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Test: So hat die „Radlhauptstadt“ abgeschnitten

  • Moritz Homann
    VonMoritz Homann
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München - Zu schmale Radlwege, Chaos an Baustellen, nervige Ampelschaltungen – Münchens Radlfahrer stellen der Stadt kein allzu gutes Zeugnis aus. In einem Test des Radlvereins ADFC landet die selbsternannte „Radlhauptstadt“ nicht auf den besten Plätzen.

Man kann wirklich nicht behaupten, dass das Thema Radfahren in der Stadt – und vor allem im Rathaus – keine Rolle spielt. Monatelang hatten die Parteien über den Radlweg an der Rosenheimer Straße diskutiert. Vor rund drei Wochen präsentierten CSU und SPD die Lösung: Die Fahrspuren für Autos sollen schmaler werden, und es gibt auf beiden Seiten einen Radfahrstreifen von 1,50 Metern Breite. Schwarz-Rot, freute man sich, tut etwas für die Radler.

Doch geht es nach dem Radl-Club ADFC, tut die Stadt bei weitem noch nicht genug. Regelmäßig erstellt der Club Städte-Rankings, in denen die radlfreundlichsten Orte gekürt werden. Man sollte meinen, dass eine „Radlhauptstadt“ da weit vorne rangiert – doch auf den ersten Plätzen finden sich Münster, Karlsruhe und Freiburg. München liegt abgeschlagen auf Rang 12, gerade mal besseres Mittelfeld unter den 39 deutschlandweit getesteten Städten. Im Vergleich zu 2012 hat sich München sogar um einen Platz verschlechtert.

Mehr als 100 000 Radlfahrer in ganz Deutschland haben am ADFC-Fahrradklima-Test teilgenommen und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Wohnorte bewertet. In München waren es 1208 Teilnehmer. Sie kritisieren vor allem die Ampelschaltungen für Radfahrer, die Verkehrsführung an Baustellen und die unzureichende Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen. Im Vergleich zu anderen Städten monieren Münchens Radler auch, dass das Mitnehmen der Radl im öffentlichen Nahverkehr nicht ideal sei, sondern „schwierig und/oder zu teuer“. Außerdem empfinden die Münchner ihre Radlwege als zu schmal.

Aber natürlich ist nicht alles schlecht. Besonders positiv heben die Radfahrer in München hervor, dass sie sich nicht allein fühlen: Der Aussage „Bei uns fahren alle Fahrrad – egal, ob alt oder jung“ stimmten überdurchschnittlich viele Münchner zu. Noch stärker fällt den Radlern in der Isarmetropole auf, dass in ihrer Stadt viel für das Radfahren geworben wird – die Öffentlichkeitskampagnen kommen also offenbar an. Auch die Sauberkeit der Radwege wird gelobt, und das Problem des Fahrraddiebstahls nehmen die hiesigen Radler in anderen Städten wesentlich größer wahr.

Und trotzdem: Die Lorbeeren in Sachen Radlfreundlichkeit heimsen andere ein. Hannover, Bremen, Kiel, Frankfurt – sie alle liegen vor München. Immerhin wird die Radlhauptstadt deutlich besser bewertet als die anderen Millionenstädte: Berlin schafft es nur auf Platz 30, Hamburg sogar nur auf Rang 35. Auch Köln muss sich mit Platz 36 begnügen.

Mehrere Städte hat der ADFC außerdem als „Aufholer“ ausgezeichnet, weil sie sich im Vergleich zum Testergebnis im Jahr 2012 deutlich verbessert haben. Die Top-Aufholer des Jahres 2014 sind Wuppertal, Augsburg und Stuttgart.

Noch viel fahrradfreundlicher sind aber die kleineren Städte, die der ADFC in einer anderen Rangliste aufführt. Fast nur Bestnoten heimst die Stadt Bocholt im westlichen Münsterland ein – und in keiner anderen Stadt empfinden die Bewohner das Radfahren als stressfreier.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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