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Nur Marihuana hilft ihm gegen die Schmerzen: Roman U. (53).

Roman kann seine Wohnung nicht mehr verlassen

Er kifft gegen die Schmerzen - droht ihm deswegen ein Prozess?

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München - Roman U. hilft nur eines gegen seine chronischen Schmerzen: Marihuana. Und genau deshalb muss der schwerbehinderte Rentner nun vielleicht vor Gericht.

Diese Schmerzen! Roman U. (53) liegt in seinem Bett und windet sich. Nach einer OP kann er nicht sitzen. Schlecht schlafen – und seine Glieder zittern. Ihm hilft nur eines: Marihuana. Aber genau deshalb muss der schwerbehinderte Rentner vielleicht vor Gericht.

Es ist die Geschichte eines schweren Schicksals. Schon als Kind ist Roman U. nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Eine Wäscheschleuder reißt ihm den Arm ab, als er fünf Jahre alt ist, mit dem Rücken prallt er auf die Badewannenkante. Mit 26 wird U. Rentner. Und ist bis heute bettlägerig. Etliche Male müssen Ärzte ihn operieren, weil er unter chronischen Analfisteln leidet. „Seit sieben Jahren konnte ich meine Wohnung nicht mehr verlassen“, sagt U. Rund um die Uhr betreuen ihn Pfleger. Gegen die Wund- und Nervenschmerzen können auch sie nichts tun. „Mir helfen nur die Joints“, sagt er.

Raucht U. nicht, fängt sein Körper an zu schwitzen, und die Nervenbahnen brennen. Er verliert den Appetit, die Konzentration versagt. „Andere Schmerztherapien haben mir nicht geholfen oder wurden nicht bewilligt. Mit blieb nur das Kiffen.“ Aber eine staatliche Erlaubnis hat er nicht – darin sieht die Justiz ein Problem. Im Januar 2014 klingelte die Polizei bei U. an der Wohnungstüre des 53-Jährigen. Nach einem Einsatz in der Nähe hatten sie durch Zufall das Gras gerochen. „Plötzlich standen acht Beamte in meinem Zimmer.“ Sie fanden 430 Gramm sowie zwölf Anbau-Pflanzen. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft.

„Dem Angeklagten liegt der unerlaubte Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu Last. Das Verfahren ist bei Gericht anhängig“, sagt Sprecher Florian Weinzierl. Die Behörde sei gesetzlich zu den Ermittlungen verpflichtet – auch wenn der Fall so bitter liegt wie bei dem 53-jährigen Roman U. Der sieht sich als Patient – nicht als Verbrecher. „Es ist absurd, dass ich strafrechtlich verfolgt werde.“

Tatsächlich könnte es demnächst aber zu einem Prozess kommen. Liegend im Krankenbett, müsste U. dann in den Verhandlungssaal geschoben werden – so wie einst Kriegsverbrecher John Demjanjuk. Nach spätestens 45 Minuten müsste ein Pfleger ihn drehen. „Das wäre eine Tortur“, sagt U. „Unwürdig für mein Dasein.“

Eventuell müsste die Feuerwehr beim Transport mithelfen. Eine konkrete Lösung gibt es bisher nicht.

Aber vielleicht existieren aber auch juristische Auswege: zum Beispiel eine Ausnahme-Genehmigung für den 53-Jährigen. Diese stellte die Bundesopiumstelle selten aus, obwohl die therapeutische Wirksamkeit in vielen Fällen bewiesen ist. „Leider können die äußerst strengen Voraussetzungen für den Anbau kaum erfüllt werden“, sagt Rechtsanwalt Franz Erlmeier.

Er hält es für „unerträglich“, wenn Roman U. der Prozess gemacht würde. Ende November besprechen sich die Beteiligten. Roman U. hofft dagegen auf eine Einstellung. Er weiß: Er braucht die Joints gegen die Schmerzen.

Andreas Thieme

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