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Mit sechs Jahren Gefängnis bestrafte das Gericht Simon K. (links, Name geändert) für seine Taten. Fünf Jahre Haft bekam Marco Z. (rechts, Name geändert) von der Jugendkammer des Landgerichts.

"Erschreckende Gleichgültigkeit"

Koch gefoltert: Lange Haftstrafen für beide Täter

München - Zwei Männer, die einen Koch gefoltert haben, wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Staatsanwältin sprach von einer erschreckenden Gleichgültigkeit, mit der die beiden Täter vorgegangen seien.

Am Ende eines langen Prozesstages beginnt die Staatsanwältin ihr Plädoyer mit einer Erinnerung. Ein Sachbearbeiter der Polizei habe sie eines Morgens angerufen und von einer Tat berichtet, die an Grausamkeit und Kaltblütigkeit nicht zu überbieten sei, verübt von zwei jungen Männern. Simon K. und Marco Z. (Namen geändert) hatten in der Nacht des 3. Dezember 2012 in der Schillerstraße einen Koch in ihre Gewalt gebracht, ihn massiv bedroht, geschlagen, gedemütigt und in seiner eigenen Wohnung mit einem Bügeleisen gefoltert. Gestern verurteilte die Jugendkammer des Landgerichts die beiden jungen Männer aus Wolfratshausen für diese Tat und zwei weitere Fälle: Simon K. muss sechs Jahre in Haft, Marco Z. fünf Jahre - wegen erpresserischen Menschenraubs, schwerer und besonders schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Mit dem Urteil folgt die Kammer weitgehend dem Antrag der Staatsanwältin, die vor allem das Verhalten der Komplizen nach den grausamen Stunden mit dem Koch hervorhob: „Das war eine Gleichgültigkeit, die jeden erschreckt, berührt und verwundert hat.“ Zwar hatten sich die Angeklagten bei den Opfern entschuldigt und auch in ihrem Schlusswort noch einmal Bedauern bekundet, doch dass es ihnen deutlich an Empathie mangelt, wurde im Laufe des Prozesses mehrfach erwähnt und nicht einmal von den drei Verteidigern ernsthaft angezweifelt. Sie hatten jeweils weniger als fünf Jahre Gefängnis für ihre Mandanten gefordert.

Das Gericht hat bei beiden nach dem Maßstab des Jugendrechts geurteilt. Marco Z. war ohnehin erst 17, als er die betreffenden Taten verübte, Simon K. jedoch war schon 20. Bei ihm wurden Reifeverzögerungen berücksichtigt, die der psychiatrische Gutachter festgestellt hatte. Er attestierte den Angeklagten eine „ausgeprägte Störung des Sozialverhaltens“. Zum jeweiligen Tatzeitpunkt hatten sie Alkohol getrunken, ein Faktor, den das Duo immer wieder zur Entschuldigung heranzog. Die Sachverständigen erklärten hingegen, dass der Alkohol zwar bei den Vorfällen durchaus eine Rolle gespielt habe, sich aber nicht schuldmindernd auswirke.

Marco Z. bekam ein Jahr weniger als sein Freund, weil er, wie es seine Anwältin ausdrückte, „ein bisschen untergeordnet“ war. Die jungen Männer hatten sich vor drei Jahren über eine Bekannte kennengelernt, hingen zusammen herum, tranken viel, nahmen Drogen. Sie sind einschlägig vorbestraft, was die Staatsanwältin ihnen im Plädoyer zur Last legte. Sie stammen aus schwierigen Familienverhältnissen, die beiden Mütter waren mit der Erziehung der Jungen überfordert, erste Schritte in Richtung Ausbildung und Beruf scheiterten.

Bei der Tat vom 3. Dezember fiel besonders ins Gewicht, dass Simon K. und Marco Z. planmäßig vorgingen. Sie hatten schon vor der Fahrt nach München ihre Messer eingepackt und achteten darauf, während des Zusammenseins mit dem Koch niemandem aufzufallen. Mit dem Urteil geht ein Verfahren zu Ende, das bei allen Beteiligten großes Entsetzen hinterlassen hat.

Michaela Kakuk

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