Falsche Ansagen in der S-Bahn führen Fahrgäste in die Irre

München - Fehlerhafte Stationsanzeigen und -durchsagen vergrätzen seit Wochen zahllose Fahrgäste in der S 7. Zwischen Siemenswerke und Donnersbergerbrücke schrecken Morgen für Morgen Pendler hoch, die in die Zeitungslektüre oder ins Gespräch vertieft waren, weil plötzlich ihre Station angesagt wird - fälschlicherweise.

Immer wieder gelingt es einzelnen Passagieren, im letzten Moment aus dem Zug zu hetzen – um zu erkennen, dass sie in der Dunkelheit eine Station zu früh ausgestiegen sind. Die Ansage war verkehrt, der Zug ist weg, der nächste kommt in 20 Minuten.

Grund ist nach Angaben einer Bahn-Sprecherin ein Software-Problem auf dieser Strecke. Die einzelnen Durchsagen sind in einem Computer an Bord der Züge gespeichert, der die jeweiligen Texte abspielt und synchron dazu die Leuchtanzeigen in den Waggons steuert. Welche Station jeweils anzusagen ist, erfährt der Computer laut Bahn „durch Entfernungsmessungen während der Fahrt“. Anhand der zurückgelegten Fahrtstrecke sollte das System zu jeder Zeit metergenau wissen, wo der Zug gerade ist. Doch die Bahn bestätigt auf Nachfrage: „Wir haben in Mittersendling und bei den Siemenswerken das Problem, dass sich das System abschaltet.“

Der Lokführer greife in diesen Fällen manuell ein und sorge dafür, „dass die Entfernungsmessung fortgeführt wird“. Das jedoch, so erfahren die leidgeprüften Passagiere täglich, funktioniert nicht immer. Es kann nach Fahrgast-Berichten dazu führen, dass fortan mit den eingangs geschilderten Folgen immer die übernächste Station angesagt wird, oder aber dass die korrekte Ansage erst viel zu spät ertönt, wenn der Zug die betreffende Station gerade wieder verlässt.

Sogenannte Transponder, mit denen sich jeder Bahnhof eindeutig identifiziert, könnten dieses Problem lösen. Die Technik wird beispielsweise bei Marathon-Läufen seit Jahren angewandt und überwacht den Stations- und Zieldurchlauf tausender Läufer gleichzeitig. Doch die Bahn setzt ausschließlich auf ihre Streckenmessung.

Das fehlerhafte System im Zweifelsfall ganz abzuschalten und die Durchsagen wie früher vom Fahrer machen zu lassen, sei nicht vorgesehen, teilte die Bahn-Sprecherin auf Anfrage mit. Sie verwies auf die Anweisung an die Fahrer, die Entfernungsmessung manuell fortzusetzen. Damit sei „eine generell funktionierende Interimslösung gefunden“ worden.

Mit dieser Lösung, die nach Beobachtung vieler Fahrgäste eben nicht funktioniert, müssen die Kunden der S-Bahn noch eine Weile leben: „Im Laufe des nächsten Monats erwarten wir vom Softwarehersteller die Updates“, kündigte die Bahn-Sprecherin an.

Peter T. Schmidt

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