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Amsterdamer Verhältnisse: Auf der Blutenburgstraße möchten Stadträte wie Alexander Dietrich (CSU) niederländische Fahrradstraßen-Markierungen testen. 

Fraktionsübergreifender Antrag

Stadtrats-Mehrheit will Vorfahrt für Radler

München - In Münchens Tempo-30-Zonen soll es vermehrt sogenannte Fahrradstraßen geben, auf denen die Radler Vorrang haben. Darüber sind sich gleich sechs Stadtratsfraktionen einig.

Der Prüfantrag, den CSU, SPD, Grüne, Freiheitliche, ÖDP und Linke am Montag in seltener Eintracht stellten, verheißt Fahrradfahrern in München bessere Zeiten, auch wenn die Ideen noch ein wenig vage sind. Die Fraktionen beantragen, mehr Fahrradstraßen in echte Fahrradstraßen umzuwandeln. 

Fahrradstraßen, nicht zu verwechseln mit Radwegen, sind am Eingang mit einem Schild mit Radl-Symbol markiert – ähnlich wie Fußgängerzonen und Tempo-30-Zonen. Oft gibt es zusätzlich Piktogramme auf der Fahrbahn. Gut 50 Fahrradstraßen sind in München seit den 80er-Jahren ausgewiesen worden. Radler haben dort Vorrang. Nun sollen es mehr werden, und die will der Stadtrat noch deutlicher kennzeichnen: mit farbigen Streifen beiderseits der Fahrbahn. Mehr Fahrradfahrer und letztendlich einen flüssigeren, entzerrten Stadtverkehr versprechen sich die Stadträte davon.

Die Radler sollen nun auch Vorfahrt in den Fahrradstraßen erhalten. Das soll baulich und optisch - sichtbarer gekennzeichnet sein, etwa an einbiegenden Straßen und Kreuzungen. In zwei Pilotprojekten soll dies getestet werden. Außerdem wollen die Stadträte, dass der OB im Deutschen Städtetag erreicht, das dieser sich auf Bundesebene für das Vorrecht der Radler auch in Tempo-30-Zonen einsetzt.    

Alexander Dietrich (CSU) und Paul Bickelbacher (Grüne) ließen sich von einem Fortbildungs-Ausflug nach Amsterdam im Juli 2015 inspirieren. Dort sind knallige Fahrradstraßen-Markierungen üblich. „Wir finden die Kennzeichnung in München mit den großen Piktogrammen auf dem Boden ein wenig unglücklich“, sagt Dietrich. „Wir würden gerne die deutlichen roten Markierungen aus den Niederlanden auf die Fahrbahn malen lassen. Denn in Amsterdam funktioniert der gemeinsame Verkehr von Autos und Fahrrädern sehr gut.“

Dieses Zusammenspiel will man in München auf zwei neu ausgewiesenen Strecken testen, auf denen auch Autos erlaubt sein sollen. Dietrich schlägt hierzu die Blutenburgstraße (Neuhausen) vor. Sie sei genau solch „eine Tempo-30-Strecke, die Radler nutzen könnten, in dem Fall alternativ zur Nymphenburger Straße. Schließlich verläuft sie parallel zu ihr“, sagt Dietrich.

Würden tatsächlich links und rechts breite, rote Streifen verwendet, wäre das auf Fahrradstraßen in München ein Novum. Autofahrer müssten sich erst daran gewöhnen. Bedenken, dass es anfangs zu kleineren Unfällen kommen könnte, teilen Stadtpolitiker nicht. Bickelbacher: „Aus Erfahrung wissen wir, dass neue Verkehrsflächen meist zu einer vorsichtigeren Fahrweise führen.“

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist skeptisch. „Grundsätzlich unterstützen wir den Vorstoß“, sagt Sprecherin Traudl Schröder. „Aber von den roten Streifen halten wir nichts. Man könnte stattdessen die Piktogramme häufiger aufmalen, um die Fahrradstraße besser zu kennzeichnen. Und zum anderen ist die Blutenburgstraße als Teststrecke ungeeignet.“ Im Westen könne man hier den Mittleren Ring gar nicht queren. „Viel sinnvoller wäre es, die Clemensstraße für so einen Versuch zu nutzen“, sagt Schröder. „Sie ist bereits eine Fahrradstraße. Nur vielen Autofahrern ist das noch gar nicht klar.“ 

Hüseyin Ince/my

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