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Nadelöhr an der A 99

Erweiterung Allacher Tunnel: Bürger fürchten Abriss ihrer Häuser

München - Der Allacher Tunnel an der A 99 soll auf acht Spuren ausgebaut werden. Zum Entsetzen einiger Anwohner: Zufällig haben sie erfahren, dass ihre Häuser wegen der Baustelle abgerissen werden könnten.

Die Allacher und der Straßenverkehr, das ist eine leidige Geschichte. Schleichverkehr von der Autobahn und Schwerlastverkehr von den umliegenden Gewerbegebieten belasten die Wohnquartiere im Münchner Westen. Nun sorgt der Ausbau der chronisch überlasteten A99 für Unbehagen. Laut Bundesverkehrswegeplan 2030 soll das Teilstück zwischen dem Autobahndreieck (AD) München-Allach und dem AD München-Feldmoching auf sieben Kilometern Länge auf acht Streifen ausgebaut werden. Der Tunnel Allach mit drei Spuren in beide Richtungen gilt als Nadelöhr und ist daher stauanfällig. Laut einer Studie passieren täglich 126.000 Autos den Tunnel.

Einige Bürger, die unmittelbar im Bereich des Allacher Tunnels wohnen, fürchten deshalb um ihre Häuser. Eine Anwohnerin war „durch Zufall“ auf die Ausbaupläne im Bundesverkehrswegeplan gestoßen. Die Projektanmeldung, damals noch für den Bundesverkehrswegeplan 2015, war laut 

Verwirrung unter Kommunalpolitikern und Bürgern

Die Anwohnerin klagte im Bezirksausschuss Allach-Untermenzing, dass einige Häuser, darunter auch ihr eigenes, für den Autobahnausbau enteignet und abgerissen werden müssten. Auch ein Eingriff in den Allacher Forst wäre im Zuge des Ausbaus erforderlich. Ihre Familie wohne schon über einhundert Jahre in Allach, immer in dem Haus, das jetzt womöglich der Autobahn weichen müsse, sagte die Anwohnerin. Niemand habe die betroffenen Bürger informiert. Auch der BA hörte von den Plänen offenbar zum ersten Mal. Die Folge war große Verwirrung unter Kommunalpolitikern und Bürgern.

Mittlerweile äußerte sich auch das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI), das den Bundesverkehrswegeplan aufstellt, zu dem Ausbau des Tunnels: Bis auf eine Machbarkeitsstudie existierten für das Projekt „derzeit noch keine weiterführenden Planungen“, ließ das Ministerium wissen. „Es kann daher noch nicht abgeschätzt werden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Wohnbebauung von dieser Maßnahme betroffen sein wird.“

Verlauf des neuen Tunnels nur vorläufig festgelegt

Die neue Tunnelröhre soll den Verkehr von Stuttgart und Lindau in Richtung Salzburg leiten. In der entgegengesetzten Richtung soll der Verkehr durch die bestehende Tunnelröhre fließen. Die Autobahndirektion Südbayern teilt mit, dass der in der Machbarkeitsstudie eingezeichnete Verlauf des neuen Tunnels allerdings nur vorläufig sei. Sicher ist also noch gar nichts.

Das Projekt hat die Dringlichkeitskategorie „Vordringlicher Bedarf“. Vorgesehen ist, dass Projekte dieser Kategorie bis zum Jahr 2030 umgesetzt beziehungsweise mit deren Bau begonnen werden soll. „Sofern der Deutsche Bundestag die Dringlichkeitseinstufung mit der Aufnahme des Vorhabens in den neuen Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen bestätigt“, so das Verkehrsministerium wortwörtlich, „kann die bayerische Straßenbauverwaltung die Planungen aufnehmen, bis zur Baureife führen und nach Finanzierungszusage des Bundes baulich umsetzen.“

“Derzeit noch ganz am Anfang“

Das Projekt sei komplex, da der Allacher Tunnel „im städtischen Umfeld“ liege und „um eine zusätzliche, separate Tunnelröhre erweitert werden“ soll. Deshalb seien „umfangreiche Abstimmungen und eine aufwendige Projektplanung zu erwarten“, so das Verkehrsministerium weiter. Diese stünden „derzeit noch ganz am Anfang“. Die vorläufig kalkulierten Projektkosten belaufen sich auf rund 340 Millionen Euro.

Der Bezirksausschuss Allach-Untermenzing kündigte an, von der Autobahndirektion Südbayern ausführliche Informationen einzuholen und zu prüfen, ob eine Sondersitzung zu dem Thema notwendig sei. „Der Ausbau der A99, das dürfte kein Geheimnis sein, ist unvermeidlich. Auf der anderen Seite stehen aber die Auswirkungen für die Anwohner“, sagte BA-Vorsitzende und CSU-Stadträtin Heike Kainz. Bis es so weit ist, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen.

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