Alte AkademieFoto: Marcus Schlaf, 10.11.2015gespeichert unter benko3
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Schmuckstück in 1-A-Lage: die Alte Akademie an der Neuhauser Straße.

Erste Pläne

Trotz Umbau: Alte Akademie soll ihr Erscheinungsbild behalten

  • vonPeter T. Schmidt
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München - Der Umbau der Alten Akademie soll die Neuhauser Straße um 134 Meter Geschäftsfassade bereichern, ohne dass sich an der Optik des Ensembles viel verändert. Darauf haben sich der Stadtrat und das Immobilienunternehmen Signa des österreichischen Investors René Benko geeinigt.

Das frühere Jesuitenkolleg zwischen Michaelskirche und Bürgersaal gilt als architektonisches Juwel. „Eines der ersten und großartigsten Beispiele klösterlicher Monumentalarchitektur des Renaissance-

Hat große Pläne in München: Investor René Benko.

Zeitalters“ nennt es Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Der Verpflichtung, die daraus erwächst, sei man sich bewusst, sagt Christoph Stadlhuber, Chef der „Signa Prime Selection“, in der die Benko-Gruppe ihre Premium-Immobilien bündelt. Das Unternehmen habe Erfahrung mit denkmalgeschützten Objekten.

Als der Freistaat den Komplex Ende 2013 in Erbpacht auf 65 Jahre verkaufte, griff Benko trotz der Denkmalschutzauflagen zu. „Wenn man sich die deutschen Großstädte aus Immobiliensicht ansieht, stößt man bald auf die Alte Akademie“, beschreibt Stadlhuber den Stellenwert des Ensembles. Ein Architektenwettbewerb soll nun zeigen, was aus dem Komplex, der zuletzt das Kaufhaus Hettlage und das statistische Landesamt beherbergte, werden soll. Um die Vorgaben für die Planer haben Stadt und Signa eineinhalb Jahre lang gerungen. Gestern wurde der Katalog im Planungsausschuss verabschiedet. Die Eckpunkte:

Nutzung

Von den rund 22 000 Quadratmetern Nutzfläche sollen 48 bis 54 Prozent für Einzelhandel, 4 bis 9 Prozent für Gastronomie, 12 bis 18 Prozent für Büros und bis zu 30 Prozent für Wohnungen verwendet werden.

Hettlage

Schwierige Aufgabe: Die Planer müssen  entscheiden, ob die Arkaden am Hettlage-Gebäude bleiben.

Der Eckkomplex an der Neuhauser-/Kapellenstraße wurde im Krieg zerstört und von 1953 bis 1955 völlig neu gebaut. Fassade und Dachflächen stehen unter Denkmalschutz, das Innere darf entkernt werden. Hier soll vor allem Einzelhandel einziehen, und zwar „kein Shopping-Center sondern einzelne Filialisten“, betont Stadlhuber. Darunter ist eine Tiefgarage geplant, die von der Kapellenstraße her erschlossen wird. Ob die Arkaden bleiben, ist offen. „Wir erwarten kreative Vorschläge von den Architekten“, sagt Stadlhuber. Einen Gedanken will er aber in die Diskussion einbringen: Man habe die Arkaden einst angelegt, weil für einen Gehweg an der stark befahrenen Straße kein Platz war. Heute, mit der Fußgängerzone, sei die Situation vollkommen anders. Der Bogengang habe seine Funktion verloren und werde selbst bei Regen kaum genutzt.

Alte Akademie

Die Fassade zur Neuhauser Straße hat den Bombenkrieg überstanden und ist denkmalgeschützt. Auch an den Dächern sind nur marginale Änderungen möglich. Vom Keller bis zum zweiten Stock soll hier Einzelhandel und Gastronomie einziehen. Man werde Unternehmen suchen, die mit den vorhandenen Fensterflächen auskommen, versichert der Signa-Chef. Womöglich werden die Etagenhöhen, anders als beim Wiederaufbau nach dem Krieg, wieder der Fassadengliederung angepasst. Die oberen Stockwerke sind für Büronutzung vorgesehen.

Schmuckhof

Die Öffnung dieses Innenhofs durch das östliche Portal hält Stadlhofer für den spannendsten Teil des Projekts. „Das ist eine irrsinnige Lage, wie man sie mitten in der Innenstadt nie erwarten würde“, schwärmt er. Einzelhandel und Gastronomie sollen hier einziehen, in den oberen Etagen wird es Wohnungen geben – „im Höchstpreissegment“, wie die Rathaus-SPD erwartet. Maßvolle Eingriffe in Fassade und Dachlandschaft sind allenfalls in den nördlichen Gebäudeteilen denkbar. Ob Balkone möglich sind, ist eine der Nüsse, die die Planer zu knacken haben. Zwölf Architekten sind zum Wettbewerb eingeladen, der bis zum 15. April 2016 ein Ergebnis bringen soll.

Mit diesem Rahmen sei das Projekt „auf einem guten Weg“, sagte gestern SPD-Planungssprecher Christian Amlong. Er halte es nach wie vor für einen Fehler, dass der Freistaat das Areal verkauft habe, doch mit dem Wettbewerb sei zumindest eine Chance eröffnet, dass ein qualitätsvolles Ensemble entstehe „und keine weitere 08/15-Einkaufsmaschine."

Peter T. Schmidt

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