Hans-Rüdiger Minow Vorstandssprecher desVereins „Zug der Erinnerung“

"Zug der Erinnerung“ fühlt sich von Bahn schikaniert

München - Das Bahnhof-Mangament entfernt Hinweisschilder und schickt bewaffnete Sicherheitsleute zur Patrouille auf dem Bahngleis des "Zuges der Erinnerung".

Die Initiatoren des „Zuges der Erinnerung“ fühlen sich von der Deutschen Bahn schikaniert. Der Zug, mit dem der Deportation und Ermordung hunderttausender Kinder und Jugendlicher durch die Nationalsozialisten gedacht wird, macht zur Zeit in München Station. Der Trägerverein wirft der Bahn nun vor, mit einer Reihe von Maßnahmen den Zug „gezielt von der Öffentlichkeit abzuschirmen“.

Schon bei der Eröffnung der Ausstellung am Montag hatten Zeitzeugen und Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) kritisiert, dass die Bahn das Projekt nicht unterstützt und Gebühren für die Nutzung der Gleise und Bahnhöfe verlangt. Kurz nach der Eröffnung habe der Bahnhofsmanager die am Gleis aufgehängte Rechnung für die Bahnhofsnutzung heruntergerissen, sagte der Vereinsvorsitzende Hans-Rüdiger Minow.

Auch die Zugzielanzeige über dem Bahnsteig sei gelöscht worden. Einige Stunden später habe ein Mitarbeiter bemerkt, dass die Aufsteller, mit denen auf den Zug hingewiesen wird, verschwunden waren. Als der Verein bei der Bundespolizei Anzeige wegen Diebstahls erstatten wollte, stellte sich heraus, dass die Aufsteller vom Bahnhofsmanagement beschlagnahmt worden waren. Die Hinweisschilder hätten den Brandschutzbestimmungen widersprochen, sagte ein Bahnsprecher. „Der Bahnhof ist voll von Geräten und Gegenständen, die auch nicht beschlagnahmt werden“, sagte Minow. Die Bahn habe inzwischen angeboten, in einigen Glasvitrinen Platz für Plakate des Zuges frei zu machen, betonte der Bahnsprecher.

Ebenfalls am Montagnachmittag seien zwei Personen mit Jacken, auf denen „Katastrophenschutz“ gestanden habe, zum „Zug der Erinnerung“ gekommen und hätten „wegen fünf Tropfen Öl auf dem Gleis eine Katastrophe gewittert“, sagte Minow. Sie hätten deshalb Löschmittel in das Gleis und das Gestänge der Lokomotive gestreut. „Wir haben jetzt sprichwörtlich Sand im Getriebe.“

Die Bahn habe zudem fünf „bewaffnete, martialisch wirkende Sicherheitskräfte geschickt, die am Bahnsteig patrouillierten“. Dieses Auftreten habe die Besucher der Ausstellung verunsichert. Der Bahnsprecher sagte, es sei „ganz normal“, dass bei Veranstaltungen Sicherheitspersonal vor Ort sei. Eine Drohung gegen den Zug habe es aber nicht gegeben, räumte er ein. „Wir bedauern, dass es zu Irritationen gekommen ist“, sagte der Sprecher.

Minow will von Missverständnissen nichts wissen. „Die Leute, die das zu verantworten haben, wissen genau was sie tun“, sagte der Vereinsvorstand. Er wolle sich aber nicht provozieren lassen. Auch in anderen Städten habe es bereits Behinderungen durch die Bahn gegeben. „Die Aktionen der Bahn AG sind dazu da, uns von der Öffentlichkeit abzuschirmen“, erklärte Minow. „Die Münchner stimmen glücklicherweise mit den Füßen ab.“ Bis zu 10 000 Besucher werden in der Ausstellung erwartet, die noch bis Sonntag auf Gleis 35 im Hauptbahnhof täglich von 8.30 bis 19 Uhr zu sehen ist.

Philipp Vetter

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