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Repräsentativer Firmensitz: Die Zentrale von Eon Energie in der Brienner Straße in München schließt Ende Juni. Der Energieriese sucht derzeit einen Käufer oder Mieter für den großzügigen Bürokomplex.

Die letzten Tage von Eon Energie in München

München - Leere Flure, dunkle Büros und eine verwaiste Cafeteria - die Zentrale von Eon Energie an der Münchner Brienner Straße wirkt bereits seit Tagen ausgestorben. Ende des Monats schließt Eon seine Tochter in München.

Knapp 400 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die meisten haben längst ihren Schreibtisch geräumt. Zu den letzten Mitarbeitern im Haus gehört Betriebsrat Martin Cegla.

„Es ist schon eine seltsame Stimmung“, sagt Cegla. Über Monate kämpfte der Betriebsrat für den Erhalt der Münchner Zentrale - vergeblich. Eon-Chef Johannes Teyssen ließ sich von seinem radikalen Sparprogramm nicht abbringen. 11 000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, davon 6000 in Deutschland. Auch die Zentrale von Eon Energie in München trifft es - bisher zuständig für das Deutschland-Geschäft - dieses soll künftig aus Essen gesteuert werden.

Der Widerstand gegen den Stellenabbau hat sich dennoch gelohnt. Konzern und Betriebsrat einigten sich auf Abfindungen und die Einrichtung einer Qualifizierungsgesellschaft. Wer bisher keinen neuen Job gefunden hat, steht am Montag nicht auf der Straße. Die Betroffenen wechseln für maximal 24 Monate in eine interne Qualifizierungsgesellschaft. Sie bleiben damit Eon-Mitarbeiter und bekommen weiterhin ihr Gehalt.

Was bedeutet dies jedoch für die Mitarbeiter? „Jeder bekommt einen Betreuer“, sagt Cegla. Ziel sei es, im Unternehmen oder außerhalb einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Allerdings gibt es klare Grenzen: Mehr als 60 Kilometer muss niemand für einen neuen Job pendeln. Finden die Betroffenen innerhalb von 24 Monaten keinen neuen Arbeitsplatz, wechseln sie in eine Transfergesellschaft. Für weitere zwölf Monate gibt es dann nur noch das Kurzarbeitergeld, das Eon auf 80 Prozent des Gehaltes aufstockt.

Der Sozialplan verschafft den Mitarbeiten etwas Luft - doch die wenigsten sehen darin eine Perspektive. Gerade die jüngeren Mitarbeiter haben sich daher für die Abfindung entschieden. Ein Wechsel nach Essen - das Angebot hat dagegen kaum jemand genutzt.

Trotz der Schließung der Zentrale von Eon Energie - Betriebsrat Cegla behält erstmal seinen Schreibtisch. Zu Eon Energie gehören verschiedene Serviceeinheiten, die für den Konzern die Buchhaltung und die Personalverwaltung übernehmen. In der Brienner Straße sind es rund 50 Mitarbeiter, in Landshut rund 20 und in Regensburg etwa 350 Beschäftigte. Auch ihre Jobs sind bedroht. Künftig sollen die Serviceeinheiten massiv verkleinert und an zwei Standorten gebündelt werden - in Berlin und im rumänischen Cluj. Die Kleinstadt sorgte 2008 bundesweit für Schlagzeilen, als der Handy-Riese Nokia sein Werk in Bochum zusperrte und nach Rumänien verlagerte. Inzwischen ist die Fabrik in Cluj längst wieder geschlossen.

Mit dem Prachtgebäude an der Brienner Straße wollte der Energieriese einst Stärke ausstrahlen. Was mit dem 25 000 Quadratmeter großen Bürokomplex passiert, wenn Ende September die letzten Mitarbeiter ausziehen, ist noch ungewiss. Sowohl ein Verkauf als auch eine Vermietung würden geprüft, so ein Konzernsprecher.

Die einstigen Beschäftigten interessiert das nicht mehr. Vor knapp zwei Wochen trafen sie sich noch einmal zu einem Abschiedsfest. „Die Stimmung war gut, obwohl viele noch nicht wissen, wie es weitergeht“, sagt Cegla und in seiner Stimme klingt Wehmut mit: „Viele Kollegen hat man vermutlich das letzte Mal gesehen.“

Von Steffen Habit

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