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Auch am Haupteingang sollen die Ordner mit ihren gelben Westen heuer verstärkt kontrollieren. Die Stadt hatte Mühe, Personal zu finden.

Teures Sicherheitskonzept

60 Euro pro Stunde: Wiesn-Ordner kosten Stadt Millionen

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Die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen für die Wiesn kommen die Stadt teuer zu stehen. Weil Sicherheitsunternehmen volle Auftragsbücher haben, können sie die Preise quasi diktieren. Die Stadt muss deshalb heuer für einen Ordner 60 Euro bezahlen – pro Stunde. Die Standgebühren auf der Wiesn werden deshalb ab 2017 wohl angehoben.

450 kommunale Ordner sollen heuer das Oktoberfest schützen – 200 mehr als im vergangenen Jahr. Die Stadt lässt sich die erhöhte Sicherheit eine Stange Geld kosten. Über 3,6 Millionen Euro muss das Rathaus heuer für das Sicherheitspersonal ausgeben. Am morgigen Mittwoch will sich das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW), Veranstalter des Oktoberfests, die Mehrausgaben, die durch das verschärfte Sicherheitskonzept anfallen, vom Feriensenat bewilligen lassen. Es geht um 100 zusätzliche Sicherheitskräfte, die rund 13 600 Stunden im Einsatz sein werden. Sie sollen an den Eingängen zum Festgelände Taschen- und Personenkontrollen durchführen. Das Unternehmen Kötter Security, Nummer zwei in der deutschen Sicherheitsbranche, wird das Personal bereitstellen – und lässt sich dafür fürstlich entlohnen. Nach Merkur-Informationen stellt das Unternehmen der Stadt dafür 820 000 Euro in Rechnung. Das sind 60 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde. Inbegriffen ist die Unterbringung und Verpflegung der Sicherheitsleute.

Bereits im Frühling hatte sich abgezeichnet, wie schwierig es derzeit in Deutschland ist, Sicherheitspersonal in ausreichender Zahl zu bekommen. Nach den Terroranschlägen in Paris und Brüssel hatte sich das RAW in Absprache mit dem Kreisverwaltungsreferat und dem Polizeipräsidium entschieden, die Zahl der städtischen Ordner für die Wiesn 2016 um 100 auf dann 350 zu erhöhen. Die Stadt schrieb den Auftrag aus. Allerdings gab bis Ende April kein einziges Sicherheitsunternehmen ein Angebot ab. Am 13. Mai unterschrieb Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) deshalb eine „dringliche Anordnung“ und ermächtigte damit das RAW, ohne Ausschreibung Kontakt mit Sicherheitsfirmen aufzunehmen. Weil die Zeit drängte, wurde nicht einmal mehr der Stadtrat in die Entscheidung einbezogen. Zwischenzeitlich sorgte man sich beim RAW sogar, gar kein Unternehmen für den Sicherheitsdienst auf der Wiesn zu finden. Dann aber machte Kötter Security ein unmoralisches Angebot. Die Stadt nahm es nolens volens an. Vereinbart wurde ein Stundensatz von 60 Euro für Ordnungsdienstkräfte mit Sachkundeprüfung und 56 Euro für Ordnungsdienstkräfte mit Unterrichtung, einer weitaus niedrigeren Qualifikation.

Nach dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum entschied sich Wiesn-Chef Josef Schmid in Absprache mit den Sicherheitsbehörden für eine weitere Aufstockung der städtischen Ordner um 100 Personen auf dann 450. Den Stundensatz immerhin beließ Kötter bei 60 Euro. Die Stadt hätte vermutlich in ihrer Not noch mehr bezahlt. Die Zustimmung des Feriensenats zur beantragten Aufstockung der Ordner gilt als sicher.

Die Gründe für das geringe Interesse von Sicherheitsfirmen an der Wiesn sind vielfältig. Hauptproblem ist, dass die Branche sich seit geraumer Zeit vor Aufträgen kaum retten kann. Die Kapazitäten der meisten Dienstleister seien derzeit durch die Betreuung von Flüchtlingsheimen gebunden, teilte das RAW im Juli dem Stadtrat mit. Hinzu kommt, dass es schwer ist, während des Oktoberfestes genug Übernachtungsplätze zu finden. Das RAW musste die 60 Euro Stundensatz deshalb akzeptieren.

Die erhöhten Ausgaben reißen ein Loch ins städtische Budget fürs Oktoberfest. Alle Mehrausgaben für 2016 können zwar noch aus Restmitteln für die Oide Wiesn und Schenkungen für die Jubiläumswiesn aus Vorjahren finanziert werden. Die Stadt geht indes nicht davon aus, die rigiden Sicherheitsvorkehrungen nächstes Jahr wieder zurückzufahren. Deshalb plant sie die Erhöhung der Standgebühren, um die Kosten für das Sicherheitspersonal zu refinanzieren. Soll heißen: Zelt-, Standl- und Fahgeschäftebetreiber müssen sich auf höhere Mieten einstellen. Ob sich die Wirte die Mehrkosten über eine Erhöhung des Bierpreises wieder hereinholen, ist eigentlich eine rhetorische Frage. Gestiegene Kosten sind jedes Jahr Argument Nummer eins, wenn es darum geht, den nach oben angepassten Bierpreis zu rechtfertigen.

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