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Engagement für Flüchtlinge zeigen viele ehrenamtliche Helfer, so wie hier im September 2015 am Hauptbahnhof.

Aufstand der Leisen

Demo am Marienplatz: Flüchtlingsarbeiter formieren sich

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Sie leisten ihre Arbeit meist „still und leise“. Doch den 70 Helferkreisen aus ganz Oberbayern geht die aktuelle Politik gegen den Strich. Sie protestieren.

München - „Richtig schön voll“ soll der Marienplatz an diesem Sonntag werden, so die Veranstalter: Nachmittags findet dort die „Erste Vollversammlung der in der Flüchtlingsarbeit Engagierten“ statt. Versammeln wollen sich an die 70 Helferkreise aus ganz Oberbayern, um sichtbar zu machen, was sie leisten – und was sie fordern. „Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie“ ist das Motto der Veranstaltung, zu der 2000 Teilnehmer angemeldet sind.

Zentrale Köpfe dahinter sind Thomas Lechner, der hauptberuflich im Feierwerk arbeitet, und Marina Lessig, hauptberuflich bei der Caritas. Über Monate haben sie ehren- und hauptamtliche Flüchtlingshelfer mobilisiert und dabei offene Türen eingerannt bei vielen, die die aktuelle Asylpolitik ablehnen. Sogar von einer neuen Bürgerrechtsbewegung war bereits die Rede.

Start um 15 Uhr

Beginn ist um 15 Uhr, Ende um 18 Uhr. Geplant ist eine Kundgebung, bei der keine aktiven Politiker sprechen sollen. Doch alle politisch Verantwortlichen, sagt Lechner, seien aufgefordert, zuzuhören und „auf Augenhöhe“ mitzudiskutieren – in Gruppen, die sich über den Marienplatz verteilen zu Themen wie: Recht auf Arbeit und Ausbildung; Anhörungen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; Zuwanderung als Bereicherung der Gesellschaft; Recht auf Wohnraum für alle; Stopp von Abschiebungen; Schutz der Menschenrechte.

Unterstützt wird der „Aufstand der Leisen“ von mehreren Initiativen: etwa dem Bellevue di Monaco, der Förderstelle für Bürgerschaftliches Engagement, dem Münchner Flüchtlingsrat, dem Verein Münchner Freiwillige, der Bayerischen Ärzteinitiative oder dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Auch einige Prominente wollen reden, darunter Konstantin Wecker, Björn Bicker von den Kammerspielen, Ecco Meinecke, Professor Werner Schiffauer und Kirchenvertreter.

„Es wählen auch noch andere“

Hunderttausende Helfer seien tagtäglich mit viel Energie dabei, Menschen, die aus größter Not flüchten, das Ankommen zu ermöglichen, betont Lechner. Zugleich gebe es eine zunehmend feindselige Stimmung gegenüber Geflüchteten, und viele Politiker gingen vor allem auf die besorgten Bürger zu – aus Angst vor deren Wahlverhalten bei der Bundestagswahl im Herbst. „Aber halt!“, so die Helfer. „Es wählen auch noch andere!“

Sie bezeichnen sich als Stützen der Gesellschaft, die sich für viele zentrale Werte einsetzen. „Wir leisten unsere freiwillige Arbeit meistens still und leise“, heißt es. „Aber die Rahmenbedingungen dafür haben sich verändert.“ Immer mehr behördliche Willkür behindere ihre Arbeit. Statt sie zu unterstützen, werde ein „Klima der Angst“ erzeugt. Arbeitsverbote und Sammelabschiebungen machten viel vom Geleisteten zunichte. Dem wollen die Helfer viel Positives entgegensetzen und aufzeigen: „Wir sind viele! Erheben wir unsere Stimme!“

Mindestens bis zur Wahl soll es mit Protesten weitergehen. Im Mai ist eine Essenstafel in der Fußgängerzone geplant, im Juni eine bayernweite Demonstration und im Juli ein internationales Straßenfest. Weitere Infos: www.gemeinsam-fuer-menschenrechte-und-demokratie.de.

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