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Eine Radlautobahn – wie hier von Planern in einer Vision skizziert – wird es in München so bald wohl nicht geben. Der Ausbau der Radrouten spielt aber künftig eine zentrale Rolle, um die Mobilität in der Region zu gewährleisten.

Ringsherum, nicht mittendurch

Radlautobahn? Car-Sharing? Mögliche Lösungen für den Münchner Verkehr 

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Die Zukunft der Mobilität ist ein Kernthema in Stadt und Region. Bei einer Anhörung im Stadtrat haben Experten über Erfahrungen aus anderen Städten berichtet und Lösungen aufgezeigt.

Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) sagte zu Beginn des Hearings: „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir haben es bereits.“ Und tatsächlich: All die von Experten skizzierten Lösungen, um die Mobilität in der Metropolregion weiter zu gewährleisten, liegen bereits in der Schublade. Böhle aber wünscht sich mehr Mut bei der Umsetzung.

Die Ausgangslage ist hinlänglich bekannt. Der sogenannte motorisierte Individualverkehr nimmt stetig zu. Ein- und Auspendler eingerechnet seien täglich bis zu einer Million Fahrzeuge in München unterwegs, sagte etwa Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Und täglich würden es mehr, denn das Umland wachse schließlich auch, ergänzte Thomas Feig vom KVR.

München ist zur Stauhauptstadt geworden

Das führt unweigerlich zu Problemen: München ist zur Stauhauptstadt geworden, und bei der Luftbelastung auf den traurigen vorderen Plätzen der Republik. Auch ist es eine Platzfrage, denn laut Statistiken des KVR verbraucht ein Autofahrer 35 Quadratmeter Raum, ein Pendler in der Tram 2,5, einer im Bus fünf und ein Radfahrer zehn. Dabei zeigten aktuelle Umfragen, dass sich Münchner lieber mit dem Rad oder zu Fuß (46 Prozent) und mit öffentlichen Verkehrsmitteln (30 Prozent) fortbewegen wollen.

Das Thema Radwege spielt daher künftig eine zentrale Rolle. Architekt und Stadtplaner Stefan Bendicks (Artgineering) hat zahlreiche Projekte in den Niederlanden oder in Belgien begleitet. „In den Niederlanden sind Radschnellwege bewusst an Autobahnen angelegt worden, wo es Stau gab.“ Das hatte auch finanzielle Hintergedanken; das Anlegen eines Radweges war günstiger als der Ausbau der Autobahn.

Für Ingo Wortmann, den Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), liegt eine Lösung im Ausbau des ÖPNV. Es brauche Tangentialverbindungen und Ringsysteme, denn „wir schleifen alle Fahrgäste durch die Innenstadt, auch wenn die da möglicherweise gar nicht hinwollen“. Am besten möglich sei der oberirdische Ausbau, denn neue U-Bahnen zu bauen, dauere lange. Die MVG plant wie berichtet bereits neue Expressbus- und Ringbuslinien.

Es wird an der Modellstadt München 2030 gearbeitet

Georg Dunkel vom Planungsreferat und Carl Friedrich Eckhardt von BMW arbeiten gemeinsam an einem Konzept für die Modellstadt München 2030. Sie untersuchen, wie der Verkehrsfluss verbessert, der Parkraumsuchverkehr minimiert werden kann. Und um die Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV zu motivieren, wolle man nicht Verbote schaffen (City-Maut, Autoobergrenze), sondern ein echtes Angebot. Dazu gehören laut Stadt- und Verkehrsplaner Klaus Beckmann zudem der Ausbau des Carsharings, der Elektromobilität und neue Ansätze aus den Bereichen Autonomes Fahren und City-Logistik.

Dabei solle man sich aber nicht noch weitere Wunschprojekte aufhalsen, sagte Erdings OB Maximilian Gotz (CSU). „Wenn wir das, was wir jetzt schon haben, nicht stemmen können, dann verlieren wir die Menschen und die Glaubwürdigkeit.“ Die Probleme allein in München zu lösen, bringe nur kurzfristig etwas. „Wenn Sie in der Region keine verkehrsfähigen Anbindungen schaffen, wird sich das Wohnungsthema weiter fokussieren.“ Und das ist das nächste Kernthema der Stadt.

Sascha Karowski

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