesangebot auszubauen und Hortplätze zu sichern. Doch Angebot und Nachfrage aufeinander abzustimmen, sei nicht immer einfach. So seien im letzten Jahr drei Ganztageszüge nicht zustande gekommen – weil die Eltern kein Interesse hatten.

Ob „Wir werden das beim nächsten Treffen mit dem Baureferat in aller Deutlichkeit ansprechen“ oder „Da sollten sie sich persönlich bei unserer Fachstelle beraten lassen“ – die Mannschaft aus dem Referat hat für jedes Anliegen eine Antwort. Das Bildungsreferat sei ein „Dienstleister für Familien“, sagt Zurek – und in diesem Geist findet der Elterndialog statt: Es ist kein Aufeinanderprallen von Betroffenen und Verwaltung, sondern lösungsorientierter Austausch. Die Eltern hören sich mit Geduld und Empathie auch die Sorgen der anderen an, man gibt sich gegenseitig Tipps. Nur ein, zwei Mal machen einige mit Szenenapplaus ihrem Ärger Luft. Vor allem aber dringt durch: Das sind keine überbesorgten Helikoptereltern, sondern Frauen, die nicht arbeiten können, weil ihr Sohn keinen Kita-Platz bekommen hat, oder Eltern, deren Kinder berichten, sie seien auf dem Pausenhof beinahe von einem rückwärtsfahrenden Lkw überrollt worden.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Abends lautet wie so oft: Die Kommunikation ist entscheidend. Viele Eltern wären deutlich zufriedener, wenn sie besser informiert wären – auch über Zwischenstände und aktuelle Planungen, nicht erst über das Endergebnis. Eine Anregung, die Schulrätin Zurek gerne mitnimmt. Elterndialoge sollen nun regelmäßig stattfinden.

Judith Issig

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