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Zur falschen Zeit schob Juan Bayona Garcia sein Radl in die S-Bahn – unter den Augen der Kontrolleure. Kaum war die Tür zu, hieß es: Sperrzeit, das kostet 40 Euro.

Mann wittert Abzocke

Von S-Bahn-Kontrolleuren in die Falle gelockt?

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München - 40 Euro soll Juan Bayona Garcia zahlen, weil er zur falschen Zeit mit dem Radl in die S-Bahn gestiegen ist. Was ihn empört: Er fühlt sich von Kontrolleuren regelrecht in die Falle gelockt.

„Die haben mich einfach ins offene Messer laufen lassen!“ Juan Bayona Garcia, 34, ist immer noch empört, wenn er erzählt, was sich am Freitag gegen 17 Uhr zugetragen hat: Es war immer noch heiß an diesem Abend, als er mit seinem Mountain-Bike von der Wohnung in Ramersdorf nach Höhenkirchen fahren wollte. „Deswegen habe ich beschlossen, in Perlach in die S-Bahn zu steigen“, berichtet er. Vorschriftsmäßig löste er für 2,50 Euro eine Radl-Karte und suchte ein Abteil mit dem Radl-Symbol. Was er nicht wusste: Von 16 bis 18 Uhr sind Radl in der S-Bahn verboten (siehe Hinweis am Ende des Berichts).

Mit reinem Gewissen stieg der Freizeitradler in den Waggon, in dem gut erkennbar Kontrolleure bei der Arbeit waren. Mehrere Damen seien es gewesen, teils uniformiert, teils zivil, sagt Bayona. „Das war offenbar eine Ausbildungsgruppe.“ Die Kontrolleurinnen hätten ihn zweifellos wahrgenommen. „Eine hat mir sogar noch Platz gemacht.“ Er habe sein Radl problemlos und von den Kontrolleurinnen unbehelligt an dem vorgesehenen Platz im Abteil abstellen können. Dann, als der Zug losfuhr, wurden die Damen amtlich: „Fahrradsperrzeit“, 40 Euro „Fahrpreisnacherhebung“. Bayonas Protest stieß auf taube Ohren, weshalb er am Montag seinen Widerspruch schriftlich an die Einspruchstelle der Bahn schickte.

Kein S-Bahn-Verkehr auf der Stammstrecke

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„Wenn das anders gelaufen wäre, fände ich 40 Euro zwar auch ganz schön heftig, aber ich würde das eben zahlen, als Lehrgeld abbuchen und möglichst schnell vergessen“, sagt Bayona. „Aber zuzusehen, wie ich das Fahrrad an seinen Platz bringe und dann die Schlinge zuzuziehen, das geht einfach nicht!“

Als Honorarberater einer Bank kann Bayona die 40 Euro verschmerzen – „auch wenn ich sie lieber in einem Biergarten ausgegeben hätte“, wie er sagt. „Aber die Art und Weise, wie man mich einfach in die Falle tappen lässt, halte ich für inakzeptabel. Wenn eine der Damen mir gesagt hätte, dass ich um die Zeit nicht mit dem Radl in den Zug darf, wäre ich ja sofort wieder ausgestiegen.“ Mit seiner Beschwerde wolle er auch das Problembewusstsein bei der Bahn schärfen. „So etwas passiert bestimmt auch Leuten, denen 40 Euro richtig weh tun.“

„So etwas darf nicht passieren“, sagt auch Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste. „Wir bekommen laufend Fälle, wo es bei Kontrollen Ungereimtheiten gibt.“ Noch häufiger als bei der Bahn ließen Kontrolleure bei der MVG jegliches Augenmaß vermissen. Nagel würde es „grundsätzlich begrüßen, wenn es beim MVV eine übergeordnete Instanz gäbe“, die in strittigen Fällen eingreift.

Auch bei der Münchner Polizei stößt Bayonas Schilderung auf Erstaunen. „Bei uns geht Prävention vor Verfolgung“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Polizisten und Politessen seien gehalten, Verstöße im Vorfeld zu unterbinden, wo dies möglich sei, statt sie erst geschehen zu lassen und dann zu ahnden.

Die S-Bahn wollte sich gestern zu dem Fall nicht äußern. Man wolle der Einspruchstelle nicht vorgreifen, so ein Sprecher.

Eine Reaktion hat Juan Bayona Garcia immerhin schon bekommen: Sein Widerspruchs-Mail wurde von einem Computer mit der Standard-Antwort quittiert, das Mail sei angekommen und werde schnellstmöglich bearbeitet. Bayona wartet gespannt auf das Ergebnis der Prüfung.

Fahrräder im MVV

In U- und S-Bahnen ist die Mitnahme von einsitzigen Fahrrädern erlaubt. Jeder Fahrgast darf nur ein Radl mitnehmen und muss dafür ein Fahrrad-Tagesticket für 2,50 Euro lösen. Sperrzeiten: Montag bis Freitag 6 bis 9 Uhr sowie außerhalb der Schulferien 16-18 Uhr. Voraussetzung: Der Platz muss ausreichen. Kinderwagen und Rollstuhlfahrer haben Vorrang.

Kinder-Fahrräder bis 20 Zoll Reifengröße und zusammengeklappte Klappräder dürfen unentgeltlich ohne zeitliche Einschränkung mitgenommen werden.

Von Peter T. Schmidt

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