Abriss eines Wohnhauses

Erste Hiobsbotschaft für GBW-Mieter

München - In Schwabing droht der Abriss eines vierstöckigen Wohnhauses. Lokalpolitiker schlagen auch im Süden Alarm.

„Abriss eines Innenhofgebäudes und an dessen Stelle Neubau zweier Wohnhäuser“: Kein Tagesordnungspunkt, der normalerweise aufhorchen lässt. Die Mitglieder des Schwabinger Bezirksausschusses versetzte dieses Vorhaben eines Bauherrn auf ihrer jüngsten Sitzung allerdings in Alarmbereitschaft: Der Bauherr ist nämlich die GBW Oberbayern und Schwaben GmbH, also die einstige Immobilientochter der BayernLB, die im April für rund 2,5 Milliarden Euro an ein Konsortium unter Führung des Augsburger Patrizia-Konzerns verkauft worden ist. Die befürchteten negativen Folgen für Mieter könnten nun bereits nach wenigen Monaten erstmals Realität werden.

Zwar hatte die Politik auf Druck der Mieterverbände bei dem Verkauf eine Sozialcharta durchgesetzt: lebenslanges Wohnrecht für über 60-Jährige, keine Luxussanierungen und begrenzte Mieterhöhungen stehen darin. Befürchtungen, die Mieter würden den Verkauf dennoch schmerzlich zu spüren bekommen, blieben aber – und scheinen sich im konkreten Fall zu bewahrheiten: Es geht um ein viergeschossiges Gebäude aus den 60er-Jahren im Innenhof der Bonner Straße 29 bis 35, welches durch eine Wohnanlage mit 43 Wohneinheiten und Tiefgarage ersetzt werden soll.

Wie Oskar Haider (CSU) seinen BA-Kollegen vortrug, handele es sich bei dem bestehenden Haus „auf keinen Fall um ein verkommenes und baufälliges Gebäude“. Zudem wohnten manche Mieter schon seit rund 35 Jahren dort. Der BA-Vorsitzende Walter Klein (SPD) erklärt zudem, dass Kinder aus der ganzen Umgebung in diesem Innenhof spielten. In der Stadt sei man auf solche Plätze angewiesen, ist die einhellige Meinung der BA-Mitglieder.

Den Bewohnern sei von der geplanten Baumaßnahme vor der Sitzung nichts bekannt gewesen. Dieses Ansinnen „ist der Beginn der Versuche, die es künftig in ganz München geben wird“, mahnt Walter Klein. Er regte an, seitens des BA eine Anwohnerversammlung einzuberufen, um diese offensichtlichen Versuche der Gentrifizierung im Keim zu ersticken. Diesem Vorschlag schlossen sich die BA-Mitglieder an. Den Vorbescheid zum Neubau zweier Wohnhäuser an der Stelle des vorhandenen Innenhofgebäudes lehnten sie einstimmig ab.

Auf der Hut zu sein und sich gegebenenfalls auch juristisch zu wehren – dies empfahlen Experten den GBW-Mietern auch bei einer Informationsveranstaltung des Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Das Stadtteil-Gremium hatte eine Sondersitzung einberufen, um Bürgern die Gelegenheit zu geben, ihre Fragen zu stellen. Im 19. Stadtbezirk befinden sich gut 300 der 32 000 GBW-Wohnungen. Um zu klären, wie es mit diesen weitergeht, hatte der BA-Vorsitzende Hans Bauer (SPD) Vertreter beider Immobilienunternehmen eingeladen. Umsonst. Bei der Patrizia habe man abgewunken mit dem Hinweis, die GBW sei ein eigenständiges Unternehmen, berichtete Bauer. Bei der GBW habe niemand Zeit für den Termin gehabt.

Albrecht Schmidt, stellvertretender Vorsitzender im städtischen Mieterbeirat, bezeichnete die vorgelegte Sozialcharta als wertlos. Er empfahl den Betroffenen dringend, Mietergemeinschaften zu gründen. Zudem sei eine Rechtsschutzversicherung für Mietfragen ratsam. „Sie schlafen dann ruhiger.“

SPD-Stadträtin Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins, äußerte sich ähnlich. Zwar habe nicht der Vermieter gewechselt – aber das Aktienpaket den Besitzer. Die Patrizia AG sei ein renditeorientiertes Unternehmen. Zurek erinnerte an die Siedlung Ludwigsfeld, die 2007 von der Patrizia gekauft wurde. Auch für diese sei damals eine Sozialcharta zum Schutz der Mieter abgeschlossen worden. Und nun gebe es reihenweise Auszüge, weil sich viele nach Modernisierungen die Mieten dort nicht mehr leisten könnten.

M. Deny/ B. Wenninger

Rubriklistenbild: © dpa

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