Bis zum 2. August angstfrei: Pouya mit Intendant Podt und Dramaturgin Dagmar Schmidt.

Rückreise dank Künstlervisum

Angekommen: Exil-Afghane Pouya spielt bald in der Schauburg

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Es ist die Rolle seines Lebens, in doppelter Hinsicht: Ahmad Shakib Pouya, der vor sechs Jahren aus Afghanistan nach Deutschland floh, spielt ab 22. April den Gastarbeiter Ali in Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“.

München - Mit dem Rollenangebot habe ihm die Schauburg das Leben gerettet, sagte Pouya am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Nur so sei er an sein Künstlervisum gekommen. Zudem weiß Pouya, was Angst ist. Um einer Abschiebung zuvorzukommen, war Pouya im Januar freiwillig nach Afghanistan ausgereist. 55 Tage lang hatte er sich im zerbombten Kabul vor den Taliban versteckt. Seit einer Woche ist er zurück in Deutschland. Schauburg-Dramaturgin Dagmar Schmidt sagt: „Warten ist Folter“. Sie wollte Fassbinders Stoff schon länger auf die Bühne bringen und zeigen, was Druck, Angst und Ausgrenzung bei Menschen anrichten. Schmidt: „Wer könnte das besser auf die Bühne bringen als Pouya?“

Auch bei Pouya fraß die Angst gierig. Wie bei Fassbinders Figur Ali griff sie den Magen an – Pouya musste in Kabul wegen heftiger Schmerzen ins Krankenhaus. Schmidt und Schauburg-Intendant George Podt, der Regie führt, sind „überglücklich“, Pouya geholfen zu haben. Das Stück soll aber auch ein politisches Signal sein: gegen „Schreihälse und Zündler“ und für Tausende Flüchtlingshelfer. „Wir wollen unsere Entrüstung über die Abschiebepolitik Bayerns ausdrücken“, sagt Podt.

Das Schönste in Deutschland sei, sagt Pouya, sich sicher zu fühlen und sich nicht verstecken zu müssen. Bis zur Premiere am 22. April absolviert er ein straffes Programm. Acht Stunden Probe jeden Tag, außer sonntags. Sein Visum gilt bis zum 2. August, dann läuft der Vertrag mit der Schauburg aus. Er wird sich danach wohl von Engagement zu Engagement hangeln, von Visum zu Visum. Das Gärtnerplatztheater hat ihm eine Rolle in Aussicht gestellt. Die Unsicherheit bleibt. Pouya gibt sich dennoch zuversichtlich. „Ich schaue jetzt nach vorn.“ Dann zeigt ihm die Dramaturgin Schmidt eine Vase mit Tulpen, die sie vorher auf die Bühne gestellt hat. Die Blume komme ursprünglich nicht aus Holland, sondern aus Afghanistan. Heute sei sie ein „sehr selbstverständlicher Teil unseres europäischen Lebens – mit afghanischen Wurzeln“.

Lesen Sie hier: Münchner begleitete Pouya nach Kabul - ein Höllentrip

tos

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