Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund

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Achmed zeigt seinen Pass (re.). Von Budapest hatte er Flüchtlinge nach Bayern gefahren.

Achmed O. verurteilt

Er schleuste Syrer nach Bayern - und bekam 600 Euro pro Person

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München - Ein Jahr und zehn Monate Haft – aber auf Bewährung. Am Ende hat Achmed O. (25, Name geändert) noch Glück gehabt.

Es ist die Geschichte von falschen Versprechen und geplatzten Träumen. „Ich habe alle vier Fälle gestanden, die ich in kurzer Zeit begangen habe“, sagt Achmed. In der tz gibt er Einblicke in die Schleuser-Szene – und schließt mit seinem alten Leben ab.

„In Rosenheim wurde ich von der Bundespolizei erwischt“, sagt er. „Mit zwei Syrern im Auto. Zwei waren Medizin-Studenten, die in Bayern an die Uni wollen.“ Sie hatten keine Papiere, aber große Träume: Ein Leben in Freiheit und Sicherheit. Von Budapest aus sollte der Schlepper sie an die deutsche Grenze bringen. Der Lohn: 600 Euro. Pro Passagier.

„Sie saßen ganz normal auf den Sitzen neben und hinter mir“, sagt Achmed. „Ich habe diese Menschen nicht unwürdig behandelt. Sie sind vor dem Krieg geflohen – so wie ich selbst früher.“

Im Januar 2001 kommt Achmed nach Deutschland, lebt fortan in Aachen. Macht sein Fach-Abi und arbeitet bei der Post. „Ursprünglich wollte ich den Flüchtlingen nur helfen“, sagt er. Aber die Fahrten sind auch ein lukratives Geschäft. „Man muss Geld haben, wenn man nach Deutschland will. Ich habe einige gesehen, die hatten bündelweise Scheine in der Tasche“, sagt Achmed. „Ich bin früher auch durch Leute wie mich nach Deutschland gekommen.“

„Ich bereue nicht, was ich getan habe“

Die Flüchtlinge, die er transportierte, kannte Achmed vorher nicht. „Sie wurden mir zugewiesen, man lernt sich erst auf der Fahrt kennen.“ Gezahlt wurde nach der Lieferung. „Es gab verschiedene Routen: Nach München, Passau, Freilassing oder Bad Reichenhall.“ Zunächst muss der Schlepper die Strecke einmal alleine abfahren, um auch die Kontrollen abzuchecken. „Der Plan war, dass ich die Leute zur Grenze bringe und sie von dort aus selbst weitergehen.“ Am Ende war die Bundespolizei aber schlauer und verhaftete ihn.

„Ich bereue nicht, was ich getan habe“, sagt er. „Ich bin nicht der einzige Fahrer gewesen, es gibt viele andere. Wir wurden alle erwischt. Ich zuerst. Die anderen später.“ Aber Achmed wollte niemanden verraten – und nahm dafür auch ein Jahr Untersuchungshaft auf sich. Erst als auch seine Komplizen im Gefängnis waren, habe er alles gestanden und kam deshalb schon vor dem Prozess wieder frei – so wie auch ein Bandenmitglied. Für beide gelten nach dem Urteil strenge Auflagen: Achmed darf das Land nicht verlassen und muss sich jede Woche bei der Polizei melden. Den dritten Täter verurteilte Richter Gilvert Wolf zu dreieinhalb Jahren Haft.

Achmed will jetzt bei einer Sicherheitsfirma arbeiten. „Wenn auch nur ein Mensch durch mich zu Schaden gekommen wäre“, sagt er, „dann wäre ich freiwillig ins Gefängnis gegangen.“ 

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