+
Wieder vor Gericht: Erpresser Thomas S.

Landgericht

Hoeneß-Erpresser kommt vor Hoeneß-Richter

München - Der BGH hat das Urteil gegen Thomas S. ans Landgericht zurückverwiesen - nun muss der Richter eine gerechte Strafe finden.

Hoeneß, Haft, Erpressung und kein Ende: Am kommenden Mittwoch, 2. September, gibt es ein weiteres Gerichtskapitel aus der Akte Hoeneß. Zum zweiten Mal sitzt dessen Erpresser Thomas S. (52) auf der Anklagebank des Landgerichts München II. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sein Urteil, drei Jahre und neun Monate Haft, aufgehoben. Zu viel, sagten Deutschlands oberste Richter. Hoeneß selber war neun Monate zuvor, im März 2014, wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt kommt sein Erpresser zum selben Richter.

Das ist pikant, aber kein Zufall. Laut Geschäftsverteilung gelangen vom BGH zurückverwiesene Prozesse der 2. Strafkammer zur 5. Strafkammer. Und dessen Vorsitzender ist nun einmal Rupert Heindl. Kurz bevor Uli Hoeneß im Mai 2014 seine Haftstrafe antrat, erhielt seine Frau Susanne einen Drohbrief von einem gewissen „Mister X“. Dieser behauptete, gute Kontakte ins Gefängnis zu haben.

Er drohte Hoeneß mit einem unruhigen Haftverlauf. „Es fällt Ihnen sicherlich nicht schwer, sich von 215 00 Euro zu trennen“, hieß es in dem Brief und weiter: „Das ist eine einmalige Zahlung. Ich denke, Sie wollen Schaden von Ihrer Familie abwenden.“ Der Brief war für die Familie in der ohnehin schweren Zeit eine große Belastung. Sie gingen auf die Forderungen ein, allerdings nur zum Schein. Thomas S. hatte als Übergabeort eine Bushaltestelle im Münchner Süden gewählt. In einem Mülleimer wurde eine Tasche mit falschen Geldscheinen versteckt. Als der 52-Jährige die Tüte herausfischte und mit dem Radl türmen wollte, stürzte er. Polizeibeamte nahmen ihn fest. Er sei verzweifelt gewesen, überschuldet und schwer zuckerkrank, erklärte sein Verteidiger vor Gericht. Die Erpressung sei eine Spontan-Tat gewesen.

Der damalige Richter Oliver Ottmann hielt dem Angeklagten jedoch vor, er habe „kriminelle Energie“ an den Tag gelegt – unter anderem, weil er Handschuhe trug, um keine Spuren zu hinterlassen. Der BGH rügte diese Einschätzung. Thomas S. dürfe nicht zur Last gelegt werden, dass er „seine Überführung erschwerte“, hieß es. An Rupert Heindl liegt es nun, eine gerechte Strafe zu finden. Sein Landgerichts-Kollege Oliver Ottmann hatte im ersten Prozess erklärt, die Fälle ließen sich nicht vergleichen.

Angela Walser

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aufatmen in München: Nach Corona-Lockdown gelten ab heute neue Regeln - nicht nur für Eltern und Gastronomen
Das Wochenende in München stand im Zeichen schrittweiser Lockerungen nach dem Corona-Lockdown. Ab dem heutigen Montag können nicht nur Eltern und ihre Kinder dank …
Aufatmen in München: Nach Corona-Lockdown gelten ab heute neue Regeln - nicht nur für Eltern und Gastronomen
Coronavirus in München: Neue Details zur Dunkelziffer-Studie - Reproduktionszahl überrascht
Wie viele Personen haben sich in München tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert? Das soll nun eine Studie herausfinden. 
Coronavirus in München: Neue Details zur Dunkelziffer-Studie - Reproduktionszahl überrascht
Bedenkliche Szenen am Vatertag? TV-Star fällt vom Glauben ab, als er an der Isar vorbeikommt
Größere Exzesse am Vatertag blieben in München offenbar aus. Ein TV-Star hat nun von einem eher unerfreulichen Isar-Besuch berichtet.
Bedenkliche Szenen am Vatertag? TV-Star fällt vom Glauben ab, als er an der Isar vorbeikommt
„Leute werden wohl Abstand halten“: Münchnerin mit „heiklem“ Mundschutz in der Tram
Wollte sie sich andere Fahrgäste vom Leib halten? Eine Frau war in München mit einem ungewöhnlichen Mundschutz unterwegs.
„Leute werden wohl Abstand halten“: Münchnerin mit „heiklem“ Mundschutz in der Tram

Kommentare